Rund 120 verschiedene Bäume und Gehölze haben auf dem etwa einen Hektar großen Gelände ihre Heimat gefunden. Viele davon pflanzte Neumann nach dem verheerenden Hochwasser 2002. Seine Idee war einfach wie außergewöhnlich: Menschen sollten sehen können, wie sich Bäume entwickeln – bevor sie sich für eine Pflanzung im eigenen Garten entscheiden. Im Laufe der Jahre entstand so eine lebendige Sammlung von Gehölzen aus aller Welt.
Nicht alle Bäume stehen heute noch an ihrem ursprünglichen Platz. Das zweite große Hochwasser und das starke Wachstum einzelner Arten machten das Entfernen einiger Exemplare notwendig. Doch der Charakter des Arboretums blieb erhalten: ein Ort der Vielfalt, des Lernens und der Erholung.
Im Herbst vergangenen Jahres hat Uwe Neumann das Gelände an Beate und Mirko Jörg Kellner verkauft. Für beide Seiten war schnell klar, dass es dabei nicht um ein gewöhnliches Grundstücksgeschäft geht. „Wir wollen diesen besonderen Ort bewahren“, sagt Jörg Kellner, der das Strandhaus Westewitz (ehemals Muldentalklause) betreibt. „Uns verbindet der Wunsch, die Artenvielfalt zu erhalten und den Menschen zu zeigen, welche Baumarten hier wachsen.“
Gerade in Zeiten immer heißerer Sommer gewinne das Arboretum zusätzlich an Bedeutung. Unter den älteren Bäumen herrschen Temperaturen, die deutlich unter denen auf freien Flächen liegen. Schattenplätze werden immer wertvoller. Das Arboretum soll aber kein öffentlicher Park, vielmehr behutsam weiterentwickelt werden. Denkbar seien kleine Veranstaltungen, die zur Atmosphäre des Ortes passen – etwa Lesungen, Yoga in kleinen Gruppen oder andere kulturelle und naturverbundene Begegnungen. „Wir möchten nichts veranstalten, was diesen Ort zerstört“, betont Kellner. Große Feste oder laute Events werde es bewusst nicht geben. Diese Philosophie gelte genauso fürs benachbarte Strandhaus. Dort verzichtet man selbst bei Hochzeiten auf Feuerwerk – aus Rücksicht auf Natur und Tiere. „Die Gäste sind trotzdem glücklich“, erzählt Kellner. „Es braucht keinen großen Radau, um schöne Erinnerungen zu schaffen.“
Uwe Neumann freut sich, dass sein Lebenswerk in gute Hände gekommen ist. Seit rund 25 Jahren begleitet ihn das Arboretum. „Man lernt hier, mit der Natur zu leben“, sagt er. Schon deshalb möchte der 63-Jährige seine Baumschule weiterführen. „Etwas Sorge wegen des Hochwassers bleibt zwar immer. Aber solange Gesundheit und Natur mitspielen, werde ich mich weiter darum kümmern.“
Mehrere Interessenten habe es für das Arboretum gegeben. Die Entscheidung für die Familie Kellner fiel vor allem wegen ihrer Wertschätzung für den Ort. Kellner schwärmt von der Landschaft zwischen Leisnig und Westewitz. Die Muldelandschaft gehört für ihn zu den schönsten der Region. Besonders gern ist er allein oder mit Gästen auf dem selbstgebauten Floß unterwegs. „Diese Landschaft soll nicht überrannt werden“, sagt er. „Sie lebt von ihrer Ruhe.“
Besonders beeindruckend findet Kellner die Vielfalt der Gehölze: Mammutbäume aus Kalifornien, filigrane japanische Ahorne, unterschiedlich gefärbte Blutbuchen oder Bäume, deren Kronen so groß geworden sind, dass Kinder sie kaum mit ausgestreckten Armen umfassen könnten. „Die farbliche Vielfalt liebe ich dabei ganz besonders“, ergänzt Uwe Neumann und blickt auf seine Schützlinge. Privat experimentiert er längst mit Zitronen- und Orangenbäumen – Pflanzen, die ebenfalls vom wärmer werdenden Klima profitieren.
Langfristig soll das Arboretum ein Ort bleiben, an dem Natur erlebt und verstanden werden kann. Auf dem angrenzenden Grundstück soll ein kleines Ferienhaus für Menschen entstehen, die genau diese Stille suchen. Vor allem aber bleibt das Arboretum das, was es seit vielen Jahren ist: ein grünes Refugium, das zeigt, wie wertvoll Artenvielfalt, Geduld und respektvoller Umgang mit der Natur sein können.und Elke Walter-Koch