Als die Nestbau-Zentrale 2016 ihre Arbeit aufnahm, gehörte sie zu den frühen regionalen Anlaufstellen, die Menschen beim Bleiben, Zurückkehren und Ankommen unterstützten, berichtet Nestbau-Koordinatorin Helen Bauer.
Von Anfang an sei es um weit mehr als um Informationen gegangen. „Ziel ist es, Menschen zusammenzubringen, Wege zu verkürzen und Mut zu machen, den Schritt aufs Land zu wagen“, so Bauer.
Heute ist daraus ein Netzwerk mit Partnern aus Kommunen, Handwerk, Wirtschaft und Regionalentwicklung entstanden. Es gibt Veranstaltungen wie die Mittelsächsischen Bautage, zu denen die Nestbau-Messe „Ländliches Bauen“ gehört, sowie zahlreiche Beratungsangebote, welche die Einrichtung zu einer wichtigen Anlaufstelle für alle machen, die Mittelsachsen mitgestalten möchten.
Auch Andreas Reese weiß, wie wertvoll ein starkes Netzwerk sein kann. Der Landwirt stammt aus Niedersachsen. Landwirtschaft war für ihn nie nur ein Beruf, sondern eine Leidenschaft. Während des Studiums lernte er seine Frau Ulrike kennen. Doch auf dem elterlichen Betrieb fehlte die Perspektive für eine gemeinsame Zukunft. Also entschloss sich das junge Paar, anderswo eine neue Existenz aufzubauen. Eigentlich suchten sie in Mecklenburg-Vorpommern. Doch schließlich erfuhren sie von einem Hof in Börtewitz bei Leisnig, für den ein Nachfolger gesucht wurde. Schon bei der ersten Besichtigung stellte sich das Gefühl ein, angekommen zu sein. Die alten Bruchsteinmauern, die Ruhe des Dorfes und die weite Landschaft hinterließen Eindruck. „Als wir hier weggefahren sind, wussten wir schon: Das passt“, erinnert sich Andreas Reese. Wenige Monate später zog die Familie nach Mittelsachsen. Aus ersten Begegnungen wurden Freundschaften, aus einem neuen Wohnort Heimat.
Heute leben Andreas und Ulrike Reese mit ihren Kindern Johann, Helene und Malte auf dem Gut in Börtewitz. Johann begeistert sich schon jetzt für die Landwirtschaft und sitzt am liebsten auf dem Traktor. Helene genießt ihre Freiheit in der Natur, Malte widmet sich lieber Büchern und eigenen Interessen. Auch Dackel Poldi gehört selbstverständlich zur Familie.
Der Hof, wie er sich heute präsentiert, entstand allerdings nicht über Nacht. Gebäude mussten saniert, Dächer erneuert und der Außenbereich neugestaltet werden. „Vom Torbogen bröckelte der Putz“, erinnert sich Andreas Reese. Wo heute gepflegte Grünflächen Besucher empfangen, lagen einst Schotterflächen. „Wir haben uns immer kleine Etappenziele gesetzt. Wenn man sich keine Ziele steckt, kommt man nicht vorwärts.“
Unterstützung erhielt die Familie unter anderem durch das Leader-Regionalmanagement SachsenKreuz+, das eng mit dem Nestbau-Netzwerk zusammenarbeitet. Fördermittel ermöglichten die Sanierung von Fassaden und Dächern sowie die Gestaltung des Hofes. „Ohne die Förderung würde der Hof heute nicht so aussehen“, sagt Andreas Reese. Für ihn zeigt diese Erfahrung, wie wichtig starke Partner sind, wenn aus einer Vision Wirklichkeit werden soll.
Ein Herzensprojekt von Ulrike Reese sind die Ferienwohnungen auf dem Hof. Lange trug sie die Idee mit sich, bis sie den Schritt wagte. Heute erlebt die Familie immer wieder, wie überrascht Gäste von Mittelsachsen sind – von den Burgen und Schlössern, den sanften Landschaften und der wohltuenden Ruhe. „Unsere Gäste sind oft erstaunt, wie schön es hier ist“, sagt sie. Ein Kreis, der sich schließt. Denn zum zehnjährigen Bestehen kann die Nestbau-Zentrale auf viele solcher Erfolgsgeschichten zurückblicken. Menschen kehrten zurück, sanierten alte Höfe oder füllten leerstehende Gebäude mit neuem Leben. Sie alle zeigen, dass ländliche Entwicklung vor allem dort gelingt, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen und Erfahrungen teilen.
Zum Jubiläum lädt die Nestbau-Zentrale Mittelsachsen alle Bürgerinnen und Bürger zur Mitmachaktion „10 Jahre Nestbau – 10 Zukunftsimpulse für Mittelsachsen“ ein. Gesucht werden Ideen und Wünsche für die Zukunft der Region. Die zentrale Frage lautet: „Was braucht Mittelsachsen, damit Menschen hier gern leben, bleiben oder zurückkommen?“ Aus allen Einsendungen entstehen die „10 Zukunftsimpulse für Mittelsachsen“. Unter allen Teilnehmenden werden drei Gutscheine im Wert von je 50 Euro für einen Ausflug in den Sonnenlandpark Lichtenau verlost.
Von Elke Walter-KochKontakt:www.nestbau-mittelsachsen.de.Veranstaltung: Für den 26. September lädt die Nestbau-Zentrale ab 14 Uhr zur Messe „Ländliches Bauen“ ins Kloster Buch bei Leisnig ein. Vor der Messe plant die Nestbauzentrale ebenfalls im Kloster Buch ab 11 Uhr einen Branchentreff, der sich vor allem an Handwerks- und Bauunternehmen, Planungsbüros, Kommunen sowie weitere Fachakteure richtet.