Eigentlich ist der 53-Jährige Betriebswirt für das Kraftfahrzeuggewerbe. Siebzehn Jahre arbeitete er in der Automobilbranche – ausgerechnet in dem Beruf, den er ursprünglich nie ergreifen wollte. „Ich wollte eigentlich immer in die Gastronomie“, erzählt er. Mit den Jahren wurde der Spielraum für Autohäuser immer kleiner. Die Hersteller bestimmten zunehmend die Rahmenbedingungen. Irgendwann war für ihn klar: So sollte es nicht weitergehen.
Gemeinsam mit seiner Familie wagte er einen Neuanfang. Das leer stehende Gebäude in Großweitzschen bot die Chance dazu. Die Idee einer eigenen Eisdiele entstand. Den Namen „Mokka Milch Eisbar“ übernahm er, nachdem es dafür keinen Titelschutz mehr gab und das ursprüngliche Berliner Café längst nicht mehr existierte. Ein Selbstläufer war das allerdings nicht.„Der Standort ist schwierig“, sagt Fochtmann. Die Lauflage fehlt, große Besucherströme gibt es nicht. Umso wichtiger war es ihm, etwas anzubieten, das es in der Region bis dahin nicht gab. Von Anfang an setzte er auf Qualität statt Massenware. Sein Ziel: Eis, das den ursprünglichen Geschmack der Zutaten bewahrt.
Künstliche Aromen und Farbstoffe möchte er möglichst vermeiden. Stattdessen kommen viele Früchte direkt aus der Region. Erdbeeren bezieht er beispielsweise von einem heimischen Bauern. Frische Pfirsiche, Johannisbeeren, Rhabarber oder Melonen werden zu saisonalen Spezialitäten verarbeitet.
Eine Besonderheit seiner Eismanufaktur ist die Herstellung laktosefreier Sorten. Rund 98 Prozent seines Angebots sind heute laktosefrei. Dafür wird die Milchmischung bereits während der nächtlichen Reifezeit mit Laktase versetzt. Das Enzym spaltet den Milchzucker schon vor der Verarbeitung auf und macht das Eis für viele Menschen besser verträglich.
Etwa jeder Fünfte verträgt Milchzucker nur eingeschränkt. „Ich wollte ein Eis herstellen, das möglichst viele Menschen genießen können“, sagt Fochtmann.
Mit der Eisherstellung beschäftigt er sich bereits seit 2007. Seit 2010 produziert er selbst und entwickelt seine Rezepturen kontinuierlich weiter. Was zunächst ausschließlich für das eigene Café gedacht war, hat sich schnell herumgesprochen. Immer mehr Aufträge kamen hinzu, das Eislabor wurde erweitert, schließlich folgte ein eigener Verkaufswagen – ein umgebautes hellblaues Bäckerauto, mit dem die Eismanufaktur heute Märkte, Feste und Firmenveranstaltungen in der Region anfährt.Regelmäßig ist das Team unter anderem auf dem Bauernmarkt im Kloster Buch anzutreffen. Weitere feste Verkaufsstandorte gibt es unter anderem im Edeka oder im Landgut Striegistal.
Mehr als 80 Eissorten umfasst Fochtmanns Sortiment inzwischen. Neben Klassikern entstehen immer wieder außergewöhnliche Kreationen. Das „Eis des Jahres“ ist derzeit Eierschecke – eine Hommage an den beliebten sächsischen Kuchen. Daneben überraschen Sorten wie Johannisbeere, Rhabarber oder das neue Curryeis. Eine Kreation, in der Kokos, Mango und Ananas eine Rolle spielen. „Es ist gar nicht so einfach, einen Geschmack wirklich authentisch ins Eis zu bringen“, sagt Fochtmann. Genau das reizt ihn. Immer wieder experimentiert er, bis eine Sorte genauso schmeckt, wie sie schmecken soll. Gewinnmaximierung ist dabei nicht sein wichtigstes Ziel. „Wenn jemand sagt: Mein Eis schmeckt nicht wie das einer internationalen Fast-Food-Kette, dann weiß ich, dass ich vieles richtig gemacht habe“, sagt er und lächelt. „Ich möchte den Menschen zeigen, wie Erdbeeren oder andere Früchte tatsächlich schmecken.“
Die Eismanufaktur ist längst ein Familienprojekt geworden. Alle helfen mit, wenn viel zu tun ist. Gerade in den Sommermonaten bringt das der Familie lange und ausgefüllte Arbeitstage. Trotzdem kann Sven Fochtmann manchmal selbst kaum glauben, was aus seiner Idee geworden ist.
Künftig möchte er auch das Café in Großweitzschen wieder stärker öffnen. Im Mittelpunkt wird dabei immer das Eis stehen – handwerklich hergestellt, mit natürlichen Zutaten und ständig neuen Ideen. Wer wissen möchte, welche Kreationen gerade entstehen, kann ihm auf Instagram unter@fochtisfolgen. Wer selbst Eis holen möchte, kann seine Lieblingssorte vor Ort in Großweitzschen Nr. 14 mitnehmen. und Elke Walter-Koch