Träger der Schulsozialarbeit ist die Don Bosco Jugend-Werk gGmbH Sachsen. Für Christin Winkler ist die Arbeit weit mehr als ein Beruf. „Ich identifiziere mich stark mit den Werten meines Trägers und liebe meinen Job“, sagt sie. Nach ihrem Bachelorstudium der Pädagogik mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung und einem anschließenden Masterabschluss arbeitete sie zunächst als pädagogische Fachkraft, unter anderem beim Internationalen Bund.
Nach ihrem Umzug nach Döbeln und einer Elternzeit bot sich die Möglichkeit, am Lessing-Gymnasium tätig zu werden. Heute ist sie die einzige Schulsozialarbeiterin an einer Schule mit fast 800 Schülerinnen und Schülern. Eine Aufgabe, die vielfältig und anspruchsvoll zugleich ist.
Das soziale Miteinander hat sich stark verändert, sagt sie. Konfliktklärung, Streitschlichtung und die Begleitung schwieriger Situationen gehören zu ihren wichtigsten Aufgaben. Dabei reicht die Bandbreite von kleineren Sticheleien bis zu Mobbing, Ausgrenzung, Ängsten oder psychischen Belastungen.
Schon in den fünften Klassen stellt sie sich deshalb frühzeitig vor. Die Schülerinnen und Schüler sollen wissen, dass sie jederzeit Unterstützung erhalten können. Gemeinsam werden Regeln entwickelt und Wege gesucht, Konflikte zu lösen. Dabei geht es nicht nur um schulische Themen wie Hausaufgaben oder Leistungsdruck, sondern auch um private Sorgen.
„Viele Jugendliche beschäftigen negative Gedankenspiralen, das Gefühl von Ausgrenzung oder Probleme in Freundschaften“, berichtet Winkler. Hinzu kommen Stresssituationen, die sich unterschiedlich äußern können – bis hin zu selbstverletzendem Verhalten.
Dabei beobachtet sie, dass das Lernpensum generell hoch ist. Gesellschaftliche Erwartungen haben sich verändert und damit auch der Umgang mit Belastungen. Besonders wichtig ist Christin Winkler die Zusammenarbeit mit Lehrkräften, Vertrauenslehrern und der Schulleitung. „Wir haben ein offenes Kollegium und arbeiten sehr gut zusammen“, sagt sie.
Individuelle und grundsätzlich anonym gehaltene Fallberatungen auf Wunsch der Schüler gehören ebenso dazu wie das Finden gemeinsamer Lösungsstrategien. Während am Körnerplatz häufig noch eine engere Bindung zwischen Kindern und Schulsozialarbeit entsteht, machen ältere Jugendliche viele Probleme zunächst mit sich selbst aus. Umso wichtiger seien regelmäßige Sprechzeiten und eine verlässliche Präsenz an beiden Standorten.
Doch Schulsozialarbeit beschränkt sich längst nicht auf Krisenintervention. Christin Winkler unterstützt auch den Schülerrat und begleitet zahlreiche Projekte, die das Gemeinschaftsgefühl stärken sollen wie Halloween, Weihnachtsmarkt, Osterüberraschungen oder Veranstaltungen wie das Schulhoffest am Körnerplatz. Immer wieder entstehen Ideen, die das Schulleben bereichern. Dabei arbeitet sie mit Vereinen und Einrichtungen der Stadt zusammen, etwa mit dem Treibhausverein, dem City Club und weiteren Partnern.
Ein aktuelles Projekt ist der Aufbau einer Schülerzeitung. Fünf Jugendliche haben unter ihrer Betreuung die erste Ausgabe des „Pausenboten“ herausgebracht. Er soll eine Online-Plattform sein, auf der Schülerinnen und Schüler eigene Themen aufgreifen, kreativ werden und journalistische Erfahrungen sammeln können.
Perspektivisch könnte die Zeitung einmal pro Quartal erscheinen. Außerdem läuft derzeit eine Schulklima-Umfrage über die Kommunikationsplattform LernSax, die auch für Lehrkräfte vorgesehen ist. Die Ergebnisse sollen helfen, das Miteinander zwischen Schülern und Lehrern weiter zu verbessern. Ein weiteres Herzensthema von Christin Winkler ist die Medienbildung. Zwar gebe es bereits sehr gute medienpädagogische Angebote an der Schule, dennoch wünscht sie sich noch intensivere Profile. „Eigentlich bräuchten wir einen Medienführerschein für alle Schülerinnen und Schüler ab der ersten Klasse, der dann entsprechend weitergeführt wird“, sagt sie. Gerade soziale Netzwerke stellen viele junge Menschen vor Herausforderungen, die einen bewussten und reflektierten Umgang mit digitalen Medien erforderten.