Sommerwind bewegt die Gräser der Wiese hinter dem Hof. Hühner scharren vor der alten Scheune, während große Bäume ihre Schatten über Haus und Hof legen. Das Anwesen der Koßacks wirkt wie aus der Zeit gefallen – ruhig, ursprünglich und voller Geschichte. Und doch beginnt hier ein neues Kapitel. Die Eigentümer sind jung. Sie haben den historischen Dreiseithof erworben, um ihn zu bewahren und hier ihre Heimat zu finden.
„Den Anstoß für den Hauskauf gab mein Vater. Er hatte erfahren, dass der Hof leerstand. Wir sind einfach auf den Bauern zugegangen“, erinnert sich der 25-Jährige. 2021 erwarb das Ehepaar die Hofstelle, seit 2023 lebt es dort. Der frühere Eigentümer blieb noch rund zwei Jahre auf seinem Hof wohnen. Für das junge Paar war diese Zeit von unschätzbarem Wert. „Er hat uns in das bäuerliche Leben eingeführt“, erzählt der Zimmermann. Wie hält man Hühner, Hasen oder Tauben? Wann wird Heu eingebracht?
Die alte Dreschmaschine steht noch heute in der Scheune und erinnert daran, dass der Hof über Generationen Menschen ernährte. „Ich bin Meinsberger und gern hiergeblieben. Das ist Heimat. Zuhause“, fasst Jost Koßack die Ambitionen zusammen. Genau dieses Zuhause möchten er und seine Frau Wanda bewahren – nicht als Museum, sondern als lebendigen Ort. „Wir wollen den Hof so erhalten, dass er lebenswert bleibt, bewohnt wird und neues Leben einzieht.“ Vieles haben die beiden jungen Eltern bereits selbst geschafft. Das Wohnhaus bezogen sie zunächst nahezu unverändert. Inzwischen wurden alte Tapeten entfernt, Linoleumböden herausgenommen und die historischen Dielen aufgearbeitet. Schritt für Schritt entsteht ein Zuhause, das den Charakter des Hauses bewahrt und gleichzeitig heutigen Ansprüchen gerecht wird. Unterstützt werden sie beim Um- und Ausbau durch das LEADER-Förderprogramm.
Im ersten Bauabschnitt soll ein ehemaliges Speichergebäude neben dem jetzigen Wohnhaus umgebaut werden. Für dieses Projekt stehen 100 000 Euro Fördermittel aus dem Handlungsfeld „Wohnen“ zur Verfügung. Ein zweites LEADER-Projekt betrifft die denkmalgeschützte Scheune. Sie soll gesichert, saniert und künftig als Lagergebäude mit Sanitärbereich genutzt werden.
Auch dieses Vorhaben soll mit 100 000 Euro aus dem Handlungsfeld „Wirtschaft und Arbeit“ gefördert werden. Die Arbeiten werden in mehreren Bauabschnitten erfolgen. Mit einer vollständigen Umsetzung rechnet das Ehepaar frühestens im Jahr 2028.
Für Torsten Kühnrich, der zum Treffen auf dem Hof die baugeschichtliche Entwicklung der Hofstelle erläutert, besitzt die Anlage zudem eine besondere historische Bedeutung. Eine dendrochronologische Untersuchung datiert die Scheune auf das Jahr 1698. Damit zählt sie zu den ältesten erhaltenen Wirtschaftsgebäuden dieser Art in der Region. Besonders wertvoll seien die noch weitgehend original erhaltene Holzkonstruktion, die historische Durchfahrtstenne zum Dreschen des Getreides sowie traditionelle Zimmermannsverbindungen. Auch das historische Natursteinpflaster der Hofanlage steht unter Denkmalschutz. und Elke Walter-Koch