Auf Mildenstein: Wie aus Birkenblättern und Indigo Farben entstehen
Historische Färberin zeigt altes Handwerk – Burgmägde erhalten neue Gewänder – Ferienprogramm mit Schwertkampf, Federschreiben und Suppenkochen

Ferien auf Burg Mildenstein: Zu Gast ist die historische Färberin Natascha Dobos (M.), die Stoffe für die neuen Kleider der Mägde Johanna (links) und Magda färbt.Foto: Elke Walter-Koch
Leisnig. Seit Beginn der Sommerferien herrscht auf Burg Mildenstein wieder reges Treiben. Zahlreiche Familien nutzten bereits in der ersten Ferienwoche die Angebote der Burg, erkundeten die historischen Gemäuer und tauchten bei Mitmachaktionen in vergangene Jahrhunderte ein. Wie atmosphärisch es auf dem Burghof sein kann, wenn Geschichte lebendig wird, zeigte einmal mehr eine historische Färbevorführung zwischen den einzelnen Veranstaltungen – außerhalb des regulären ­Ferienprogramms.

Ein würziger Duft nach Birkenblättern liegt in der Luft. Aus einem großen Kessel steigt Dampf auf, während darunter das Holzkohlefeuer knistert. Langsam zieht Natascha Dobos eine lange Bahn Wollstoff durch den heißen Sud. Immer wieder bewegt sie den Stoff, ohne ihn zu rühren. „Bewegt, nicht gerührt“, erklärte sie.

Genauso sei bereits im 12. und 13. Jahrhundert gefärbt worden. Mehrere Stunden dauert der Färbevorgang. Dabei können die Besucher jeden Arbeitsschritt verfolgen und erfahren, wie aus heimischen Pflanzen natürliche Farben entstehen. „Je mehr Pflanzenmaterial verwendet wird, desto intensiver wird später die Farbe“, erklärt die 45-jährige historische Färberin aus Rochlitz.

Die Birkenblätter verleihen dem Stoff zunächst einen kräftigen Gelbton. Durch eine anschließende Indigofärbung – die sogenannte Küpenfärbung – entsteht daraus Grün. Auch Rottöne lassen sich mit histo­rischen Pflanzenfarben her­stellen.

Für die Vorführung hat Natascha Dobos rund 20 Meter Wollköper vorbereitet – ein Gewebe, das bereits im Mittelalter weitverbreitet war. Vor dem Färben wird der Stoff gebeizt, damit sich die Naturfarben dauerhaft mit den Fasern verbinden. „Anschließend erhält die Wolle beim Waschen wieder Lanolin und bleibt dadurch weich und geschmeidig“, erklärte die Expertin. Eigentlich stammt sie aus der Gastronomie. Seit rund 25 Jahren beschäftigt sie sich mit dem Mittelalter. Über verschiedene Handarbeitstechniken entdeckte die Rochlitzerin schließlich ihre Leidenschaft für das historische Färberhandwerk. Heute gehört sie zu den wenigen selbstständigen historischen Färberinnen in Deutschland, die das Schaufärben professionell anbieten. Ihre Auf­träge führen sie regelmäßig in Museen und zu historischen Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet.

Bereits in der kommenden Woche wird sie bei einem Termin in Thüringen erwartet. Die historische Färbeanlage entstand gemeinsam mit ihrem Ehemann Toni Kästner. Er baute das Gestell nach historischen Vorbildern. Beheizt wird der Kessel traditionell mit Holzkohle. Gemeinsam bieten beide Vorträge, Workshops und historische Marktstände an.

Auf Burg Mildenstein hatte das Färben dieses Mal einen ganz praktischen Nutzen. Erstmals entstehen eigens gefärbte Gewänder für die beiden Burgmägde Johanna und Magda. Bislang, so erzählen die Beiden, trugen sie ihre privaten historischen Kleidungsstücke. Nun erhalten die Museumsmitarbeiterinnen eine einheitliche Ausstattung, die dem historischen Erscheinungsbild der Burg entspricht. Schneiderin Silke Führig, die schon länger für die Gewänder der Burg zuständig ist, war ebenfalls vor Ort und nutzte die Gelegenheit, den Färbeprozess zu verfolgen. Sie brachte bereits Unterkleider aus Leinen mit, die eigens für die neuen Gewänder gefertigt worden waren. Bis zu den Herbstferien ­sollen die kompletten Kostüme fertig sein.

Veranstaltungsmanager Remo Stäglich zeigte sich begeistert von der authentischen Vorführung und ist auch mit der Resonanz in der ersten Ferienwoche zufrieden. Viele Besucher planen ihren Ausflug inzwischen zwar recht kurzfristig, dennoch würden die Angebote gut angenommen. Besonders gefragt seien die Mitmachaktionen. Das jüngste Brotbacken ist vollständig ausgebucht gewesen. Auch in den kommenden Ferienwochen wartet auf Burg Mildenstein ein abwechslungsreiches Programm, kündigte ­Remo Stäglich an. Am 14. Juli finden von 11 bis 12.30 Uhr sowie von 14 bis 15.30 Uhr Mitmachführungen für Kinder von fünf bis elf Jahren statt. Dann heißt es: „Zu den Waffen – mit Schwert, Helm und Panzer dem Ritterleben auf der Spur!“

Familienrundgänge durch die fast 1000 Jahre alte Burg mit Einblicken in Rittersaal, Burg­kapelle und Schatzgewölbe stehen am 17., 24. und 31. Juli sowie am 7. und 14. August jeweils von 11 bis 12.30 Uhr auf dem Programm. Am 21. Juli lädt von 10 bis 17 Uhr ein großer Mitmachtag mit Steinmetzhandwerk, Brotbacken, mittelalterlicher Gewandung, Schreiben mit Feder und Tinte sowie weiteren Aktionen zum Ausprobieren ein.

Weitere Erlebnisangebote sind am 28. Juli mit „Rund ums Brot – eine schmackhafte Erlebnisführung für Familie & Co.“ sowie am 11. August mit dem Programm „Ein guot´s Süpplein hält Leib und Seele zusammen“ geplant. Informationen und Anmeldungen sind über Burg Mildenstein möglich. In den Herbstferien, so hieß es, könnten weitere Workshops zum historischen Färben stattfinden. Wer die Vorführung verpasst hat, erhält dann erneut Gelegenheit, das alte Handwerk kennenzulernen.

und Elke Walter-Koch
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