Endlich Urlaub! Aber: Kaum angekommen, meldet sich die Erkältung, der Kopf dröhnt, der Körper streikt. Was viele als persönliches Pech abtun, hat einen Namen: Leisure Sickness (auf Deutsch etwa Freizeitkrankheit).
Dabei handelt es sich nicht um eine anerkannte Diagnose im medizinischen Sinne, wohl aber um ein verbreitetes Phänomen. In einer Umfrage der Internationalen Hochschule (IU) aus dem Jahr 2025 sagten rund 72 Prozent der gut 2.000 Befragten, dass sie es kennen. Rund 20 Prozent erleben es sogar regelmäßig oder bei jedem Urlaub.Laut IU versteht man unter Leisure Sickness das Phänomen, wenn Menschen „genau dann Krankheitssymptome wie Kopfschmerzen, Erschöpfung oder Erkältungssymptome entwickeln, wenn sie Freizeit haben“. Zum Beispiel am Wochenende oder im Urlaub. Häufige Symptome sind Müdigkeit oder Erschöpfung, Schlafprobleme, Kopfschmerzen und Erkältungssymptome.
„Es handelt sich nicht um eine Freizeitkrankheit im eigentlichen Sinne, sondern um eine verzögerte Reaktion auf das, was wir vorher erlebt haben“, sagt Business Health Coach und Resilienz-Trainerin Britta Dohr. Zentral ist oft, wie wir vor dem Urlaub Stress erlebt haben und wie wir damit umgegangen sind. Experten vermuten, dass Leisure Sickness mit dem plötzlichen Abfall von Stresshormonen zusammenhängt: Cortisol hält das Immunsystem unter Dauerstress in Schach - unterschwellige Infekte werden aktiv unterdrückt. Sinkt im Urlaub der Stresspegel, bricht hervor, was der Körper mühsam zurückgehalten hat.
Die gute Nachricht: Leisure Sickness lässt sich vorbeugen. Wer dauerhaft weniger anfällig werden will, sollte im Berufsalltag auf regelmäßige Erholung und Entspannung achten.
Resilienz-Trainerin Dohr empfiehlt, immer wieder sogenannte Mikropausen einzulegen: „Schon 60 bis 90 Sekunden zwischendurch helfen - kurz aufstehen, tief durchatmen, Schultern runterfallen lassen. Das kriegt keiner mit, das können wir zur Not auf der Toilette machen.“
Genauso wichtig sei etwa ein klares Feierabend-Ritual, das Arbeit von Freizeit trennt. Das könne ein Spaziergang sein, eine kurze Dusche oder das Abschminken. Außerdem rät sie, Arbeits-Mails nach Feierabend konsequent zu meiden: „Das bringt uns sofort in den Arbeitsmodus zurück.“
Daneben hilft eine gute Vorbereitung kurz vor einem Urlaub, um den extremen Stressabfall zum Start zu vermeiden. Besonders kritisch sieht Britta Dohr den letzten Arbeitstag. „Viele sagen, das ist ihr produktivster Tag des ganzen Jahres - das ist eine große Falle“, sagt sie. „Wer kurz vor dem Urlaub noch Gas gibt, macht den Crash nur schlimmer.“ DPA