Fast 250 Aktive bei der Sachsen-Meisterschaft der Spielleute
Titelgeschichte: Der Wettstreit in Roßwein wurde wegen der Rekord-Hitze auf einen Tag verkürzt.Fast 250 Aktive kämpften dennoch bei 37 Grad um den Titel. Zuvor gab’s eine Geburtstagsparty zum 120.

Auch bei fast 40 Grad Celsius gaben die Musikerinnen und Musiker in Roßwein alles. Foto: Sven Bartsch
Roßwein. Eine Landesmeisterschaft bei 37 Grad Celcius – das hat es im Freistaat gewiss noch nicht gegeben. Auf jeden Fall nicht Ende Juni. Die sächsischen Spielleute haben in Roßwein nicht nur geschwitzt, musiziert, beim Marsch mit der großen Hitze gekämpft und so manchen Liter Wasser „inhaliert“, sie haben auch unter Beweis gestellt, dass sie selbst unter widrigsten Umständen ausgezeichnete Darbietungen auf den Platz bringen können.

Lange war in den vorherigen Tagen um die Austragung der 36. Landesmeisterschaften des Landes-Musik- und Spielleutesportverbands Sachsen (LMSV) gerungen worden. Denn der Roßweiner Spielleute-Verein um Vorsitzende Susan Koinzer hatte als Ausrichter seit Monaten für diese Veranstaltung quasi gelebt, gearbeitet, gemanagt, gefiebert. Doch nicht das befürchtete Regenwetter sollte nun vieles auf den Kopf stellen, sondern eine Hitze, wie es sie so früh im Jahr noch nicht in Sachsen gegeben hat. Erst Donnerstagnacht fiel die Entscheidung des Landesverbandes, die Meisterschaften abzuspecken, auf die Wettkämpfe der Nachwuchsspielmannszüge und der Fanfarenzüge, die für Sonntag geplant waren, zu verzichten.

„Dass es so extrem wird, hat im Vorfeld keiner geahnt. Wir haben gezögert, denn wir wissen, was für eine Vorbereitungsleistung in so einer Landesmeisterschaft steckt. Aber wir haben uns noch einmal unter dem gesundheitlichen Aspekt mit dem Landessportbund beraten und so fiel die Entscheidung, das Sonntagsprogramm zu streichen“, erklärte LMSV-Präsident Mario Bielig vor Ort. Vor allem die jungen Nachwuchsspielleute sollte das entlasten. Doch auch für die rund 250 aktiven Erwachsenen am Sonnabend gab es Erleichterungen. So wurden Plicht und Kür trotz Trinkpausen zügig absolviert, die Veranstalter stellten zusätzliches Trinkwasser bereit, sorgten mit Nebel- und Wasserduschen für Abkühlung, der Rasen im Stadion wurde beregnet, überall machten Schirme, Pavillons und Zelte Schatten. Spielmannszüge, die sonst in historischen Uniformen auflaufen, verzichteten darauf und kleideten sich so luftig wie möglich. Der Wettkampftag startete dann aber doch mit ganz jungen Spielleuten: der Roßweiner Gastgeberverein inklusive der Eltern hatte sich so sehr auf den ersten großen Auftritt des Nachwuchszuges bei einer Meisterschaft gefreut. Der Landesverband gewährte es. Die 20 Mädchen und Jungen – insgesamt ist die Roßweiner Nachwuchsabteilung 35 Kinder stark – absolvierten mit ihrem Stabführer ihr Wertungsspiel bravourös und erhielten viel Beifall von der Fangemeinschaft. „Wir sind sehr stolz auf diese Leistung unserer Kinder“, so eine glückliche Susan Koinzer zu diesem Auftritt.

Danach widmeten sich die zwölf Wertungsrichter, die aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen angereist waren, den Pflicht- und Kürdurchgängen der sieben Erwachsenen-Züge. Der Spielmannszug Radeberg, ganz in Weiß und mit 61 Köpfen die größte Truppe an diesem Tag, holte den Landesmeistertitel. Zweiter wurde der Spielmannszug Zabeltitz, den dritten Platz belegte der Spielmannszug Mutzschen. Auf den weiteren Plätzen folgten die Lommatzscher Spielleute, der Spielmannszug Kleinröhrsdorf, die Bischofswerdaer Spielleute und der Spielmannszug Freital.

„So einen heißen Wettkampf hatte ich noch nie. Aber wir sind gut mit Wasser versorgt worden und ich finde, wir haben unsere Sache trotzdem gut gemacht“, sagte Chantal Kliemand, Stabführerin bei den Kleinröhrsdorfern. Georg Vieluf, der bei den Gewinnern aus Radeberg das Becken spielt, nahm die Umstände sportlich: „Es hätte schlimmer kommen können. In den vergangenen Wochen hatten wir schon viel bei hohen Temperaturen trainiert, und das auf Kunstrasen - da gab es Hitze von oben und von unten. Wir waren also gewappnet.“

Der Freitagabend im Festzelt stand ganz im Zeichen des 120-jährigen Jubiläums des Roßweiner Spielmannszuges, der damit der älteste Spielleuteverein Sachsens ist. „Das kulturelle Leben in unserer Stadt wäre um Vieles ärmer, wenn wir den Spielmannszug nicht hätten“, sagte Bürgermeister Hubert Paßehr (CDU). Natürlich hatte auch dieser Verein seine Höhen und Tiefen. Und so stellte der Vize-Vorsitzende Ronny Priebe fest: „Hätten wir unsere Susi nicht, dann würden wir heute nicht unser 120-Jähriges feiern.“ Priebe erinnerte daran, wie die blutjunge Susan Koinzer den Vorsitz und damit Verantwortung übernahm, als der Verein Auflösungserscheinungen zeigte. Koinzer gab das Lob zurück: „Das war damals keine Einzelleistung, wir haben das gemeinsam geschafft.“

und olaf Büchel
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