Döbelns Nordstraßemit weniger Bäumen
Regelquerschnitt erforderte Kompromiss zwischen Bäumen undParkplätzen – 25 neue Bäume nur auf einer Seite

Einst standen auf beiden Seiten der Nordstraße in Döbeln Bäume und spendeten Schatten.Foto: Alexander Karl
Döbeln. 40 Grad Hitze machen das Thema aktuell: Wie kann das Stadtklima in Zukunft verbessert werden? Mit vielen Bäumen und Grünflächen zum Beispiel. An der erst im vergangenen Jahr neu ausgebauten Döbelner Nordstraße zeigt sich aber auch, dass Wunsch und Wirklichkeit nicht immer Hand in Hand gehen.

„Ich wohne seit 1993 auf der Nordstraße. Jedes Jahr kam der Sommer und die Hitze. Das war auszuhalten. Denn es gab Straßenbäume. Jedes Grundstück auf dieser alten Straße hatte mindestens einen, viele sogar zwei Straßenbäume“, schildert Anwohner Alexander Karl. Wenn die Sonne brannte, habe das nicht viel ausgemacht, denn die Kugelahornbäume gaben Schatten, entweder auf der einen oder anderen Seite der Straße. Die Anwohner und vor allem die Mitarbeiter der Regenbogenschule, Besucher und andere stellten die Autos unter die Bäume in den Schatten. „Vor unserem Grundstück, an der Nordstraße 14, standen zwei Ahornbäume. Ich goss jeden Abend zwei Eimer Regenwasser aus den Fässern an sie. Dann kam die Baumaßnahme und die klugen Köpfe planten den Straßenbau mit viel Beton, weniger Parkplätzen und noch weniger Bäumen“, ärgert sich Alexander Karl. Zwei Jahre nach Baubeginn steht vor seinem Haus wie auf der gesamten Straßenseite gar kein Baum mehr. Die Gegenseite hat jeweils nur einen oder gar keinen Baum vorm Haus. Auch die Stellplätze entlang der Straße seien weniger geworden.

„Als am letzten Juni-Wochenende das Thermometer 39 Grad Celsius anzeigte und die Sonne von früh bis abends unbarmherzig auf Betonpflaster und Asphalt schien, wirkte die erst neue Straße ziemlich trostlos. Die Handvoll dünne, in Kieselsteine gepackte Bäume, die da gesetzt wurden, werden nichts daran ändern. Die Betonfußwege wirken trist, die ganze Straße ist wie in einem Gewerbegebiet geworden. Vor allem diese Hitze und nirgends Schatten!“, beschreibt der Anwohner und kritisiert die Planer.

Döbelns Technischer Dezernent und Stadtplaner Thomas Hanns kann die Kritik nur bedingt verstehen. „Die Nordstraße hatte keinen Regelquerschnitt. Dieser musste aber beim aufwendigen grundhaften Ausbau der Straße hergestellt werden. Deshalb musste man einen Kompromiss zwischen den beidseitig angepflanzten Straßenbäumen und den Pkw-Stellplätzen entlang der Straße finden“, sagt er. Deshalb seien die Pläne vor dem Bau auf einer Bürgerversammlung den Anwohnern vorgestellt worden. Aus dieser Versammlung habe man die jetzt umgesetzte Variante als kleinsten gemeinsamen Konsens mitgenommen. Die Bürger in der Versammlung legten neben den Bäumen auch großen Wert darauf, dass wieder Parkplätze entlang der Straße eingerichtet werden.

Als Kompromiss wurden bergaufwärts links 25 neue Straßenbäume gepflanzt. Die Bäume auf der rechten Straßenseite wurden gefällt. „Sie hatten es ohnehin schwer und waren wegen der fehlenden Straßenbreite schonmal bei einem Rückschnitt fast halbiert worden“, erinnert sich Thomas Hanns. Wenn im öffentlichen Straßenraum zu wenig Platz für Bäume auf beiden Seiten sei, könne der eine oder andere Grundstücksbesitzer vielleicht auch genauso gut hinter dem Gartenzaun Schattenspender setzen, schlägt der Baudezernent vor. und Thomas Sparrer

Übrigens wurde einer der 25 neu gepflanzten Bäume an der Nordstraße zuletzt durch einen Autounfall „gefällt“. In der Pflanzzeit im Herbst wird eine neue Kupferfelsenbirne an dieser Stelle gepflanzt, kündigt Thomas Hanns an.

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