Gefiederte Gäste in derDöbelner Seniorenresidenz
Titelgeschichte: Döbelner Seniorenresidenz nutzt Tiere in der Therapie.

Pfleger Axel Dittrich, hier mit Schleiereule Jade, hatte den Besuch des Bernburger „Eulenmannes" in der Seniorenresidenz Döbeln organisiert.Foto: Sven Bartsch
Döbeln. Harald schaut sich um. Der kleine Steinkauz mit dem weichen Gefieder und den schwarz-gelben Knopfaugen sitzt entspannt auf der Hand von Jana Haberland. „Harald ist eine kleine Rampensau“, erzählt die 37-Jährige. Mit ihrem Mann Jens, dem „Eulenmann“, ist die Bernburgerin heute in Döbeln. Auch dabei: Idefix, Möhre, Joda und Locke. Die nordafrikanische Büschelohreule, der Bindekauz, die Schleiereule und der große europäische Uhu sind zu Gast in der Theed Living Seniorenresidenz in Döbeln-Nord.Es ist das erste Mal, dass Eulen hier in dem noch relativ jungen Pflegeheim der Westfälischen Straße 14 Teil des Beschäftigungsangebotes sind. Axel Dittrich, Mitarbeiter der Sozialen Betreuung in der Seniorenresidenz, hat den Besuch organisiert. „Es sind die Tiere der Weisheit“, sagt er und lächelt. Das passe gut in die Runde der Senioren. „Und man hat doch eher selten die Gelegenheit, diese Vögel zu erleben.“ Tiere aber kommen regelmäßig im Haus zum Einsatz. Einmal im Monat ist Peggy Fiedler mit ihren „tierischen Freunden“ zu Besuch. Hund, Meerschweinchen, Hasen, Ziegen und Schildkröte sind dann genauso Teil der Biografiearbeit im Pflegeheim, wie Grete, das Pony. „Viele unserer Pflegeempfänger sind landwirtschaftlich aufgewachsen, da weckt der Umgang mit den Tieren Erinnerungen an früher“, sagt Melanie Gasch. „Es ist immer eine tolle Erfahrung.“ Die Riesaerin leitet die TL Seniorenresidenz, die jetzt seit zwei Jahren am Standort ist.

Wer sich traut, streicht den gefiederten Besuchern über den Rücken. Ganz Mutige dürfen die Tiere mit einem Handschuh selbst auf die Hand nehmen. Angst muss aber niemand haben, die gefiederte Truppe ist gelassen und erfahren. Nicht nur in Seniorenheimen sind der „Eulenmann“ und seine Frau seit zwölf Jahren unterwegs. „Unsere Tiere zeigen uns morgens, ob sie mitkommen möchten oder nicht“, sagt Jana Haberlandt. Für die Mitarbeiter der Seniorenresidenz ist es einmal mehr eine schöne Gelegenheit, auch nicht mobile Bewohner ins monatliche besondere Angebot einzubeziehen. Aktuell leben 121 Pflegeempfänger in der Seniorenresidenz. Insgesamt 128 Betten gibt es hier. Melanie Gasch kennt jeden Bewohner mit Namen und seiner Geschichte – das ist ihr wichtig. Zwischen 60 und 103 Jahre alt sind die Frauen und Männer, die hier an ihrer letzten Station im Leben angekommen sind. Etwa 40 Prozent der Pflegeempfänger sind soziale Härtefälle, schätzt die 36-Jährige.

Sie möchte, dass es jedem Einzelnen hier gut geht. Erlebnisse wie das heutige mit Steinkauz Harald & Co hätte manch einer, der jetzt hier lebt, sonst nie haben können. Genauso wenig wie einen Zoobesuch in Leipzig, der kürzlich mit ausgewählten Bewohnern unternommen wurde. Froh ist Melanie Gasch auch über das soziale Projekt der Caritas, bei dem ältere und mobilitätseingeschränkte Personen mit der Rikscha durch Döbeln gefahren werden.

Der familiäre Rahmen, den sie mit ihren 115 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Seniorenresidenz schafft, gehört für Melanie Gasch dazu. Ein wertschätzender, harmonischer Umgang miteinander ist für die Riesaerin Voraussetzung dafür, überhaupt Qualität in der Pflege sichern zu können. „Ich will es besser machen, als es in den Einrichtungen lief, in denen ich vorher gewesen bin“, sagt sie. Seit 15 Jahren arbeitet sie in der Pflege. Der Job in Döbeln ist für sie persönlich ein Glücksfall.

Und sie hat noch viel vor. Diesen Sommer plant die Theed Living, in der Riesaer Straße eine modern eingerichtete Kurzzeitpflege für 21 Betten zu eröffnen. Der Bedarf ist da. Nicht zuletzt ist das ein Grund für Melanie Gasch, andere Pflegedienstleister in Döbeln und Umgebung nicht als Konkurrenz zu betrachten, sondern auch hier einen wertschätzenden Umgang und Austausch anzustreben.

Auf der Terrasse der Seniorenresidenz ist Schichtwechsel angesagt. Alle Bewohner sollen Harald und seine Kumpane erleben dürfen. Und wer nicht mehr die Kraft hat, sein Bett zu verlassen, dem bringen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den tierischen Besuch einfach im Zimmer vorbei.

und M. Engelmann-Bunk
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