Zahlen und Anlässe sind Torsten Ueschner eigentlich egal. Dass er dennoch aus Anlass seines 60. Geburtstages exakt 60 seiner Arbeiten aus den zurückliegenden 15 Jahren zum 1045. Jubiläum der Großen Kreisstadt zeigt, freut Kathrin Fuchs deshalb besonders. Sie begleitet das Schaffen von „Tue“ – wie ihn Freunde und Bekannte nennen – seit drei Jahrzehnten. 1994 hat sie seine erste städtische Ausstellung in Döbelns Kleiner Galerie organisiert, damals noch im alten Amtshaus. Auch, dass der antizyklisch lebende und arbeitende Künstler „zu einer für ihn untypischen Zeit“ der feierlichen Ausstellungseröffnung im großen Ratssaal beiwohnte, wurde augenzwinkernd erwähnt und für sehr erfreulich befunden. Manch einer könnte sich in den zurückliegenden Jahren gefragt haben, ob Ueschner überhaupt noch in Döbeln lebt. Im Stadtbild ist er wohl äußerst selten zu sehen, seine letzte Ausstellung in Döbeln liegt 13 Jahre zurück. Für die Eröffnung der aktuellen hat er sich Musik von Stephan König gewünscht. Der Leipziger Pianist begeisterte mit seinen Jazzimprovisationen am Flügel.
Und ja, Torsten Ueschner ist natürlich noch da. In seinem Atelier in der Alten Post malt er, bevorzugt dann, wenn andere ruhen oder schlafen. Von der großformatigen Figürlichkeit seiner früheren Arbeiten hat er sich lange schon wegentwickelt. Die Landschaften, die jetzt sein Rückzugsort sind, ziehen das Auge des Betrachters magisch an. Den Besuchern in der Kleinen Galerie gefällt, was sie sehen. Man diskutiert über Farben, Textur, Gefühle, die beim Betrachten entstehen. 130 Gäste sind an diesem Abend gekommen, darunter viele seiner Freunde und Bekannten.
„Torsten Ueschners Arbeiten öffnen den Blick in die Welt“, sagt Kunsthistorikerin Gabriele Gelbrich in ihrer kurzweiligen Einführung in die Ausstellung. Die Döbelnerin leitet Schloss Lauenstein, hat dort selbst schon eine Ausstellung mit Ueschner kuratiert. Der Künstler sei tief verwurzelt mit Döbeln. Er lebt seit seiner Kindheit hier. „Beim Malen trägt er dick auf“, so Gelbrich.
Das ist ganz praktisch gemeint. Seine Bilder zeigen harte und weiche Klänge in Öl. Ein Blick auf Ueschners Arbeiten aus der Nähe, vielleicht sogar von der Seite, macht deutlich, was Gelbrich meint. Den Maler interessiert die Oberfläche, Oberflächlichkeit nicht. Durch teilweise viele Schichten erzeugt er in seinen Bildern Tiefe – in der man sich auch gut verlieren kann.
Seit 30 Jahren lebt Torsten Ueschner als freischaffender Künstler, und wird heute durch drei Galerien in Leipzig, Rostock und Dresden vertreten. „Er ist ein Mensch, der einfach nur malen will“, sagt Kathrin Fuchs. Sie freut sich, dass diese Ausstellung zum Heimatfest geklappt hat und so viele Menschen zur Vernissage gekommen sind. Es zeigt, wie tief Ueschner mit der Stadt, in der er lebt, verbunden, wie groß das Interesse an seiner Kunst ist.
Bis zum 26. September ist Torsten Ueschners Ausstellung „Malerei“ im Döbelner Rathausturm zu sehen. „Vielleicht machen wir auch noch eine Finissage“, sagt Kathrin Fuchs.
und M. Engelmann-Bunk