DDR-Rocklegenden bewegen heute noch ihr Publikum
Die 1973 gegründete Band LIFT begeisterte in der Nicolaikirche mit zahlreichen Klassikern.

Seine markante Stimme füllte den Döbelner Kirchenraum: Werther Lohse, der letzte Musiker aus den großen LIFT-Jahren der siebziger Jahre.Foto: Elke Walter-Koch
Döbeln. Schon lange vor Konzertbeginn füllte sich die St. Nicolaikirche in Döbeln nahezu bis auf den letzten Platz. Gespräche hallten durch das Kirchenschiff, bekannte Gesichter begrüßten sich, viele Besucher gehörten zu jener Generation, die mit der Musik von LIFT groß geworden war. Manche hatten die Band bereits in den siebziger oder achtziger Jahren erlebt. Andere entdeckten ihre Lieder heute neu. Und doch schien an diesem Abend etwas alle miteinander zu verbinden: die Erinnerung an eine Zeit, in der Musik mehr war als Unterhaltung.

Die 1973 gegründete Band LIFT verstand es vom ersten Moment an, ihr Publikum mitzunehmen. Als die ersten Töne erklangen, wurde es still in der Kirche. Licht fiel über Instrumente und Musiker, während sich Rock, Balladen und poetische Texte mit der besonderen Atmosphäre des Gotteshauses verbanden. LIFT gelang an diesem Abend etwas Seltenes: Die Band holte die Stimmung längst vergangener DDR-Jahre in die Gegenwart zurück, ohne nostalgisch stehenzubleiben. Die Musik wirkte nicht wie ein Museumsstück, sondern lebendig, kraftvoll und überraschend zeitlos.

Auf der Bühne, also im Altarraum, war vor allem die markante Stimme von Werther Lohse präsent, dem letzten Musiker aus den großen LIFT-Jahren der siebziger Jahre. Gemeinsam mit André Jolig und Bruno Leuschner an den Keyboards sowie Markus Christ am Schlagzeug gelang es der Band, den unverwechselbaren Klang von LIFT in die Gegenwart zu tragen.

„Unglaublich, wie viele Leute gekommen sind“, staunte Organisator Alfred Klepzig mit Blick in die fast voll besetzte Nicolaikirche. Besonders Frontmann Werther Lohse wurde mit herzlichem Beifall empfangen. „Wir wissen, wir haben die 50 hinter uns“, sagte er mit einem Augenzwinkern, meinte damit nicht zuletzt das Bandjubiläum, und erntete dafür sofort zustimmendes Lachen und erneuten Applaus.

Für besondere Überraschungsmomente sorgte die Band mit Titeln, die seit Jahrzehnten kaum noch live zu hören waren. Dazu gehörte die eindrucksvolle „Ballade vom Stein“, die nach rund 50 Jahren in der Döbelner Kirche erklang. Unterstützt wurde die Band an diesem Abend von vier ehemaligen Sängern des Dresdner Kreuzchors – Alexander Rau, Moritz Schlenstedt, Lucas Reis und Elias Riemenschneider. Mit ihren mehrstimmigen A-cappella-Passagen verliehen sie den Rockballaden eine besondere Tiefe.

Vor allem bei „Mein Herz soll ein Wasser sein“ von Stefan Trepte entstand eine beinahe andächtige Atmosphäre. Viele Besucher lauschten aufmerksam, nachdenklich und berührt – wie auch bei „Meeresfahrt“, „Nach Süden“ oder „Am Abend mancher Tage“. Fast alle Konzertbesucher kennen die Texte seit Jahrzehnten, schlossen die Augen und ließen sich von den poetischen Rockballaden tragen. Es waren Lieder, die Generationen begleitet hatten und bis heute nichts von ihrer Kraft verloren haben.

Die Bandmitglieder wirkten dabei zugleich routiniert und nahbar. Ohne große Effekthascherei entstand eine intensive Bühnenpräsenz – mal zurückgenommen und fast poetisch, dann wieder kraftvoll und rockig. Projektionen, Licht und Klang verschmolzen mit dem Kirchenraum zu einer besonderen Inszenierung, die Raum für Erinnerungen ließ.

Zudem – so wurde bei Gesprächen in der Pause deutlich – war die Band für viele Besucher eng mit der eigenen Geschichte verbunden. Mancher erinnerte sich während des Konzerts an Momente aus längst vergangenen Zeiten.

Nicht wenige der Zuschauer hatten bereits in den siebziger und achtziger Jahren als Teenager vor der Bühne gestanden, wenn LIFT im Volkshaus Döbeln, im Flemmingener Hof in Hartha oder im längst abgerissenen Johannistal in Leisnig auftrat. Fans holten sich damals in den Pausen Autogramme – eine Band zum Anfassen, voller Energie und Aufbruchsstimmung. Junge, ambitionierte Musiker, die für viele weit mehr waren als nur eine Rockgruppe.

Gerade deshalb entstand an diesem Abend in der Nicolaikirche etwas sehr Persönliches. Zwischen den Liedern tauschten sich Besucher über frühere Konzerte, alte Tanzabende und vergangene Zeiten aus. Und doch ging es nicht allein um Nostalgie. Denn die Lieder, so war zu spüren, wirkten auch heute noch erstaunlich aktuell. Vielleicht weil sie von Sehnsucht, Hoffnung, Brüchen und Aufbruch erzählen – von Dingen also, die Menschen generationenübergreifend bis heute bewegen.

Als sich das Konzert dem Ende näherte, erhob sich das Publikum beinahe geschlossen. Langer Applaus erfüllte die Kirche. Manche blieben noch eine Weile sitzen, als wollten sie die Stimmung festhalten.

und Elke Walter-koch
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