Von Maryland nach Sachsen
Der US-Amerikaner Dr. Ryan D. Lewis möchte in Sachsen unterrichten – doch der Weg in den Schuldienst ist steinig

Döbeln. Ryan D. Lewis ist viel gereist in seinem Leben. Geboren in den USA, geprägt von verschiedenen Orten und Kulturen, lebt der 49-Jährige heute in Döbeln – und möchte vor allem eines: hier als Lehrer arbeiten, ankommen, bleiben.

Seine Geschichte beginnt weit entfernt von Sachsen. Aufgewachsen ist Lewis in Rising Sun im Bundesstaat Maryland, einer Kleinstadt, die er in ihrer Größe mit Döbeln vergleicht. „Es war eine schöne Kindheit“, sagt er. Landwirtschaft, familiärer Zusammenhalt, eine ruhige Umgebung – das habe ihn geprägt.

Später zog er nach Alabama, in die Heimat seines Vaters. Dort erlebte er eine ganz andere Welt: die Nähe zum Meer, die Hitze, die Offenheit der Menschen. „Der Strand ist weiß wie Zucker, das Wasser blau wie ein Saphir“, erinnert er sich. An dieser „Golfküste“ zu leben, das sei heute kaum noch bezahlbar. Doch er fügt nachdenklich hinzu: „Was glänzt, ist nicht immer Gold.“ Wie andernorts auch gebe es soziale Ungleichheit, und gesellschaftliche Probleme.

Sein Weg führte ihn weiter nach New Orleans, wo er sein Abitur machte – eine Zeit voller Musik, kultureller Vielfalt und neuer Eindrücke. 2007 zog es ihn schließlich nach Schottland. Dort studierte er Philosophie, promovierte und begann eine Ausbildung zum Lehrer.

In Dundee lernte er auch seine heutige Frau Liane kennen, die aus Hartha stammt. „Unsere Beziehung war damals ganz frisch“, erzählt er. Seit 2008 kam er mit ihr regelmäßig nach Sachsen, zunächst nur im Sommer. Doch der Wunsch, dauerhaft hier zu leben, wuchs. 2021 zog die Familie dann tatsächlich nach Döbeln, und bezog eine Wohnung in der Grimmaischen Straße.

Ihr Sohn Ronan bekam einen Kitaplatz, Lewis suchte Arbeit. Seine erste Anstellung fand er an der Sachsen International School in Stollberg – verbunden mit einer Pendlerwohnung. „Das war auf Dauer sehr anstrengend“, sagt er.

Seitdem versucht Lewis, eine feste Stelle als Lehrer in der Region zu finden – bislang ohne Erfolg. Besonders gern würde er in Döbeln unterrichten. Kontakte zur Schule in Döbeln-Nord und anderen Bildungseinrichtungen gab es bereits, auch eine Hospitation und Gespräche mit Eltern und Lehrern.

„Man hat mir signalisiert, dass ich gebraucht werde“, sagt er. Doch der Einstieg scheiterte bislang an formalen Hürden. Zwar wurde seine Qualifikation von einer zentralen Stelle in Bonn anerkannt, doch in Sachsen gelten eigene Regelungen. Es folgten Anforderungen an Sprachkurse, neue Anträge, Wartezeiten – und immer wieder Unsicherheit. „Es ist ein Behördenkampf“, beschreibt er die Situation.

Dabei ist der Bedarf an Englischlehrern vorhanden. Lewis versteht nicht, warum sich der Weg so schwierig gestaltet. „Ich sehe mich hier, ich möchte hier einen Beitrag zur Bildungsarbeit leisten – und ich möchte mich hier beruflich weiterentwickeln“, sagt er.

Aktuell arbeitet er als selbstständiger Lehrer, gibt Privatunterricht und unterstützt Schulen projektweise. Unterrichtet hat er bereits verschiedene Fächer: Englisch, Mathematik, Ethik, Kunst, Werken und Allgemeinbildung. Seine Ausbildung ist britisch geprägt, sein Zugang zum Lernen philosophisch. „Kinder sind unsere Zukunft, wir müssen ihr Lernen fördern, damit sie lebenslang lernen“, sagt er.

„Kinder brauchen Geduld, Verständnis und jemanden, der sie und ihren Lernprozess als einzigartig wahrnimmt“, sagt er. Diese Haltung bringt er auch aus seinem persönlichen Weg mit – geprägt von unterschiedlichen Kulturen und Perspektiven. Heute sagt er nicht mehr: „Ich lebe in Deutschland.“ Sondern: „Ich lebe in Sachsen.“ Ein Satz, der viel über seine innere Haltung verrät.

Neben seiner Lehrtätigkeit engagiert sich Lewis auch künstlerisch. Er malt und bildet weiter und erlernt derzeit die japanische Kalligrafie. Zur Döbelner Kulturnacht hat er eine Skulptureninstallation gezeigt. Neben seiner Online-Lehrtätigkeit arbeitet der promovierte Lehrer nebenbei als Studienberater, Gärtner und nimmt Gelegenheitsjobs im Koch- und Servicebereich an. Sein Wunsch bleibt klar: eine feste Stelle an einer Schule. Ein Ort, an dem er seine Karriere voranbringen und sich wirklich niederlassen kann. „Ich möchte hierbleiben, ich möchte mein Leben hier weiter gestalten“, sagt er und ergänzt: „Ich möchte Teil der Gemeinschaft sein, ich möchte Teil von Sachsen sein.“und Elke Walter-Koch
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