„Das muss man wollen“
Gerhard Börner aus Hof ist neuer Verwalter von elf Friedhöfen der Döbelner Region

Gerhard Börner ist keiner, der nur am Schreibtisch sitzt: „Man muss täglich unterwegs sein, mit anpacken. Das gehört dazu.“Foto: Elke Walter-Koch
Döbeln. Zwischen alten Bäumen und verwitterten Namen beginnt für Gerhard Börner ein neuer Abschnitt. Der 50-Jährige ist der neue Friedhofsverwalter der Trinitatis-Kirchgemeinde Döbelner Region – und damit nicht nur für den Niederfriedhof Döbeln, sondern für zehn weitere Friedhöfe verantwortlich. Weit mehr als Orte der letzten Ruhe: parkähnliche Landschaften, stille Archive, Spiegel einer ganzen Region.

Gerhard Börner kommt aus Hof im Jahnatal. Die Stelle war ausgeschrieben, und obwohl er bislang noch nie auf einem Friedhof gearbeitet hat, bringt er viel Erfahrung mit: Gärtner mit Technikerabschluss, seit Jahrzehnten in der Grünanlagenbewirtschaftung in Leipzig tätig. „Vieles ähnelt sich“, sagt er. „Aber das hier ist noch einmal etwas anderes. Das muss man wollen.“ Was er meint: den täglichen Umgang mit dem Thema Tod und Sterben. Bestattungen begleiten, Urnen tragen. Da sein, wenn Menschen Abschied nehmen. Für Börner ist das eine Frage der Haltung – und des Glaubens. „Ich bin evangelischer Christ. Für mich gehört der Tod zum Leben dazu.“ Noch ist vieles neu für ihn. Friedhofsordnung, Abläufe, die vielen kleinen und großen Entscheidungen, die den Alltag bestimmen. Unterstützt wird er dabei vom vorherigen Verwalter Siegfried Roßberg, der nun schon bald in Rente geht, und Katrin Pöhlich, die seit 2011 in der Verwaltung arbeitet. „Ich weiß, an wen ich mich wenden kann. Das hilft sehr“, sagt Börner.

Sein Aufgabenfeld ist groß: Döbeln, Mochau, Beicha, Zschaitz, Zschochau, Ostrau, Jahna, Hof, Simselwitz, Technitz, und Ziegra – elf Friedhöfe mit ganz eigenen Strukturen, Bedürfnissen und Traditionen. Viel Organisation gehört dazu, Logistik, Verwaltung. Doch Börner ist keiner, der nur am Schreibtisch sitzt. „Man muss täglich unterwegs sein, mit anpacken. Das gehört dazu.“ Dabei blickt er auch auf das, was entstehen kann. Neue Bestattungsformen spielen heute eine wichtige Rolle: Urnengemeinschaftsanlagen, Partner- und Familienbäume, naturnahe Baumbestattungen. „Vieles muss nicht neu erfunden werden und ist schon auf den Weg gebracht“, sagt er.

Naturnahe Baumbestattungen werden zunehmend nachgefragt: eine einmalige Zahlung für 20 Jahre, danach keine Folgekosten. Zugleich bleibt sie eingebettet in die gewachsene Struktur des Friedhofs – zwischen alten Grabstätten, die ihre eigenen Geschichten erzählen. „Viele dieser Gräber sind Zeugnisse der Stadtgeschichte“, sagt Börner. „Das darf man nicht verlieren.“ Überhaupt sieht er die Friedhöfe nicht nur als Orte der Trauer, sondern auch als kulturelle Landschaften. Besonders die kleineren Landfriedhöfe hätten ihren eigenen Reiz, oft verborgen, manchmal überraschend. Entlang des Jahnatalwegs etwa reihen sich Gottesäcker und alte Güter aneinander – jeder mit eigenem Charakter und stillen Hinweisen auf den einstigen Reichtum der Region.

Diese Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart möchte Börner weiter stärken. Schon in den vergangenen Jahren gab es zum „Tag des Friedhofs“ im September Führungen durch den historischen oberen Teil des Niederfriedhofs in Döbeln – ein Angebot, das er – wenn alles eingespielt ist – gern übernehmen möchte. Veranstaltungen wie die Osternacht mit dem frühen Gottesdienst um 6 Uhr oder der kommende Johannistag am 28. Juni mit einem gemeinsamen Grillen zeigen: Der Friedhof ist ein Ort, der Gemeinschaft stiften kann.

Wenn Börner Bestattungen begleitet, gehört es für ihn dazu, mehr zu tun als nur das Notwendige. Wenn kein Trauerredner da ist, wird er – wie sein Vorgänger – selbst ein Gedicht sprechen, den Namen des Verstorbenen nennen. „Man füllt hier mehrere Rollen aus“, sagt er. Vielleicht hilft ihm dabei eine gewisse Distanz. „Manchmal ist es gut, die Menschen nicht zu kennen. So kann man neutraler bleiben.“

Und doch geht es am Ende um etwas sehr Persönliches: den eigenen inneren Standpunkt. „Wichtig ist, dass man seinen eigenen Seelenfrieden hat“, sagt Börner. „Dass man überzeugt ist von dem, was man tut.“ Seine zugewandte und positive Art passt zu diesem besonderen Ort – einem der schönsten Friedhöfe der Region, der nicht nur bewahrt, sondern weitergedacht werden willund . und Elke Walter-Koch
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