Ein Modellprojekt für mehr Teilhabe
VfB Leisnig startet Demokratieprojekt – Torschützenkönig Rico Perkuhn übernimmt eine Schlüsselrolle.

Freuen sich darüber, dass es dem VfB Leisnig gelungen ist, Partner und Nutznießer im Modellprojekt zu sein: Rico Perkuhn (v.l.), Projektverantwortlicher im VfB, Caterina Just, Projektkoordinatorin des Landessportbundes, und Jörg Lippert, Präsident des VfB Leisnig.Foto: Elke Walter-Koch
Leisnig. Ein Zeitungsartikel war der Auslöser. Rico Perkuhn, 35 Jahre alt, Fahrzeuglackiermeister, Fußballer der ersten Leisniger Männermannschaft und Kreisliga-Torschützenkönig des vergangenen Jahres, stieß eher zufällig auf die Ausschreibung für ein Modellprojekt des Landessportbundes. Der VfB Leisnig stellte kurzfristig einen Antrag – mit Erfolg. Seit April ist Perkuhn Projektverantwortlicher im Leisniger Verein.

Der VfB zählt aktuell 368 Mitglieder, Tendenz steigend. „Wir sind eine feste Größe in der Stadt“, sagt Vereinspräsident Jörg Lippert. Doch mit der Größe wächst die Herausforderung: Wie erreicht man alle Mitglieder? Wie gelingt es, möglichst viele einzubinden – nicht nur auf dem Spielfeld? Genau hier setzt das Modellprojekt „Im Sport verein(t) – Teilhabe erleben“ an. Projektkoordinatorin Caterina Just vom Landessportbund beschreibt das Ziel so: „Es geht darum, Strukturen zu schaffen, die echte Beteiligung ermöglichen – und die auch langfristig funktionieren.“

Rico Perkuhn übernimmt dabei eine Schlüsselrolle. Als Sportler und Projektverantwortlicher wird er zum Bindeglied zwischen Vereinsführung und Mitgliedern – ein Sprachrohr, das Themen aufnimmt, bündelt und zurück in den Verein trägt. „Sportvereine sind demokratische Organisationen“, sagt Lippert. „Aber wie funktioniert diese Teilhabe im Kleinen wirklich?“

Rico Perkuhn bringe dafür beste Voraussetzungen mit. Er hat als Jugendlicher in Döbeln gespielt, war in mehreren Vereinen der Region aktiv und ist schließlich nach Leisnig zurückgekehrt. „Dass er diese Aufgabe übernimmt, ist für uns eine besondere Chance“, betont Lippert.

Das Projekt ist auf 20 Monate angelegt und wird aus Mitteln des Landessportbundes, vom Freistaat und Bund gefördert. Für die Umsetzung ist beim VfB eigens eine Minijob-Stelle geschaffen worden – ein ungewöhnlicher Schritt im überwiegend ehrenamtlich organisierten Vereinsleben.

Derzeit läuft die Bedarfsanalyse: Welche Themen bewegen die Mitglieder? Wo gibt es Lücken? Neben bestehenden Kanälen wie Instagram und Facebook sollen künftig Befragungen, Workshops und neue Beteiligungsformate stärker eingebunden werden. Ein besonderer Fokus liegt auf der Jugend. „Ich erfahre oft zu wenig darüber, was unsere Kinder und Jugendlichen wirklich beschäftigt“, sagt Lippert. Denkbar sei daher ein eigenes Beteiligungsgremium für junge Mitglieder. Der VfB Leisnig ist im Landkreis Mittelsachsen der einzige Verein, der sich an dem Projekt beteiligt. Sachsenweit ist nur noch der Radeberger SV dabei. Der Austausch zwischen beiden Vereinen soll helfen, voneinander zu lernen, sich zu inspirieren. Gegenseitige Besuche und Gespräche sind geplant. „Im besten Fall entstehen Lösungen, die über das Projekt hinaus Bestand haben“, sagt Caterina Just.

Die konkreten Maßnahmen sollen bis Mitte kommenden Jahres umgesetzt werden. Anschließend folgt die Auswertung: Was hat funktioniert? Wo besteht weiterer Bedarf? Den Abschluss bildet eine gemeinsame Veranstaltung. Für Rico Perkuhn ist das Projekt mehr als eine Aufgabe neben dem Beruf: „Es ist die Chance, den Verein aktiv weiterzuentwickeln.“ Elke Walund ter-Koch
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