Kinder gestalten ihr Waldheim
Autofreier Obermarkt und viel Grün für gute Luft / Verein „Mosaïque“ mit weiteren Projekten am Start

Viel Grün, weniger Autos: So stellen sich die Schulbergstrolche ihre Heimatstadt Waldheim in der Zukunft vor. Ihre Pläne haben sie in Form von zwei selbst gebauten Modellen dem Waldheimer Bürgermeister Steffen Ernst übergeben.Fotos: Gerhard Schlechte
Waldheim. Wie sieht eine Stadt der Zukunft aus? Visionäre Projekte verschiedenster Art existieren bereits in China, Saudi-Arabien und Mexiko, mit Ideen für autofreie Zonen, individuelle Mobilität, klimaneutrale Lebensweise und soziale Teilhabe. Seit Kurzem existieren derartige Ideen auch für Waldheim in Mittelsachsen.

Dort haben sich Kinder der ersten bis vierten Klassen aus dem Hort der Schulbergstrolche Gedanken darüber gemacht, wie sie sich ihre Heimatstadt vorstellen. Die Ergebnisse werden derzeit im Foyer des Rathauses gezeigt. Nach einem Ferienprojekt haben die Kinder ihre Arbeiten dem Bürgermeister Steffen Ernst (FDP) übergeben.

So visionär manches davon sein mag: Spätestens die heutigen Sieben- bis Zehnjährigen werden die Erwachsenen sein, in deren Lebensumfeld diese Themen gelöst oder mindestens angedacht sein müssen, damit urbanes Leben lebenswert bleibt. Damit haben sich die Kinder beschäftigt.

„Zunächst hatten wir im Gespräch Ideen gesammelt und die Erwartungen der Mädchen und Jungen zu den Themenbereich Bauen oder Verkehr zusammengefasst. Dann zeichneten die Kinder ihre Vorstellungen.“ Das berichtet Vereinsvorsitzende Josephine Döring über das Projekt, welches der noch in Gründung befindliche Verein „Mosaïque” als Ferienangebot zusammen mit dem Hort unterbreitet hatte.

„Spannend war: Obwohl es zunächst um irgendeine Stadt der Zukunft gehen sollte, haben die Kinder schnell ihre Heimatstadt Waldheim dafür in den Fokus genommen. Das fand ich total schön“, so Döring.

Für die Kinder kristallisierten sich zwei konkrete Orte heraus, an denen sie sich Veränderungen wünschen. Diese betreffen nicht nur die Kindergeneration selbst, sondern reichen hinein bis in die Belange älterer Menschen, bis zu den Senioren. Das Atelier des Hortes konnte auch für den nächsten Projektschritt genutzt werden: Auf großen Platten wurden zwei Modelle gebaut. Auf einer geht es um den Waldheimer Obermarkt. Auf der anderen haben die Kinder ihre Vorstellungen vom Oberwerder der Zukunft gebaut.

In einem Buch hatten die insgesamt elf Projektteilnehmer zuvor recherchiert, welche Lösungsansätze anderswo bereits existieren. „Eine klare Vorstellung haben die Kinder von einem autofreien Obermarkt mit vielen bunten Bänken“, so Döring. Das knüpft an eine Überlegung an, die vor rund zwei Jahrzehnten bei der Obermarktsanierung und der Marktumgehung schon einmal eine Rolle spielte. Von den Stadtvätern wurde das damals verworfen, unter anderem im Hinblick auf die am Markt ansässigen Geschäfte.

Die Kinder griffen das nun wieder auf, mit der Prämisse eines gesunden Wohnklimas in der Stadt, mit sauberer Luft. „Das haben die Kinder schon dem Schirm, dass Bäume in der Stadt die Luft gut filtern und damit einen positiven Einfluss auf die Lebensqualität haben.“

Wie wäre das machbar, weniger Auto zu fahren, stattdessen mehr Fahrrad? Wie kann ein gutes Leben aussehen, wenn man überlegt, was ein Mensch wirklich braucht und was er verbraucht? Dieses Prinzip wurde beim Bauen der Stadtmodelle umgesetzt - mit Milchkartons, Gardinenringen, Pappe, Streichhölzern und Krepppapier.

Zum individuellen Fußgängerverkehr stellen sich die Kinder eine kleine, mit Sonnenenergie betriebene Bahn vor. Sie soll durch ganz Waldheim fahren, vor allem bis zur Schule, damit nicht so viele Autos dorthin unterwegs sein müssen.

Dass nicht alle Ideen sofort umsetzbar sind, sei den Kindern klar. Trotzdem haben sie dem Waldheimer Bürgermeister die Vorhaben vorgestellt, die gar nicht so utopisch klingen. So würden sie gern auf dem Boden der Freilichtbühne des Oberwerders Spielfelder aufmalen lassen für Schach oder Himmel und Hölle.

„Das ist vielleicht mit Unterstützung des Bauhofes realisierbar und würde das Miteinander der Kinder unter freiem Himmel oder von Kindern und Erwachsenen fördern, wie zum Beispiel beim Schach. Die Bühne kann trotzdem normal genutzt werden“, so Josephine Döring.

Der Verein „Mosaïque“ wurde vor einem Jahr mit elf Gründungsmitgliedern aus der Taufe gehoben. Projekte zu Kinderrechten, Imkerei und Bienenschutz hat es bereits gegeben sowie ein Kinderfest im vergangenen Jahr. Auch dieses Jahr soll gefeiert werden, und zwar am 31. Mai. Dem Verein liegen dabei Kooperationen mit weiteren Engagierten am Herzen, die niederschwellig den zivilgesellschaftlichen Einsatz, die Mitbestimmung sowie die Partizipation fördern sollen.

Beim Gottesdienst am Wasser am Pfingstmontag an der Talsperre Kriebstein will der Verein dabei sein, dann mit seinen bunten Büchern. Eine Aktion ist zum Hortjubiläum ist geplant, eine weitere zum Jubiläum der Grundschule.

Speziell für ältere Personen hat der Verein ein Herzensprojekt von Mitglied Uta Gutschow ins Leben gerufen, und zwar den Singekreis für Senioren. Der wird jeweils am ersten Sonnabend im Monat angeboten, von 10 bis 11 Uhr. Dafür können Interessierte in die Cafeteria der DRK-Sozialstation an der Härtelstraße 34 in Waldheim kommen. Singen und altersgerechte Bewegungs- und Tanzaktivitäten werden angeboten. und Steffi Robak
Druckansicht