Neue Ladeboxen für dieBornaer Elektro-Autos
Der lokale Energieversorger Städtische Werke Borna (SWB) will mit Lade-Infrastruktur Platzhirsch sein.Problematisch ist allerdings das Angebot für Mieter in Mehrfamilienhäusern.

Alexander Wernick, Chef der Städtischen Werke Borna.Foto: André Neumann
Borna. E-Autos liegen im Trend. Bei AMB, dem größten Bornaer Autohändler, machen Hybridfahrzeuge und reine E-Autos schon an die 60 Prozent der Neubestellungen aus, sagt Geschäftsführer Steffen Jahn. Bald zielte jede zweite Bestellung auf einen reinen Stromer.

Vermutlich könnte der Anteil noch höher liegen, wäre da nicht eine Frage, die besonders Bewohner von Mehrfamilienhäusern in dichten Wohngebieten umtreibt. Und die kürzlich auch am Stand der LVZ beim Bornaer Eventshopping gestellt wurde: Wo kann ich ein E-Auto laden? In Borna jedenfalls nicht an der bisher gewohnten Tankstelle. An keiner gibt es einen Ladeanschluss.

Das Netz an Ladepunkten für elektrisch angetriebene Kfz ist in Borna so schlecht nicht. Öffentlich zugängliche Verzeichnisse liefern zwar abweichende Ergebnisse. Doch dürfte es in Borna mittlerweile rund zwanzig Ladestationen mit knapp vierzig Ladepunkten, also verfügbaren Anschlüssen, geben.

Unter anderem an Einkaufsmärkten, bei McDonalds, in Parkhäusern und auf Parkplätzen. Einige sind rund um die Uhr nutzbar, andere nur zu den Öffnungszeiten der Einrichtung, auf deren Gelände sie stehen. Viele Bewohner von Einfamilienhäusern laden an ihren privaten Wallboxen.

Sollten sich allerdings viele Bewohner von Wohnblöcken in nächster Zeit ein Elektroauto anschaffen wollen, würde das bei Weitem nicht reichen. Das wissen auch die großen Bornaer Vermieter. „Bei so einem Szenario könnte das Leitungsnetz nicht im aktuellen Zustand bleiben“, vermutet Jan Czinkewitz, Geschäftsführer der Bornaer Wohnbau- und Siedlungsgesellschaft (BWS).

Doch selbst, wenn die Großvermieter in Größenordnungen Lade-infrastruktur an den Stellplätzen in den Wohngebieten schaffen wollten, stoßen sie neben der Leitungskapazität an eine weitere Grenze: den verfügbaren Platz. Wie Czinkewitz weist auch Corinna Rothe, die Vorstandsvorsitzende der Bornaer Wohnungsgenossenschaft (BWG), auf das Problem mit den Parkplätzen hin.

Die befänden sich teilweise auf städtischen Grundstücken. „Für die Schaffung entsprechender Lade-infrastruktur ist daher in erster Linie die Stadt als zuständiger Akteur gefragt“, sagt Rothe. In Wohnanlagen der BWG mit eigenen Stellplätzen lägen von Mietern derzeit noch keine Nachfragen nach Wallboxen vor. Daher gebe es auch noch keine konkreten Pläne, welche zu errichten.

Die BWS statten zumindest bei Neubauvorhaben die zugehörigen Stellplätze schon mit den Anschlussmöglichkeiten für Ladesäulen aus. Zuletzt geschehen für 28 Stellplätze in der Stauffenbergstraße. Das Interesse sei derzeit aber überschaubar. Eine Anlage mit vier Ladepunkten wurde bisher installiert. Nur ein Mieter lädt dort.

Das Wohnungsunternehmen ist dabei nicht selbst Eigentümer der Ladeinfrastruktur und will das auch in Zukunft nicht werden, sagt Czinkewitz. Der Vermieter vermittelt bei Interesse den Kontakt, unter anderem zu den Städtischen Werken Borna (SWB). Dort setzt man schon seit mindestens sechs Jahren auf Infrastruktur für Elektromobilität. Mittlerweile hat das städtische Energieunternehmen 21 öffentliche Ladepunkte im gesamten Stadtgebiet verteilt. Weitere sind geplant.

Die neuesten sind acht Ladepunkte im City-Parkhaus in der Mühlgasse. Hier fehlt allerdings noch eine griffige Markierung und Beschilderung. Was zur Folge hat, dass derzeit lauter Verbrenner den ganzen Tag lang die Wallboxen blockieren.

„Das wird sich zeitnah ändern“, kündigt Alexander Wernick an. Der Geschäftsführer der SWB versprüht beim Thema Elektromobilität Zuversicht und Lust zum Gestalten. „Wir glauben daran“, sagt er für sich und sein Unternehmen. In den vergangenen drei Jahren habe das Unternehmen jährlich rund 100.000 Euro für E-Ladeinfrastruktur vorgesehen, und das solle auch so weitergehen.

Teure Schnellladesäulen mit dicken Kabeln, durch die ein E-Auto beispielsweise an der Autobahnraststätte oder am Supermarkt in einer halben Stunde für die nächsten 200, 300 Kilometer geladen wird, stellen die SWB nicht auf. Schon weil die Erfahrung zeige, so Wernick, dass diese Kabel ständig geklaut werden. „Da muss es erst einen besseren Diebstahlschutz geben, ehe wir uns damit für das Stadtgebiet befassen.“

Wernick setzt mit seinem Team auf Ladeboxen, an denen der E-Auto-Fahrer sein eigenes Ladekabel nutzt. Die sollten bestenfalls dort stehen, wo ein Fahrzeug während der Arbeitszeit mehrere Stunden parkt. Oder eben in der Nähe der Wohnung. „Da wollen wir gern der Platzhirsch sein“, nimmt der Geschäftsführer für die Städtischen Werke in Anspruch.

Wenn es ums flächendeckende Laden in Plattenbaugebieten geht, weiß natürlich auch Wernick um die Probleme mit der Netzkapazität und den begrenzten Parkflächen. Nur dort können die Ladestationen stehen. Neben die Haustüren können keine Wallboxen geschraubt werden, sie wären zu weit weg von der Straße.

und André Neumann
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