Schnelle Hilfe von nebenan
Titelgeschichte: Per Handy-App werden Freiwillige bei Notfällen alarmiertund helfen, bevor der Rettungswagen kommt – Amy Dietrich ist eine von ihnen.

Deutzen/Neukieritzsch. Ein guter Freund hatte ihr von den Katastrophen-Rettern erzählt. Das sind Freiwillige, die übers Handy bei einem Notfall in ihrer Nachbarschaft alarmiert werden – und noch vor dem Rettungswagen vor Ort sind und helfen. „Das wäre doch was für dich“, sagte der Freund zu Amy Dietrich.

Die 23-Jährige ist Krankenschwester und arbeitet in der Sana-Klinik in Borna. „Ich helfe gern“, sagt sie. Seit Anfang 2026 gibt es im Landkreis ­Leipzig das System mit den Kat-Rettern. Amy Dietrich hält das für immens wichtig: „Bei Notfällen zählt jede Minute, jede Sekunde. Das rettet Menschenleben.“

Deshalb hat sie sich im Juni angemeldet. Es sei einfach. Sie lud die Handy-App herunter, registrierte sich und verschickte ihre Berufsurkunde. Danach erhielt sie eine Bestätigungs-E-Mail, fertig.

Aktuell können sich nur Personen mit einer medizinischen Ausbildung anmelden. Dazu gehören Ärzte, Krankenschwestern, Notfall- und Rettungssanitäter. Auch Kameraden der freiwilligen Feuerwehren können sich registrieren lassen. Später sei geplant, dass auch Ersthelfer mit einer bestimmten Ausbildung dabei sind. Ihren ersten Einsatz hatte Amy Dietrich im Juli. Sie saß in ihrem Garten in Deutzen bei Borna und trank Kaffee. Plötzlich piepte ihr Handy – in einem Ton, den sie bisher noch nicht kannte. „Ich musste auf ein Banner klicken, um den Einsatz anzunehmen, und dann bin ich losgefahren“, erzählt sie. Ihr Handy zeigte ihr den genauen Einsatzort samt Route.

Nur wenige Auto-Minuten entfernt war sie beim Notfall vor Ort. Eine Person war auf der Straße ohnmächtig geworden und musste wiederbelebt werden. Als Krankenschwester beherrscht sie Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung ohne Probleme. Etwa fünf Minuten später war der Rettungswagen da, die Person wurde in die Klinik gebracht.

Doch genau diese Minuten können in solch einem Fall entscheidend sein. Pro Jahr erleiden mehr als 60.000 Menschen in Deutschland einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Nur etwa jeder Zehnte überlebt. Das Bundesministerium für Gesundheit gibt an, dass durch Laien-Reanimation jedes Jahr 10.000 Menschen zusätzlich gerettet werden könnten. Jede Sekunde würde zählen, bevor professionelle Hilfe eintrifft. „Wir Kat-Retter haben kein Equipment vor Ort, wir können nur Erste Hilfe leisten. Doch wenn man das richtig macht, kann dies schon viel bewirken“, sagt Amy Dietrich. So muss bei der Herzdruckmassage eben an der richtigen Stelle und im richtigen Rhythmus gedrückt werden, damit sie wirkt. Dr. Robert Stöhr, Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis Leipzig, hat das Kat-Retter-System in der Region eingeführt. Mehr als 300 Personen seien aktuell dabei. Weitere ehrenamtliche Ersthelfer werden gesucht. und Claudia CarellInteressenten können sich ­unterwww.landkreisleipzig.de/­katretternäher informieren und sich dort auch anmelden.
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