„Es war nie ein Selbstläufer", sagt Stefan Vöhringer, zweiter Vorsitzender des MSC Frohburger Dreieck. Seit vielen Jahren ist er Teil des Vereins und kennt die Entwicklung aus eigener Erfahrung. Gerade der Zusammenhalt habe den MSC auch durch schwierige Zeiten getragen. Immer wieder habe es Phasen gegeben, in denen neue Herausforderungen bewältigt werden mussten. Dass das Rennen trotzdem weiterbesteht, sei vor allem dem festen Kern des Vereins und den Menschen zu verdanken, die sich über Jahre engagieren und Verantwortung übernehmen.
Dabei bedeutet Tradition in Frohburg nicht, alles unverändert zu lassen. Vieles funktioniert heute noch nach einem bewährten Grundprinzip, das sich über Jahre entwickelt hat. Gleichzeitig werden immer wieder Stellschrauben verändert, Abläufe vereinfacht und neue Ideen ausprobiert. Der Verein versucht, das Bewährte zu erhalten und sich gleichzeitig dort weiterzuentwickeln, wo sich die Rahmenbedingungen verändern.
Das zeigt sich auch sportlich. Beim 63. Rennen gibt es Veränderungen im Klassenangebot. Die IRRC Superbike gehört nicht mehr zum Programm, dafür rückt die Sportbike-Klasse stärker in den Mittelpunkt. Für den MSC ist das eine interessante Entwicklung, weil sich hier ein sportlich attraktives und zugleich für viele Fahrer bezahlbares Konzept etabliert. Hinzu kommt mit der Sound of Classic eine weitere Klasse, die sich dem Rennsport mit historischen Rennmaschinen widmet und das bestehende Angebot ergänzt.
Gleichzeitig bleibt Frohburg seinem besonderen Charakter treu: Internationale Fahrer kommen weiterhin an das Dreieck. Namen wie Gary Johnson, Jamie Williams oder Paul Jordan stehen beispielhaft für die Verbindung, die das Rennen über viele Jahre zur internationalen Straßenrennsportszene aufgebaut hat. Dass Fahrer immer wieder nach Frohburg kommen, obwohl sich der internationale Status der Veranstaltung verändert hat, ist für den MSC dabei eine Form der Anerkennung.
Die nationale Ausrichtung des Rennens verändert dabei für die Zuschauer wenig. Für Fahrer und Veranstalter spielen Lizenzen, Genehmigungen und die sportrechtliche Einordnung eine größere Rolle. Auf der Strecke bleibt aber das, was das Publikum sehen will: Motorräder, Zweikämpfe und Rennsport auf einem traditionsreichen Straßenkurs.
Was die Zuschauer dabei kaum sehen, ist der Aufwand, der hinter dem Rennwochenende steckt. Rund 80 Sportwarte werden für die 23 Streckenposten benötigt, dazu kommen Rennleitung, medizinische Versorgung, Logistik, Aufbau, Genehmigungen und viele weitere Aufgaben. Die Vorbereitung beginnt praktisch unmittelbar nach dem vergangenen Rennen und erreicht in den Wochen vor der Veranstaltung ihre heiße Phase. Vieles davon geschieht ehrenamtlich und im Hintergrund – damit am Rennwochenende selbst alles ineinandergreift und sich die Zuschauer ganz auf den Sport konzentrieren können.
Gleichzeitig ist vieles sehr bodenständig. Der Verein weiß, dass dieses Rennen nur funktioniert, wenn viele Beteiligte mitziehen. Die Anlieger gehören dazu, ebenso die Stadt und die Behörden. Gerade bei einer Veranstaltung, die mitten durch den öffentlichen Raum führt, ist dieser Rückhalt entscheidend.
Eine Herausforderung bleibt der Nachwuchs. Wie viele andere Vereine steht auch der MSC vor der Frage, wie sich junge Menschen dauerhaft für ehrenamtliches Engagement begeistern lassen. Der feste Stamm hält zusammen, doch neue Menschen zu finden, die Verantwortung übernehmen, wird schwieriger.
Das Frohburger Dreieck ist geblieben, weil Menschen immer wieder bereit waren, es weiterzutragen. Nicht, weil es einfach war, sondern weil der Verein auch nach schwierigen Jahren immer wieder weitergemacht hat.
Tradition bedeutet deshalb nicht Stillstand. Sie bedeutet vor allem 63 Jahre Anpassung, Engagement und den Willen, das Rennen auch unter veränderten Bedingungen weiter auf die Strecke zu bringen – getreu dem Satz, der mit Frohburg immer wieder verbunden wird: „Eine Stadt macht das Rennen.“
und Doreen Müller-Uhlig