Und nicht nur hier: Drei verlotterte Gebäude in der Bahnhofstraße könnten dank dieser Impulse ebenfalls aufgewertet werden. Hier allerdings ist die Kommune noch nicht Eigentümer.
„Borna hat Potenzial, zählt zum unmittelbaren Umland von Leipzig. Die Anbindung mit S-Bahn und Autobahn, die vielen Seen. Natürlich muss man mit kluger Stadt- und Immobilienpolitik die Dinge befördern“, sagt Prof. Dr. Kerry Brauer. Die Leipzigerin weiß, wovon sie spricht. Seit drei Jahrzehnten lehrt sie an der Dualen Hochschule und erarbeitet gemeinsam mit Kollegen den Marktbericht. Außerdem ist sie Präsidentin des Leipziger Fachkreis Immobilien.Studenten des Hochschul-Moduls Immobilienprojektentwicklung entdeckten Borna in den vergangenen Monaten als Experimentierfeld. Sie sahen sich das Objekt Reichsstraße 17 ebenso an, wie die Häuser Bahnhofstraße 19 bis 23, die die Kommune erwerben könnte, um der Verwahrlosung ein Ende zu setzen.
„Um die unmittelbare Verzahnung von Theorie und Praxis ging es, nicht um spinnerte Ideen, sondern um wirtschaftliche Tragfähigkeit“, so Brauer: um eine Marktanalyse, Nutzungsideen, Baurechtliches, eine Ertrags- und Kostenschätzung. Jetzt liegen die Ergebnisse in Form von Machbarkeitsstudien vor.
„Die jungen Leute haben uns gutes Material in die Hand gegeben“, freut sich Oberbürgermeister Oliver Urban (SPD). Der Kauf der Reichsstraße 17, den der Stadtrat im Frühjahr beschloss, werde jetzt vollzogen. „Zum Tag des offenen Denkmals am 13. September zeigen wir allen Interessenten das Haus, den Garten und den Pavillon darin.“ Das Gartenhäuschen, so baufällig wie reizvoll, könnte künftig für Trauungen und besondere Events genutzt werden, gleichfalls der Garten.
Dieser Vorschlag der Studenten trifft sich mit den Intentionen der Verwaltung. Die gutbürgerlichen Wohnungen im denkmalgeschützten Hauptgebäude haben ein besonderes Flair, das es zu entwickeln lohnt.
Im Erdgeschoss könnte Gastronomie Platz finden, schlägt die eine Studentengruppe vor. Die andere sieht soziale Nutzungen – mit einem Manko, sagt Dr. Brauer: „Die Nachfrage danach besteht zweifelsohne. Aber wenigstens die laufenden Kosten müssten erwirtschaftet werden.“ Den Investitionsaufwand veranschlagen die Immobilienwirtschaftler in spe je nach Konzept auf 1,1 bis zwei Millionen Euro. Das trifft sich mit Prognosen der Stadt, wobei klar ist: Ohne Fördermittel lässt sich wenig machen, abgesehen von demnächst einigen Sicherungsarbeiten.
Dankbar ist Oliver Urban für die studentischen Impulse mit Blick auf die drei Bahnhofstraßen-Häuser, die aktuell das Bild am Zugang zum Stadtzentrum trüben: „Sie können dazu dienen, kommunales Vorkaufsrecht zu begründen.“ Die Gebäude – das „Haus der 1000 Dinge“ ist Älteren noch ein Begriff –, mutmaßliche Spekulationsobjekte, gehören inzwischen dem Land Berlin. Eines ist denkmalgeschützt. Zwei sind es nicht, könnten abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden, die sich mit der historischen Substanz verbinden. Wohnraum könnte entstehen, ein Kochstudio, Platz für Eventvermietung.
„Da lässt sich auf jeden Fall etwas Lohnendes machen“, fasst Dr. Kerry Brauer zusammen. Eine Bestärkung für den Oberbürgermeister, über Optionen eines Kaufs zu verhandeln – und dann dem Stadtrat einen Vorschlag zu unterbreiten. „Städtebaulich wäre das wichtig. Und einen Investor, der dann dort Wohnungen baut, finden wir gewiss.“
Werden die Machbarkeitsstudien der Hochschüler also Realität? Die Dozentin bremst die Erwartungen auf schnellen Erfolg. „Häufig werden Kerne herausgepickt, doch die Umsetzung dauert erfahrungsgemäß einige Jahre.“ Das zeigten Beispiele in Leipzig, in Riesa, in Sömmerda. Und hoffentlich eines Tages in Borna.
und Ekkehard schulreich