Die Option liegt nahe: Die Sozialstation, die das Deutsche Rote Kreuz seit Jahrzehnten schon im benachbarten Frohburg betreibt, könnte diese Leistungen mit erbringen. Und: „Den Mitarbeitenden der Sozialstation Kohren-Sahlis wurden Perspektiven zur Weiterbeschäftigung innerhalb unseres Kreisverbandes angeboten.“
Die Initiatoren der Unterschriftensammlung im Netz überzeugen diese Aussagen nicht. „Für viele dieser Menschen bedeutet Pflege weit mehr als medizinische Versorgung. Über Monate und Jahre sind persönliche Beziehungen entstanden. Vertrauen, Verlässlichkeit und Menschlichkeit lassen sich nicht einfach auf Knopfdruck ersetzen. Genau diese Beziehungen werden nun auseinandergerissen“, formulieren sie ihre Kritik an der Schließung.
„Den Betroffenen wird kurzfristig die Entscheidung überlassen, ob sie künftig von der DRK-Sozialstation Frohburg betreut werden möchten oder sich selbst einen neuen Pflegedienst suchen. Doch gerade im ländlichen Raum ist das leichter gesagt als getan. Viele ambulante Pflegedienste arbeiten bereits an ihrer Kapazitätsgrenze. Kurzfristig einen freien Pflegeplatz zu finden, ist für viele Familien nahezu unmöglich.“
Gleichzeitig würden die Mitarbeiterinnen vor eine ungewisse Zukunft gestellt, denn: „Die angebotenen Alternativen bedeuten nach Aussagen der Betroffenen teilweise erhebliche persönliche und berufliche Nachteile. Ein eingespieltes Team wird auseinandergerissen.“ Die Forderung der Petenten deshalb: die Schließung der Sozialstation Kohren-Sahlis aussetzen und erneut prüfen; die Gründe und Folgen dieser Entscheidung offenlegen; eine wohnortnahe Pflegeversorgung sichern; faire und zumutbare Lösungen für alle Beschäftigten finden.
Man habe die Sozialstation im einstigen Hauptgebäude der Wohnstätte Kohren-Sahlis mit dem Ziel eröffnet, die ambulante Pflege im Kohrener Land auszubauen und zusätzliche Einzugsgebiete wohnortnah zu versorgen, sagt Daniel Schubinski. „Trotz großen Engagements ist es nicht gelungen, die gesteckten Ziele zu erreichen und die Einrichtung kostendeckend zu betreiben.“ Der Vorstandsvorsitzende nennt „insbesondere die gestiegenen Personal- und Sachkosten, etwa die Kraftstoffkosten der Fahrzeuge“, als Ursache, außerdem „sich ändernde gesetzliche Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen“.
Man komme nicht umhin, personelle und organisatorische Ressourcen zu bündeln und Synergien zu nutzen. „Als gemeinnütziger Verein sind wir satzungsgemäß zur wirtschaftlichen Führung der Geschäfte verpflichtet und müssen sorgsam mit den uns zur Verfügung stehenden Mittel umgehen.“
Der DRK-Kreisverband Geithain zählt insgesamt rund 330 Beschäftigte. Er deckt verschiedene soziale Felder ab. In Geithain betreibt er Werkstätten für Menschen mit Einschränkungen, in Kohren-Sahlis eine Wohnstätte und ein Pflegeheim. Ende 2024 wurde in Kohren ein Wohnstätten-Neubau bezogen. Das Geithainer DRK ist in den Rettungsdienst integriert, betreibt einen Fahrdienst, kümmert sich um ambulante und Tagespflege.
Hinzu kommen von Ehrenamtlichen in den vier Ortsvereinen getragene Freiwilligendienste, das Jugend-Rotkreuz, der Katastrophenschutz, die Absicherung von Veranstaltungen. Der Kleidershop in Geithain wurde kürzlich geschlossen.
und Ekkehard Schulreich