Damals musste Melanie schon achtmal am Tag ihre Parkinson-Tabletten einnehmen. Dass die Wirkung mit der Zeit nachlässt, gehört zum typischen Verlauf der Krankheit. Bei Parkinson fehlt es im Gehirn am Botenstoff Dopamin, der für die Weiterleitung von Bewegungsimpulsen gebraucht wird. „Die Medikamente liefern eine Vorstufe von Dopamin, die im Gehirn umgewandelt und von den Nervenzellen gespeichert und kontrolliert abgegeben wird“, erklärt Dr. med. Andreas Becker, Chefarzt der Neurologie im Kurpfalzkrankenhaus Heidelberg: „Das Fortschreiten der Erkrankung bedingt aber, dass diese Speicherkapazität zunehmend zugrunde geht.“ Dadurch komme es nach der Medikamenteneinnahme zu Spitzen mit Überbeweglichkeit und später zu sogenannten Offs mit schlechter Beweglichkeit.
Spätestens, wenn fünf oder mehr Tabletten am Tag eingenommen werden müssen oder die Patienten täglich zwei Stunden im „Off“ oder eine Stunde überbeweglich sind, ist ein Therapiewechsel angezeigt (5-2-1-Regel). Erste Hinweise gibt ein Selbsttest unter www.parkinson-check.de. Eine mögliche Folgetherapie ist dann die tiefe Hirnstimulation, bei der Elektroden in bestimmte Gehirnbereiche implantiert werden und diese anregen. „Alternativ gibt es die Möglichkeit, das Medikament mithilfe von Pumpen kontinuierlich in den Körper zu bringen“, so Becker.
Dafür könne entweder mit einer Operation ein dünner Schlauch in den Dünndarm eingeführt werden oder der Wirkstoff subkutan, also unter die Haut, eingebracht werden, wofür kein operativer Eingriff nötig ist.
Melanie hat sich für eine Pumpentherapie entschieden und war sofort überzeugt. Die Handhabung findet sie unkompliziert, Aktivitäten wie Sauna, Schwimmen, mit dem Hund gehen und ihr ehrenamtliches Engagement für junge Parkinson-Erkrankte funktionieren wieder problemlos.
Ihr Fazit lautet heute: „Ich kann heute nach 13 Jahren sagen, dass es mir mit Parkinson wirklich gut geht.“ djd