Bürgermeister David Zühlke freut sich über das Ergebnis. Für ihn ist die Platzierung kein Zufall, sondern das Resultat jahrelanger Bemühungen. „Es ist das Ergebnis davon, wie stark wir für das schnelle Internet gekämpft haben“, sagt er. Vor allem der Glasfaserausbau habe die Gemeinde verändert. „Im Vergleich zu früher sind das nun Welten.“
Tatsächlich wurde in Elstertrebnitz in den vergangenen Jahren kräftig gebaut. Zwei Jahre lang verlegten Arbeiter Glasfaserkabel durch die Straßen. Ende 2024 ging das neue Netz offiziell in Betrieb. Seitdem können Haushalte und Unternehmen Bandbreiten von bis zu 1000 Megabit pro Sekunde nutzen. Schon damals sprach Zühlke davon, dass gerade ländliche Gemeinden leistungsfähige Netze brauchen, um den Anschluss an das digitale Zeitalter nicht zu verlieren.
Doch wie wird man überhaupt Deutschlands digitalste Gemeinde? Für den Gemeindecheck untersuchte das Institut der deutschen Wirtschaft alle 10.817 Kommunen Deutschlands anhand verschiedener Kriterien der Daseinsvorsorge. Im Bereich Digitalisierung flossen allerdings nur zwei Faktoren ein: die Breitbandversorgung und die Mobilfunkabdeckung. Bewertet wurde, wie viele Haushalte Zugang zu schnellem Internet mit mindestens 100 Mbit pro Sekunde haben und wie viele Mobilfunkanbieter mindestens ein 4G-Netz bereitstellen.
„Elstertrebnitz erreicht bei beiden Werten die Höchstpunktzahl“, erklärt Studienautor Konrad Doliesen. Allerdings relativiert er die Aussagekraft des Spitzenplatzes etwas. Die Gemeinde teile sich Rang eins mit rund 130 weiteren Kommunen. Außerdem seien die Unterschiede zwischen den einzelnen Orten deutlich geringer, als das Ranking vermuten lasse. Der Spitzenplatz sage vor allem etwas über die vorhandene Infrastruktur aus – nicht darüber, wie intensiv die digitalen Möglichkeiten tatsächlich genutzt werden.
Genau deshalb lohnt sich der Blick in die Gemeinde selbst. Dort zeigt sich schnell: Die Statistik hat Recht – zumindest beim Internet. Dass die Wahrnehmung durchaus unterschiedlich ausfallen kann, zeigt das Beispiel von Rico Pleißner. Der Dienstleister für Informations- und Elektrotechnik entschied sich sogar bewusst gegen einen Glasfaseranschluss. Nach einer Hofsanierung wollte er die Flächen nicht erneut aufreißen lassen. Trotzdem profitiert auch er vom Ausbau. Seit der Modernisierung des Ortsnetzverteilers stehen ihm deutlich höhere Geschwindigkeiten zur Verfügung. „Früher waren es 50 Mbit, heute sind es rund 250“, sagt er. Probleme mit dem Mobilfunk kennt er ebenfalls nicht. „Ich habe hier noch kein Funkloch entdeckt.“Wie wichtig leistungsfähige Netze inzwischen geworden sind, zeigt sich besonders in der Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Dort gehören digitale Tafeln, WLAN und digitale Lernangebote längst zum Alltag. Schulleiterin Anja Dörfler erinnert sich noch gut an die Zeit vor dem Glasfaseranschluss. „Die Technik war da, aber sie lief nicht immer zuverlässig“, sagt sie. Seit dem Ausbau habe sich das grundlegend verändert. Gerade jüngere Lehrkräfte arbeiteten heute verstärkt mit digitalen Werkzeugen im Unterricht. „Jetzt läuft es super.“
Am Ende ergibt sich ein Bild, das irgendwo zwischen Statistik und Alltag liegt. Beim schnellen Internet gehört Elstertrebnitz tatsächlich zu den am besten versorgten Gemeinden Deutschlands. Gleichzeitig scheint die Realität differenzierter zu sein. Während Glasfaser nahezu durchweg gelobt wird, sehen einige Einwohner beim Mobilfunk weiterhin Verbesserungsbedarf.
. und Nico Schmook