Hier wird gebaut
Kitzscher stemmt sich gegen den Trend. Die Stadt erschließt 57 weitere Baugrundstücke

Kitzscher. In Kitzscher wird weiteres Bauland erschlossen und eine neue Kita gebaut. Die Kommune ist fest entschlossen, sich dem allgegenwärtigen Bevölkerungsschwund nicht schicksalhaft zu ergeben. „Wir liegen optimal, profitieren vom Bau der A72 und haben Hainer und Bockwitzer See vor der Tür. Die soziale Infrastruktur ist gut aufgestellt. Was also“, fragt Maik Schramm, „soll uns eigentlich davon abhalten, noch mehr Einwohner nach Kitzscher zu locken?“ Schramm lenkt die Geschicke der einstigen Bergarbeiterstadt seit dem Jahr 2008. Er würde es nie laut sagen, aber bei seinem Amtsantritt war wenig Dynamik zu spüren. Kitzscher galt als Ort im Leipziger Südraum, den das Ende der DDR mit am härtesten getroffen hatte. Von einst 10.000 Einwohnern war bald keine Rede mehr.

„Die Einwohnerzahl war im freien Fall“, konstatiert der parteilose Rathauschef nüchtern. Schramms Credo lautete deshalb von Anfang an: „Wir müssen Kitzscher wieder groß denken und auf Zuzug setzen.“ Sein Ziel: wieder auf 6000 Einwohner kommen.

Früher ein Bauerndorf wie viele andere in der Region, erlebte Kitzscher im vorigen Jahrhundert zwei große Erweiterungen. Ende der 1930er-Jahre gierte die kriegswichtige Industrie nach Arbeitskräften. Dies hatte unmittelbare Folgen für die Entwicklung des Dorfes Kitzscher, mit Anfang der 1930er Jahre nur etwa 350 Einwohnern.

Für das Braunkohleveredlungswerk Espenhain und den Tagebau wurden Arbeitskräfte gebraucht. Die Wahl für den Bau einer Bergarbeitersiedlung fiel auf Kitzscher. Die geringe Entfernung zum Werk, die Lage außerhalb der Hauptwindrichtung und fern potenzieller weiterer Kohleabbaufelder begünstigten die Entscheidung.

Ein zweites Mal wurde in Kitzscher zu DDR-Zeiten „angebaut“. Für den Bau des Großkraftwerkes Thierbach und die Erweiterung des Tagebaus Espenhain waren erneut Arbeitskräfte nötig. Die Kommune bekam ein komplett neues Wohngebiet: Kitzscher-Nord mit 1400 Wohneinheiten. Und im Jahr 1974 das Stadtrecht verliehen.

Schramm ist stolz darauf, jetzt so langsam wieder das Ruder herumzureißen, nachdem das DDR-Aus Jobs und Einwohner in Größenordnungen gekostet hat. Kitzscher berappelt sich, hat wieder 5200 Einwohner.

Bereits seit mehreren Jahren wird auf neue Baugebiete gesetzt. Erst vor wenigen Tagen folgte ein denkwürdiger Spatenstich. „Wir haben im ersten Abschnitt des Wohngebietes Leipziger Straße nahezu alle Grundstücke verkauft und machen uns jetzt an Teil zwei“, verkündet der Stadtchef stolz.

Das Landratsamt hatte zunächst nur das halbe Wohngebiet genehmigt. „Jetzt dürfen wir auch den Rest erschließen, weil der erste Abschnitt fast komplett vermarktet ist.“

Besonderheit: Kitzscher erschließt das Bauland selbst. Als die Stadt vor Jahren keinen interessierten Bauträger fand, ging sie selbst unter die Immobilienmakler.

Die bisherigen Ansiedlungserfolge geben Verwaltung und Stadtrat recht. An der Leipziger Straße haben sich bereits zahlreiche junge Familien niedergelassen. „Dass es so gut läuft, hätten wir selbst nicht gedacht.“

Und unmittelbar nach dem Spatensich für weitere 57 Baugrundstücke sind schon wieder zahlreiche Flächen unter der Haube. „Einige Interessenten kamen im ersten Abschnitt nicht zum Zug, die können wir jetzt bedienen.“ Die Vermarktung läuft über das Bauamt. Auf der städtischen Homepage ist derLageplan einsehbar. Potenzielle Häuslebauer sehen: Hier könnte bald mein Traum vom Eigenheim wahr werden. Was Kitzscher bei Bauherren so beliebt macht? Schramm muss nicht lange überlegen: „Bei uns stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis. Die neuen Baugrundstücke sind für Quadratmeterpreise von 165 Euro zu haben. Am Ende darf der Hausbau nicht mehr als 350.000 bis 450.000 Euro kosten. Alles andere ist für junge Familien nicht finanzierbar.“ Weiterer Erfolgsgrund: Kitzscher macht Häuslebauern keine großen Vorschriften. „Ein Haus baut man nur einmal im Leben. Da sollte es doch das Traumhaus sein.“

Durch den Rückzug von Strukturwandelprojekten kann es mit dem Kita-Neubau für 4,5 Millionen Euro sogar schnell gehen.

und Simone Prenzel
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