Hier eine Übersicht zu zehn Mega-Projekten.
Der Bau des letzten Abschnitts der A72 gilt als der komplizierteste und mit Abstand teuerste. Auf den acht Kilometern zwischen Rötha und dem Kreuz Leipzig-Süd der A38 wird die neue Trasse auf früherem Tagebaugelände errichtet – stets unter laufendem Verkehr mit Sperrungen, Umleitungen und beträchtlichen Auswirkungen für Pendler. Ursprünglich sollte dieser Abschnitt 237 Millionen Euro kosten, doch die Bausumme wird wesentlich höher liegen, heißt es. Genaue Angaben dazu gibt es nicht. Als Fertigstellungstermin für die A72 wird von der Autobahn GmbH derzeit August 2027 angegeben.
Das Energieunternehmen Mibrag errichtet – auf 250 Hektar ehemaliger Tagebaufläche – 15 Windräder der neuesten Generation. Das Areal liegt auf dem Territorium der Gemeinde Neukieritzsch sowie der Stadt Groitzsch. Die Kosten sollen rund 100 Millionen Euro betragen. Alle 15 Betontürme ragen inzwischen weithin sichtbar in den Himmel. Dabei ist dies erst der Anfang. Was bislang in der Landschaft steht, ist lediglich das untere Drittel. Alle 15 Anlagen haben einen Hybridturm. Dessen 90 Meter hoher Fuß besteht aus Betonschalen. Auf diese werden in den nächsten Wochen die Stahlsegmente (77 Meter) gesetzt. Insgesamt erreichen die Rotor-Riesen bei aufgestellter Flügelspitze eine Höhe von 250 Metern. Die Mibrag hat den anliegenden Kommunen eine freiwillige Zahlung von 0,2 Cent pro erzeugter Kilowattstunde angeboten.
Das Unternehmen Griesson-de Beukelaer investiert in seinem Werk in Wurzen bis 2027 mehr als 100 Millionen Euro. Es entsteht eine dritte Produktionshalle, dazu ein Logistikbereich mit automatisiertem Hochregallager. Das neue Sozial- und Verwaltungsgebäude rundet das Vorhaben ab. Annähernd 100 neue Arbeitsplätze sollen geschaffen werden – dann werden 360 Menschen an diesem Standort beschäftigt sein.
Es ist eines der größten Brückenbauprojekte in Sachsen: Im Verlauf der A14 wird eine neue Muldequerung zwischen den Anschlussstellen Grimma und Mutzschen errichtet. Das soll 81 Millionen Euro kosten.
Ab diesem Sommer soll der Verkehr über die Behelfsbrücke rollen. Erst dann kann der Abriss der bisherigen Muldebrücke, Baujahr 1970, beginnen. Die Fertigstellung ist für 2028 geplant. Das neue Bauwerk wird 361 Meter lang sein und verläuft wie bisher in etwa 21 Metern Höhe über dem Fluss.Ein großes mitteldeutsches Dokumentationszentrum wird derzeit in Borna gebaut – für rund 18 Millionen Euro. Möglich ist dies durch Gelder für den Kohle-Strukturwandel.
Das L-förmige Gebäude wird drei Nutzer haben: das Archiv des Landkreises Leipzig, das Sächsische Wirtschaftsarchiv und den Förderverein zum Aufbau des Dokumentationszentrums Industriekulturlandschaft Mitteldeutschland (Dokmitt). Geplante Fertigstellung ist im September dieses Jahres.
Die Bauarbeiten an der maroden Agra-Brücke zwischen Leipzig und Markkleeberg haben seit Februar eine entscheidende Phase erreicht: Es wurden 400 Schwerlaststützen unter dem östlichen Brückenteil montiert, um die Tragfähigkeit des Bauwerks langfristig zu sichern.
Hintergrund sind massive Schäden am verbauten Spannstahl – darunter sogenannter Hennigsdorfer Spannstahl, der auch beim Einsturz der Dresdner Carolabrücke eine Rolle spielte. Die Arbeiten kosten rund 2,2 Millionen Euro und sollen die Verkehrssicherheit bis zum Ersatzneubau gewährleisten. Für Autofahrer bedeutet die Sanierung weiterhin erhebliche Einschränkungen. Die Brücke ist nur noch einspurig befahrbar. Es gab mehrere nächtliche Sperrungen.
Parallel laufen Vorbereitungen für den Bau einer neuen Brücke. Die Fertigstellung ist für Ende 2031 vorgesehen, die Kosten sollen bei rund 50 Millionen Euro liegen. Politisch umstritten bleibt die Frage, ob erneut eine Hochstraße gebaut oder stattdessen eine Tunnel- beziehungsweise Troglösung umgesetzt werden soll.
Die erste Gemeinschaftsschule im Landkreis Leipzig wird jetzt in Großpösna gebaut. Sie umfasst die Klassenstufen fünf bis zwölf und vereint Hauptschul-, Realschul- und gymnasiale Bildungswege unter einem Dach.
Geplant sind zwei Lernhäuser, später folgen Mensa, Verwaltungsgebäude und Sporthalle. Der Spatenstich erfolgte vor wenigen Tagen. Insgesamt investiert der Schulträger rund elf Millionen Euro.
Für rund sieben Millionen Euro wird der Wasserturm in Wurzen zu einem neuen Musikschul- und Kulturzentrum umgebaut. Trotz massiver Kostensteigerungen hält die Stadt an der Sanierung des Industriedenkmals fest.
Die Fassade des Turms ist weitgehend saniert und der Turm eingerüstet. Im Inneren läuft der Rohbau für ein neues Tragwerk. Der 32 Meter hohe Turm am Clara-Zetkin-Platz soll Unterrichtsräume sowie einen neuen Tanz- und Konzertsaal für die Musik- und Kunstschule Landkreis Leipzig beherbergen.
Bad Lausick baut sein Gesundheitsprofil seit mehreren Jahren gezielt zum modernen Kneipp-Kurstandort aus. Herzstück der Planungen ist ein neues Kneipp-Kur-Zentrum mit Gradierwerk, das in unmittelbarer Nähe zum Freizeitbad Riff entstehen soll. Die Gesamtkosten sollen 6,3 Millionen Euro betragen. Das Projekt wird vor allem mit der Kohlegeld-Strukturförderung finanziert. Eröffnung soll im Frühjahr 2028 sein.
Der 9000 Quadratmeter große Bahnhofspark in Grimma soll neu gestaltet, 90 Bäume gepflanzt und 20 Bänke aufgestellt werden. Es entstehen neue Freiflächen und Wege.
Die Umgestaltung ist der Start eines großen Infrastrukturprojekts, um den Bahnhof als modernen ÖPNV-Knotenpunkt und zentrales Stadtquartier aufzuwerten. Auch der Busplatz soll ausgebaut werden. Grimma rückt verkehrstechnisch näher an Leipzig heran und wird künftig von batterieelektrischen S-Bahn-Zügen bedient.
und Claudia Carell