Der große, schlanke Mann trägt Arbeitshosen, T-Shirt und hat eine Schiebermütze auf dem Kopf. Wenn er erzählt, spürt man: Er ist richtig gern Bauer. „Ich wollte nie etwas anderes machen.“
Aufgewachsen in Zedtlitz, kümmerte er sich schon als Jugendlicher gern um Schweine und Hühner auf dem Hof seiner Oma. Er lernte den Beruf Landwirt, absolvierte später noch eine Ausbildung als Techniker.
2018 erfüllte er sich einen Traum. Er kaufte den 170 Jahre alten Dreiseitenhof in der Dorfstraße 32 seines Heimatortes – „aber nur, weil ich das Glück habe, dass meine Frau das alles mitmacht“, meint er.
Hanni Frommhold ist ein „echtes Stadtkind“, wie sie sagt. Zu Beginn sei alles neu, anders und aufregend gewesen. Inzwischen ist die 27-Jährige nicht nur auf dem Bauernhof angekommen – sie mag dieses Leben auf dem Dorf. Wiesen, Felder und so viel frische Luft: „Es ist herrlich!“
Aber es sei auch anstrengend, stressig und schwer zu planen: „Es richtet sich viel nach dem Wetter.“ Frommholds sind Bauern im Nebenerwerb. Sie ist Grundschullehrerin, er arbeitet Teilzeit in einem großen Landwirtschaftsbetrieb. Zu Hause warten auf das Paar Tag für Tag acht Mutterkühe plus Kälber, 28 Schweine, Ziegen und Hühner.
Dazu kommen knapp 30 Hektar Land, das sind etwa 42 Fußballfelder. Dort bauen sie Kartoffeln, Weizen, Gerste, Mais, Erbsen, Hafer und Möhren an – mit dem Großteil der Ernte füttern sie ihre Tiere. Sie verkaufen Kartoffeln, Frischfleisch und Wurst – jeden zweiten und vierten Sonnabend im Monat von 16 bis 18 Uhr auf ihrem Hof. Frisches muss vorab bestellt werden.
„Derzeit stecken wir jeden Cent, den wir verdienen, in den Hof“, sagt Hanni Frommhold. Es gibt so viel zu tun: Dach, Fassaden, Hof pflastern, Ställe erweitern. Neu ist eine große offene Halle, in der im Winter die Kühe stehen und alle Maschinen überdacht sind, darunter 50 Jahre alte Traktoren. „Die funktionieren noch einwandfrei“, sagt Fabien Frommhold stolz.
„Ohne Hilfe würden wir das alles nicht schaffen“, meint er. Die Eltern der beiden wohnen in der gleichen Straße, Freunde packen oft mit an. Das Paar kann mit dem kleinen Sohn auch mal in den Urlaub fahren – nicht länger als eine Woche –, der Vater des Landwirts managt den Hof in dieser Zeit.
„Wir wachsen in unserem Tempo“, meinen die beiden. Steigt die Nachfrage, steigern sie die Produktion. Erst neulich haben sie wieder einige Schweine dazugekauft. Zum Haupterwerb reiche es aber noch nicht. Die Produktion ist das eine, der Verkauf eine andere Hürde. Doch es hat schon allerhand gut geklappt.
Zum Beispiel wird oft berichtet, wie schwer es ist, eigene Produkte in Supermärkten zu verkaufen. Beim Zedtlitzer Landwirt lief es günstiger: „Es war unkompliziert.“
Bekannte brachten ihn auf die Idee, bei Edeka wegen Kartoffel-Verkauf anzufragen. Seitdem liefert er während der Saison und so lange die Lagervorräte reichen etwa 100 Kilogramm pro Woche an diesen Supermarkt. „Viele Leute mögen regionale Produkte, das ist gut für uns“, sagt er.
Beim Hoffest einmal im Jahr zeigen er und seine Frau allen Interessenten, wie hier gearbeitet wird. Die Schweine mit dunklen Borsten, eine Mischung aus Sattelschwein und Duroc, leben in offenen Ställen voller Stroh. Die Kühe sind viele Monate im Jahr auf der Weide.
Grünland werde rein ökologisch betrieben, Ackerland konventionell, gedüngt werde mit Gülle aus dem eigenen Stall. „Mit unserem Hoffest möchten wir uns auch bedanken – bei unseren Nachbarn und allen, die uns helfen“, meint Fabien Frommhold. Das nächste Fest ist am 12. September. Ein „geniales Konzept“ seien die Südraum-Schätze. Unter diesem Begriff will das Leader-Förderprogramm eine regionale Marke aufbauen, unter der auch Frommholds ihre Kartoffeln und Wurstkonserven verkaufen möchten. „Interessant finde ich zum Beispiel die Idee, unsere regionalen Produkte an Verkaufsautomaten anzubieten“, sagt er. So gehe es Stück für Stück voran mit seinem Bauernhof. „Das ist großartig.“
und Claudia Carell