„Die ganzen Seen hab’ ich selbst bearbeitet“
Jeden Mittwoch treffen sich ehemalige Tagebaukumpel im Bergbau-Technik-Park. Ein Vormittag zwischen Schweißgerät, Absetzer und Soljanka.

Andreas, Gerd Krah und der Vereinsvorsitzende Gerald Riedel schaufeln am Löschteich.Foto: Kempner
Großpösna. Funken sprühen in einem grellen Schweif auf den Boden, die Schleifmaschine surrt kreischend am Metall entlang. Zwei Männer arbeiten an der Ladefläche eines Multicars – ein DDR-Fahrzeug, das wieder fahrtüchtig gemacht werden soll. Einer hält das Metall mit Handschuhen, der andere führt die Maschine.

Hinter ihnen, in der großen Halle, reihen sich Spannungswandler in Braun, Lila, Gelb und Grün. Leitungen verbinden sie. Daneben steht Uwe Wilke an einem Schaltschrank und reinigt einen Schlauch. „An dem Ding arbeite ich seit zwei, drei Jahren“, sagt er. Der Teil des Umspannwerks habe im Tagebau Espenhain gestanden, als Spannungswandler der dort erzeugten Energie. „Aber es stand drin, wegen der Verschmutzung.“

Petra Schug, die kommissarische Leiterin des Parks, beschreibt diese Halle, in der die Männer die Technik aufarbeiten, als „Heiligtum des Vereins“. Sie machen das wie jeden Mittwoch.

Denn dann ist wieder Werktag im Bergbautechnikpark. Zwischen acht und zehn Männer treffen sich dafür wöchentlich um acht Uhr, einer bringt das Frühstück mit, dann wird gearbeitet, geputzt, gewerkelt.

Die Mitglieder des Bergbau-Technik-Park e. V. arbeiten dafür, dass der Park funktioniert, die Ausstellung weitere Exponate bekommt. Die Männer, die an diesem Mittwoch hier arbeiten, waren früher im Tagebau tätig. Heute sorgen sie gemeinsam mit 45 Vereinsmitgliedern dafür, dass diese Industrie, ihre Geschichte und die Erinnerung daran nicht verloren gehen.

Draußen, einige Meter von der Halle entfernt, zeigt sich, warum das Multicar eines der kleineren Ausstellungsobjekte sein wird. Die 2400 Tonnen Stahl des Absetzers ragen weit über die Köpfe der vier Männer, die hier ihre Schaufeln in den regennassen Boden stoßen. „Bergbau-Technik-Park“ und Schlägel und Eisen sind gelb auf die schwarzen Käppies genäht, die sie tragen.

„Glück auf!“, rufen zwei. Sie befestigen ein Netz, das bis in den Löschteich hinter ihnen reicht – damit man wieder herauskommt, wenn einer reinfällt. „Arbeiten, nicht quatschen!“, ruft Gerald Riedel, erster Vorsitzender des Vereins. Die Mitschaufler lachen. „Wir sind alle bergbauverrückt“, sagt Gerd Krah. „Aber er“ – er deutet auf Riedel – „ist es mit Abstand am meisten.“

Mit 83 Jahren ist Krah das älteste Mitglied. Geboren wurde er in Magdeborn, einem Dorf, das 1978 für die Braunkohle abgebaggert wurde. Heute liegt dort der Störmthaler See.

Krah betreute als Elektriker die Großgeräte im Tagebau. Bis es 1996 hieß: „Lasst ab vom Berg.“ Die Geräte wurden danach für die Rekultivierung genutzt. „Aber was macht man dann damit?“, fragt Krah. Heute stehen Absetzer, Schaufelradbagger, Bandanlagen und Elektrolokomotiven dort, wo sie früher eingesetzt wurden.

Die Braunkohle habe ganz Mitteldeutschland geprägt, sagt Andreas Morenz im Blaumann. Wenn der heute noch aktive Tagebau Vereinigtes Schleenhain in ein paar Jahren zumacht, dann sei es vorbei. „Wenn es keinen Bergbau-Technik-Park gibt, weiß keiner mehr, was hier war.“

Es gehe aber nicht nur um die Technik, sagt Eberhard Fröbel, der, wie viele der anderen auch, Touren als Zeitzeuge gibt. „Wir zeigen, was die Leute hier vollbracht haben, teils unter katastrophalen Bedingungen. Es musste immer produziert werden.“ Die jungen Menschen sollen verstehen, welche Arbeitsleistung hinter der Erholung heute steckt.

Auf das Neuseenland blicken sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie Andreas Morenz sagt. Riedel bringt es später auf den Punkt: „Das weinende Auge gilt dem verlorenen Job.“ Das Lachende der renaturierten Umgebung. Und dazwischen: der Park.

Blicken sie zurück, in die Vergangenheit und die Arbeit im Tagebau, ist es auch das Miteinander, das sie heute noch bewegt. Kegeln, mal ein Bier trinken, zusammenhalten, wenn es drauf ankam. So wie heute im Park, jeden Mittwoch.

Zurück in der Halle begutachtet Riedel das Multicar. Er ist zufrieden – fast. „Eine Note zwei vergebe ich“, sagt er und grinst. Steffen Dech, mit der Schleifmaschine, kann das ab. Er überlegt, wie das so ist für ihn: früher Tagebau, heute Seenland. „Es ist eine schöne Gegend geworden“, sagt er. „Die ganzen Seen hab’ ich selbst bearbeitet.“ Sein Kollege Tilo Lindner überlegt auch. „Früher waren wir mit Lkw da drin, heute sind es die Boote. Ich find’s komisch.“

Riedel sammelt seine Männer ein. Auf dem Weg zum Imbiss erzählt er, wie er regelmäßig ehemalige Kollegen zum Mithelfen im Verein überredet. Denn manche Mitglieder seien irgendwann zu alt, um den Park am Laufen zu halten. Aber bis dahin treffen sie sich jede Woche, schaufeln bei Regen, schweißen in der Halle und belohnen sich dann beim Imbiss. Heute gibt es Soljanka. und Roberta Knoll
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