Polizei zieht in den Neubau
Zwei Bürgerpolizisten bleiben am Bahnhof Geithain – und ein paar Büros für Vernehmungen

Geithain. Borna hat demnächst ein hochmodernes Polizeirevier. Für die Kolleginnen und Kollegen in Geithain kein Grund zum Feiern. Denn nicht nur die Beamtinnen und Beamten, die bisher im alten Reviergebäude in Borna tätig sind, ziehen um. Die meisten Polizisten des Streifendienstes und der Kriminalpolizei, die aktuell in Geithain Dienst tun, wechseln ebenfalls dorthin. Künftig nutzt die Polizei im Haus gegenüber des Geithainer Bahnhofs nur noch wenige Büros, etwa für Vernehmungen.

Dass das von der Polizei genutzte Gebäude in Geithain verschlissen ist, darin sind sich der Nutzer Polizei, der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) als Eigentümer und die Stadt einig. Erklärte Einigkeit bestand vor zwei Jahren auch darin, dass die Polizei in Geithain bleibt. Möglicherweise in einem anderen Gebäude, möglicherweise andernorts in der Stadt am Südrand des Landkreises Leipzig.

„Wir haben damals Gespräche geführt, um zu einer Lösung zu kommen. Ein Vorschlag war: Wir als Stadt kaufen das Gebäude, bringen es in Ordnung – und die Polizei mietet nur so viele Räume an, wie sie tatsächlich benötigt“, sagt Frank Rudolph. Doch das sei offenbar im Sande verlaufen. Sehr ärgerlich für Geithain: „Was jetzt praktiziert wird, ist aus meiner Sicht keine gute Lösung. Zumindest aber hätte ich erwartet, dass man mit uns vorher spricht, ehe Entscheidungen fallen.“

„Der Polizeistandort Geithain wird nicht aufgegeben, sondern auch künftig durch uns genutzt“, sagt Theresa Leverenz von der Pressestelle der Polizeidirektion Leipzig. Zwei Bürgerpolizisten – für Geithain und für Frohburg – behalten hier ihr Domizil. Der Umzug der anderen nach Borna erfolge, „weil das neue Revier über die Kapazitäten verfügt, den gesamten Streifendienst und Kriminaldienst gemeinsam in einem Gebäude unterzubringen. Das ermöglicht deutlich effizientere Abläufe sowie kurze Abstimmungswege.“

Dass sich die Sicherheitslage in Geithain und Narsdorf eintrübe, diese Sorgen seien unbegründet, so die Sprecherin: „Da sich der Streifendienst nicht dauerhaft im Revier aufhält, sondern im Zuständigkeitsbereich unterwegs ist, ist es grundsätzlich unerheblich, von welchem Standort aus der Dienst begonnen wird.“

Bereits jetzt komme es angesichts der Größe des Reviers vor, dass Funkwagen längere Anfahrtswege hätten. „Im Falle dringender Einsätze setzen die Kolleginnen und Kollegen selbstverständlich weiterhin alles daran, den Einsatzort schnellstmöglich zu erreichen.“ Anzeigen müsse man zudem nicht zwingend persönlich im Revier aufgeben.Leverenz verweist auf das Online-Portal der sächsischen Polizei.

Zur Kritik des Oberbürgermeisters positionieren sich Polizei und SIB gemeinsam: „Derzeit besteht keine Notwendigkeit für neue Räume. Der aktuelle Standort ist ausgestattet, verfügt über einen Anschluss für das Polizeinetzwerk und eine Waffenkammer. Die Polizei bleibt arbeitsfähig.“ Nicht ausgeschlossen sei, künftig auch eine andere Liegenschaft in Geithain in Betracht zu ziehen.

Die Geschichte des Polizeireviers Geithain ist wechselvoll. In den DDR-Jahrzehnten war die Wache im Rathaus untergebracht, die Stadtverwaltung stattdessen schräg gegenüber im Goldenen Löwen. Das Haus am Bahnhof, eine 1880 durch einen Unternehmer erbaute Villa, war in der DDR Sitz des Wehrkreiskommandos. Nach der Wende zog die Polizei hier ein. 2009 verlor das Revier seine Eigenständigkeit.

und Ekkehard schulreich
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