„Neuseenlandhaus“ muss warten
Zwei Projekte für das Leipziger Neuseenland stocken.

Zwenkau/Markkleeberg. Das Leipziger Neuseenland hat eine gewaltige Transformation hinter sich. Und es ist noch lange nicht „fertig“, in den nächsten Jahrzehnten werden weitere Seen hinzukommen. Mittlerweile hat sich die Region als Tourismusziel etabliert. Doch darauf ausruhen dürfe man sich nicht, erklärt Sandra Brand. Sie ist die Geschäftsführerin vom Tourismusverband Leipzig Region und seit mehr als zwanzig Jahren als Touristikerin im Neuseenland tätig.

Das „Neuseenlandhaus“ am Markkleeberger See und das „Archäologische Dorf“ am Zwenkauer See nennt sie neben der Schiffseisenbahn zwischen Cospudener und Zwenkauer See als die „drei Leuchttürme“, die die Region für Gäste interessant halten sollen. Ersteres sollte als Besucherzentrum an einem zentralen Ort die Geschichte der Braunkohle von der Industrialisierung bis zur Sanierung erzählen. Im Archäologischen Dorf sollten die Funde ausgestellt werden, die in den Tagebauen ans Licht kamen und derzeit in anderen Städten ausliegen. Diese archäologischen Schätze sollten auch als Bildungsangebot für Schulen dienen.

Doch sowohl das Neuseenlandhaus als auch das Archäologische Dorf kommen nicht voran. Brandt kritisiert das als „schwer nachvollziehbar“ und vermutet, die Städte Markkleeberg und Zwenkau trauten es sich nicht zu. Auf Anfrage erläutert Markkleebergs Oberbürgermeister Karsten Schütze (SPD) den Stand: „Das Projekt liegt aktuell auf Eis.“

Nachdem im Jahr 2019 das Grobkonzept und 2021 das Feinkonzept erarbeitet worden waren, sei 2022 ein Betreiberkonzept erarbeitet worden. In den Papieren würden die Gesamtinvestitionen auf zehn Millionen Euro geschätzt. „Für die Betriebskosten eines solchen Hauses müssen mindestens 350.000 Euro aufgebracht werden“, so Schütze.

Derzeit fehle es an einem möglichen Betreiber und an der Finanzierung der Betriebskosten. „Die Stadt Markkleeberg ist nicht in der Lage, ein Besucherzentrum für die gesamte Region zu betreiben“, erklärt der OBM.

Der letzte Versuch, die Kosten über eine Beherbergungssteuer in der Region abzusichern, sei nicht geglückt. Obwohl mehrere Kommunen sich anfangs beteiligen wollten, nehmen derzeit nur Großpösna und Markkleeberg eine Gästetaxe ein.Neukieritzsch und Kitzscher schafften sie wieder ab.

In Zwenkau steckt das Archäologische Dorf in einer früheren Phase fest. Eine Machbarkeitsstudie untersuchte 2019 das Potenzial. „Ein marktfähiges Konzept für Umsetzung und Betrieb gibt es bisher aber nicht“, sagt Holger Schulz (CDU), Zwenkaus Bürgermeister, zum Stand.

In den vergangenen zwei Jahren sei ein Vorschlag erarbeitet worden, was in dem Freilichtmuseum gezeigt und wie das Areal angelegt werden könnte. „An dem Punkt steht es jetzt: Das ‚Was‘ und das ‚Wo‘ sind definiert, aber nicht das ‚Wer‘ und das ‚Wie‘“, erklärt Schulz. So gebe es keinen Träger oder Investor mit den notwendigen finanziellen und personellen Mitteln, der als Bauherr oder Betreiber infrage käme. „Es ist nicht geplant, dass die Stadt Zwenkau das Archäologische Dorf errichtet oder betreibt.“

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