Viel Wartezeit bei Autoanmeldung
Dass es schneller geht, zeigt Mittelsachsen –sagt ein Unternehmer aus Geithain, derdorthin ausgewichen ist

Geithain/Borna/Grimma. Weil es schnell gehen musste, fuhr Ludger Seggewiß aus Geithain zur Kfz-Zulassungsstelle nicht ins Landratsamt nach Borna. Er fuhr ins nahe Mittelsachsen nach Mittweida, um einen verunfallten Pkw abzumelden. Auf einen Online-Termin in Borna hätte er sechs Wochen warten müssen. In Mittweida wurde das Anliegen sofort in fünf Minuten geklärt.

Eine grundsätzliche Alternative ist das nicht. Abmelden kann man ein Auto überall. Anmelden nicht. Das geht nur dort, wo einer wohnt, wo ein Unternehmen seinen Sitz hat. Aber warum funktioniert in Mittelsachsen, was im Landkreis Leipzig klemmt?

„Diese Termin-Misere ist mit Corona entstanden. Damals war das Prozedere zu verstehen. Doch Corona ist längst Geschichte – nur in Borna offenbar nicht.“ Ludger Seggewiß ist ein Mann klarer Ansagen. 1991 kam der Landtechniker und Maschinenbauer, aufgewachsen im Münsterland, in den Osten. Gründete ganz im Süden des Leipziger Landes in Narsdorf, heute Teil der Stadt Geithain, ein Stahlbauunternehmen. Mit der Kfz-Zulassungsstelle ist er seit der Pandemie über Kreuz. Die Langwierigkeit kostet ihn nicht nur Zeit und Nerven; sie kostet Geld.

„Nicht nur mich, sondern so viele“, sagt Seggewiß. Er will gar nicht über sich reden, sondern über Grundsätzliches. Über den Winter habe er immer Lastwagen seiner Firma vorübergehend abgemeldet, um vielleicht einen Tausender zu sparen. „Seit zwei Jahren mache ich das nicht mehr. Das Risiko ist zu hoch, dass ich den Lkw nicht schnell genug wieder zugelassen kriege. Darauf kann ich mich nicht mehr einlassen.“ Früher habe er dafür maximal 14 Tage kalkuliert; das sei machbar gewesen.

Als der Mann jetzt einen Unfall-Pkw für die Werkstatt-Wochen abmelden wollte („300 Euro Ersparnis bei Steuern und Versicherung!“), versuchte er online im Landratsamt in Borna einen Termin zu buchen. Bis Ende Mai nichts, im ganzen Juni nicht eine einzige Chance – „Juli und August hat man mir noch nicht angezeigt“. Der rettende Gedanke: in den Nachbarkreis fahren. Wer in Mittweida nicht online reserviert, zieht im Wartebereich eine Nummer – und kommt dran. Fünf Minuten habe er gebraucht, sagt Seggewiß.

Ein Test der LVZ bestätigt die Aussage des Geithainers. Die Zulassungsstelle Borna, nachgefragt in der letzten Mai-Woche, bietet am 7. und 8. Juli erste Termine an; in Grimma hätte man am 8. Juli die erste Chance. Ganz anders in Mittelsachsen: Die Behörden in Mittweida, Freiberg, Döbeln brauchen nur zwei Tage Vorlauf.

„Aktuell haben wir an beiden Standorten einen erhöhten Krankenstand. Hinzukommen saisonal bedingt ein erhöhtes Auftragsaufkommen und fehlende Arbeitstage durch die Feiertagswochen im April und Mai“, sagt Belinda Reg`n von der Pressestelle des Landkreises Leipzig. „Es wurden Stellen zur Krankheitsvertretung ausgeschrieben. Die Bewerberauswahl findet aktuell statt.“ Sei der Druck besonders hoch, werde zusätzlich Personal aus anderen Sachgebieten in der Zulassungsstelle eingesetzt.

Allerdings sind lange Wartezeiten in Borna und Grimma kein neues Phänomen. Gerade ein Jahr ist es her, dass Autohändler und Private via LVZ die Situation kritisierten.

Online-Termine veröffentlicht der Landkreis sechs Wochen im Voraus. Zudem würden freitags um 10 Uhr für die folgende Woche und montags um 7.30 Uhr für die neue Woche Termine freigeschaltet, so die Sprecherin. „Durch Kunden stornierte Termine werden auch in Echtzeit wieder zur Verfügung gestellt.“ Leider sei es so, dass einige zwar Termine buchten, sie aber nicht wahrnähmen und nicht absagten. „Erhält ein Bürger keinen Termin, bitte eine kurze E-Mail anzulassung@lk-l.demit Rückrufnummer, dann melden wir uns zurück“, sagt Belinda Reg`n.
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