Landrat Henry Graichen (CDU), zugleich Vorsitzender des Regionalen Begleitausschusses (RBA) fürs Mitteldeutsche Revier, hatte am Mittwoch gute Botschaften zu verkünden. Es gebe jetzt für mehrere Projekte aus der Region wieder Hoffnung, dass zeitnah Geld fließt, erklärte Graichen nach einer internen Sitzung des Gremiums in Wiedemar (Nordsachsen).
Zahlreiche Kommunen hatten schon resigniert und zweifelten, ob sie überhaupt noch zum Zuge kommen. Denn das Budget galt als ausgereizt. Nun wurden zwei größere Vorhaben der Stadt Leipzig und der Gemeinde Thallwitz zurückgezogen. Damit wurden urplötzlich 42 Millionen Euro frei. Die Stadt Leipzig verzichtet auf ihr Projekt „EnergyCity“ für 27 Millionen Euro, Thallwitz auf das Gewerbegebiet „EThrila“ im Umfang von 15 Millionen Euro.
Für fünf Projekte aus dem Landkreis Leipzig sieht es deshalb wieder gut aus. Zwar hatte der RBA für diese Nachrücker-Vorhaben schon vor Jahren grünes Licht gegeben, so Graichen. „Aufgrund der angespannten Budgetlage war eine Bewilligung bislang aber nicht möglich.“ Da nunmehr nicht zu realisierende Projekte aus dem Verfahren genommen wurden, bestehe wieder finanzieller Spielraum, so Graichen.
Folgende fünf Projekte aus dem Landkreis Leipzig profitieren:
Die Stadt Zwenkau kann ihr Gewerbegebiet an der B2 realisieren. Auf 36 Hektar Fläche ist Nettobauland für die Ansiedlung von Unternehmen geplant. Der Ansiedlungsmix ziele „auf produktionsorientierte Unternehmen und eine regionale Wertschöpfungskette“, so die Kommune bei der ersten Projektvorstellung. Das Gewerbegebiet solle „die Transformation der lokalen Wirtschaftsstruktur hin zu grüner und nachhaltiger Produktion unterstützen“.Die Stadt Kitzscher kann für 4,5 Millionen Euro (davon 4,1 Millionen Fördermittel) eineneue Kitamit rund 80 Betreuungsplätzen bauen. Die Kita soll einen Mehrzweckraum erhalten, der generationenübergreifend offensteht. So sollen Dienstleister, wie Musikschule, Physio- und Ergotherapie oder Fahrschule, hier ebenfalls ein Dach über dem Kopf finden.Seit Jahren im Gespräch, kann derRadweg zwischen Böhlen und Zwenkaunun endlich realisiert werden. Die Chemiestadt wird mit dieser Trasse besser ans Leipziger Neuseenland angebunden. Zugleich ermöglicht der Radweg Pendlern aus Zwenkau den Zugang zum S-Bahn-Anschluss in Böhlen. Die neue Verbindung soll auf drei Kilometern Länge entstehen und sowohl dem touristischen als auch dem Alltagsradverkehr dienen.Die Vorzugsvariante verläuft entlang der ehemaligen Bahntrasse. Am Böhlener Bahnhof beginnend führt der Radweg ein Stück die Werkstraße entlang, biegt dann Richtung frühere Deponie ab, nutzt anschließend den Verlauf der ehemaligen Bahntrasse, quert die B2 und kommt schließlich in der Zeschwitzer Straße in Zwenkau und damit an der Südspitze des Zwenkauer Sees an. Gesamtkosten: 1,3 Millionen Euro inklusive zweier Rastplätze. Gefördert werden etwa 1,1 Millionen Euro.Die Stadt Pegau möchte mit Kohlegeldern für Fahrradtouristen noch attraktiver werden. Konkret ist ein Radweg auf drei Kilometern Länge geplant, der vom Ortsteil Thesau zum Werbener See führt. Damit wird auch der bis 2012 selbstständige Ort Kitzen besser an die Kernstadt angebunden. Im Bereich des Werbener Sees sollen 27 Pkw-Stellplätze und zwei Behindertenparkplätze entstehen.Mit 61 Hektar Fläche gehört derWerbener See zu den kleineren Gewässern im Leipziger Neuseenland. Es handelt sich um ein Restloch des früheren Tagebaus Profen-Nord, das inzwischen europäisches Vogelschutzgebiet ist. Die Trasse macht auch den neuenPendler-Parkplatz am Bahnhof Pegau, der ebenfalls mit Kohlegeldern errichtet wird, für einige Ortsteile besser erreichbar.Trotz mehrerer Rückschläge treibt die Stadt Borna die Entwicklung im Industrie- und Gewerbegebiet „Goldener Born“ voran. Die Erschließung der 28-Hektar-Fläche soll rund 4,5 Millionen Euro kosten, davon werden 90 Prozent gefördert. Die Arbeiten umfassen laut Projektvorschlag den Straßenbau auf dem Gelände des früheren Kraftwerks Thierbach, die Anbindung an die S48 als unmittelbarem Zubringer zur A72 sowie die Verlegung einer Bushaltestelle. Laut Graichen werde damit ein vollständiger Abfluss der Mittel aus der ersten Förderperiode im Mitteldeutschen Revier gewährleistet. Im Landkreis Leipzig werde vor allem in wirtschaftsnahe Infrastruktur investiert. „Mit den Industrie- und Gewerbeflächen im grünen Gewerbegebiet Zwenkau und im Goldenen Born in Borna werden erschlossene Flächen für Ansiedlungen entstehen. Diese erhöhen somit die Wettbewerbsfähigkeit des Landkreises Leipzig nach dem Strukturwandel in der Braunkohle.“und simone prenzel