Vergiss es nicht!
Gedanken zum Sonntag

Er steigt mühsam aus dem Bus. Das hält den vollen, schon verspäteten Bus im Verkehr auf. Doch – mit den Schmerzen und dem Rollator – geht es nicht mehr so schnell wie früher. Draußen im Vorbeigehen ruft er dem Busfahrer ein „DANKE!“ zu. Der nickt lächelnd, winkt und fährt schon wieder davon.

Ein Danke durchbricht die Routine, den Alltags-Trott. „Lobe den HERRN (GOTT), meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“ (Psalm 103,2), lese ich auf der Todesanzeige. Einen Moment stockt mir der Atem. Dann lese ich, der junge schwerkranke Mann hat sich diesen Spruch für seine Beerdigung ausgesucht.

Ein starkes Vermächtnis – für die trauenden Angehörigen – und für mich. DANKE! Es bewegt mich. Ich lebe in einem „Sozialstaat“, in einer Gesellschaft, in der jede/ jeder auf „sein gutes Recht“ pocht. Oft verkrampft solche Haltung unser Zusammen-Leben, spüre ich und denke an die letzten Begegnungen mit meiner alten Mutter. Manchmal dankte sie ihre Sorgen „weg“.

Auch so ein Vermächtnis für mich: Ihr DANK – für all das, was gut war und ist und gut tut. Jeden Morgen und Abend – auch an Tagen, die nicht so hell und gar nicht leicht sind – überlegen auch wir: Wofür können wir heute danken? Unser Danken und Beten hat eine Adresse: GOTT – sei Dank!

Und wenn ich selbst nicht danken und beten kann? Dann können mir Gebete und Worte anderer gut tun: „GOTT, zu dir rufe ich in der Frühe des Tages. Hilf mir beten und meine Gedanken sammeln zu dir; ich kann es nicht allein. In mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht; ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht; ich bin kleinmütig, aber bei dir ist die Hilfe; ich bin unruhig, aber bei dir ist der Friede; in mir ist die Bitterkeit, aber bei dir ist die Geduld; ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den Weg für mich. Vater im Himmel, Lob und Dank sei Dir für die Ruhe der Nacht. Lob und Dank sei Dir für den neuen Tag ... für alle deine Güte und Treue ... HERR, was dieser Tag auch bringt, dein Name sei gelobt. Amen“ (Morgengebet, Dietrich Bonhoeffer aus dem Gefängnis).

Dankbar für so viele ermutigende Worte und Begegnungen – es grüßt sie

und Ihre Pfarrerinund Angelika Biskupski
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