Mitten im Trubel steht Lehrerin Beatrix Majer und beobachtet, wie die Schüler Bestellungen aufnehmen, Geld zählen und den nächsten Obstsalat vorbereiten. Die junge Schülerfirma an der Grimmaer Schule – einem Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Lernen – begleitet sie seit der Gründung im vergangenen Schuljahr. Vieles organisieren die Jugendlichen inzwischen selbst, doch gerade am Anfang sei der Aufwand größer gewesen als gedacht, erzählt Majer.
Konto einrichten, Satzung erstellen, Hygieneregeln beachten, Absprachen mit dem Förderverein treffen – hinter dem Verkaufsstand steckt deutlich mehr Organisation, als man auf den ersten Blick vermutet. „Die Schüler lernen hier enorm viel“, sagt die junge Lehrerin. „Es geht um den Umgang mit Geld, um Wechselgeld und darum, wie ein Unternehmen funktioniert.“
Dass hinter solchen Projekten deutlich mehr steckt als ein einfacher Pausenverkauf, bestätigt auch Sophie Kolb von der Servicestelle Schülerfirmen Sachsen. Die Einrichtung berät Schulen im Auftrag des Kultusministeriums bei Gründung und Organisation von Schülerfirmen. „Eine Schülerfirma ist immer noch ein Schulprojekt“, erklärt Kolb. Gleichzeitig orientierten sich die Jugendlichen aber an echten wirtschaftlichen Abläufen – mit Geschäftsführung, verschiedenen Abteilungen, Satzung und festen Regeln.
Nach Angaben der Servicestelle gibt es in Sachsen derzeit rund 150 Schülerfirmen. Im Landkreis Leipzig zählt deren Datenbank neun Schülerfirmen mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten.
Besonders häufig vertreten sind Angebote zur Pausenversorgung. So betreibt die Werner-Seelenbinder-Schule in Bad Lausick eine eigene Schülerfirma für den Verkauf von Snacks und Getränken. Ähnliche Konzepte gibt es an der Paul-Guenther-Oberschule Geithain mit der Schülerfirma „pauli@work“ sowie an der Oberschule „Maxim Gorki“ in Frohburg mit „Maxim’s Bistro“. An der Oberschule „Frederic Joliot Curie“ in Pegau existiert zudem die Schülerfirma „King of the food company“.
Neben diesen gastronomischen Angeboten gibt es im Landkreis aber auch technisch orientierte Projekte: Am Internationalen Wirtschaftsgymnasium Geithain arbeitet die Schülerfirma „LearnTryUse“ im Bereich Computer und Technik. Damit zeigt sich auch regional die Entwicklung, die die Servicestelle Schülerfirmen Sachsen beobachtet: Neben klassischen Pausenkiosken entstehen zunehmend spezialisierte Schülerunternehmen mit eigenen Schwerpunkten.
Entscheidend für den Erfolg sei weniger die Geschäftsidee als das Team dahinter, sagt Kolb. „Die Jugendlichen sollen möglichst eigeninitiativ handeln.“ Gerade dabei lernten viele zum ersten Mal, Verantwortung zu übernehmen, Aufgaben zu verteilen und gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Bevor in Grimma die ersten Capri-Sun und Obstbecher verkauft werden konnten, musste allerdings zunächst die Grundlage geschaffen werden. Unterstützung bekam die Schule dabei von der Servicestelle Schülerfirmen Sachsen. „Wir haben dort viele Vorlagen und Hilfen für die Gründung bekommen“, sagt Majer. Die Schülerfirma läuft heute als Schüler-GmbH unter dem Dach des Fördervereins der Schule.
Gemeinsam mit den Schülern entwickelte die Lehrerin zunächst die Geschäftsidee: In einer Umfrage unter Schülern und Lehrkräften zeigte sich schnell, dass vor allem ein Pausenkiosk und Pflanzenverkauf gewünscht wurden. Zunächst begann das Projekt improvisiert mit einem einzelnen Tisch auf dem Schulhof, inzwischen verfügt die Schülerfirma über einen eigenen Verkaufswagen und feste Verkaufstage.
Damit reiht sich die Grimmaer Schülerfirma in eine wachsende Zahl ähnlicher Projekte in Sachsen ein. Besonders verbreitet seien dabei Pausenkioske, erklärt Kolb. Gerade solche niedrigschwelligen Angebote ließen sich gut in den Schulalltag integrieren. Auffällig sei zugleich, dass viele Schülerfirmen inzwischen verstärkt auf Nachhaltigkeit setzen – etwa mit Pflanzenverkauf, Repair-Cafés oder selbst hergestellten Produkten.
Auch in Grimma soll die Schülerfirma weiter wachsen. Neben dem Pausenkiosk und dem Pflanzenverkauf denkt die Schule bereits über eine dritte Abteilung nach. Geplant sind kleine handwerkliche Produkte aus dem Werk-, Kunst- oder Hauswirtschaftsunterricht, die später etwa auf Weihnachtsmärkten verkauft werden könnten. „Wir wollen schauen, was für die Schüler realistisch umsetzbar ist“, sagt Majer. Gerade an einer Förderschule brauche vieles mehr Begleitung und Zeit als an anderen Schulformen. Trotzdem lohne sich der Aufwand. „Es macht den Schülern einfach Spaß, wenn sie merken, dass das funktioniert.“
„Uneingeschränkt empfehlen würde ich es nicht“, sagt Majer über die Gründung einer Schülerfirma. Der organisatorische Aufwand sei groß – gerade an einer Förderschule. „Man muss schon vieles im Blick behalten“, erklärt die Lehrerin. Viele Abläufe könnten die Schüler noch nicht vollständig allein organisieren, etwa beim Verkauf oder beim Umgang mit Geld. Trotzdem überwiegen für sie die positiven Erfahrungen. „Es zeigt, wie wichtig es ist, dass die Schüler genau das lernen“, sagt Majer.
und Robert Martin