Woher kommt Hoffnung,wenn das Leben nicht heil wird?
Gedanken zum Sonntag

Manchmal wird das Leben nicht heil. Eine Diagnose bleibt. Ein Mensch fehlt. Eine Beziehung zerbricht. Sorgen lassen sich nicht einfach wegdenken. Gerade dann klingt ein Satz des Propheten Jeremia ehrlich: „Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“ (Jer 17,14)

Jeremia sagt das nicht aus einer bequemen Situation heraus. Er wird verspottet, angegriffen, seine Botschaft wird infrage gestellt. Er bittet Gott nicht um ein problemloses Leben. Ich kann mich nicht selbst aus allem herausziehen. Ich brauche Hilfe, die größer ist als meine eigenen Möglichkeiten.

Das kennen Menschen, die mit Gott wenig anfangen können. Manchmal merken wir: Nicht alles liegt in unserer Hand. Hoffnung muss trotzdem nicht bedeuten, sich die Wirklichkeit schönzureden. Hoffnung kann heißen, der Verletzung nicht das letzte Wort zu überlassen. Einen Menschen anzurufen. Hilfe anzunehmen. Noch einmal aufzustehen. Oder den nächsten Tag zu wagen.

Christlicher Glaube vertraut darauf, dass wir in solcher Hoffnung nicht allein unterwegs sind. Er wagt es, sie an Gott festzumachen. Nicht mit der Garantie, dass jede Krankheit verschwindet, jede Beziehung wiederhergestellt wird und jede Wunde sich schließt. Auch unbeantwortete Gebete, bleibende Krankheit und Verlust gehören zu unserer Erfahrung. Die Bibel verschweigt das nicht. Und Jesus verspricht seinen Freunden kein leidfreies Leben. Er geht selbst in Leid und Tod hinein und hält daran fest, dass Gottes Liebe stärker ist. Jeremias Gebet ist deshalb keine Erfolgsformel. Es ist ein Satz gegen die Resignation: Ich muss mich nicht selbst retten. Ich darf hoffen, auch wenn nicht alles gut ist. Manchmal beginnt Hoffnung klein: indem ich meine Verletzlichkeit nicht verstecke, Hilfe annehme und offenbleibe für einen neuen Schritt.

Woher kommt Hoffnung, wenn das Leben nicht heil wird? Für Christen beginnt die Antwort bei Jesus: Gott bleibt dem Menschen auch im Leid nahe. Nicht jede Wunde schließt sich. Aber keine Wunde muss das letzte Wort über unser Leben bekommen..und Jörg BachmannPfarrer i.R.Kriebitzsch
Druckansicht