Wenn der Kunst- und Bauernmarkt 10 Uhr öffnet, hat Familie Wolfram bereits fast eine ganze Woche mit Vorbereitungen hinter sich. Sämtliche Familienmitglieder von Martina Wolfram sind eingespannt, um am Markttag die alte Dorfschmiede wieder mit Leben zu füllen. Während ihr Bruder Stefan Vogel den Schmiedehammer schwingt, kredenzt die Familie hausgemachte Spezialitäten.
Das kulinarische Angebot in der einstigen Hufschmiede reicht von Speckfettbemme und Sülze über selbst gebackenen Kuchen bis zur Fischsuppe. Martina Wolframs Ehemann Jörg ist Herr über die familieneigene Gulaschkanone. Schon Anfang der Woche kocht er in seiner Feldküche 17 Kilogramm Schwein für die Sülze. Die Zubereitung des DDR-Klassikers erfolgt in Familienaktion. Mit 110 Portionen ist die hausgemachte Sülze der absolute Renner in der Schmiede. Kurz vorm Bauernmarkt köcheln dann rund 60 Liter Fischsuppe in der Gulaschkanone. Neben drei bis vier Sorten Fisch gehören auch Muscheln hinein. 100 Portionen gehen unter die Leute. „Die Fischsuppe wird immer alle. Da bringen viele Leute extra Gefäße mit“, erzählt Martina Wolfram.
Ihr Metier ist vor allem der Kuchen. Rund 20 Bleche werden im Hause Wolfram und von Schwägerin Ines Vogel gebacken. Zu den rund zehn Sorten gehören Sirup- und Schokoladenkuchen sowie Mohn, Quark und Pflaume. Auch Martinas Mutter Brunhilde ist unentbehrlich für das Gelingen des Markttages.
Die 88-Jährige ist zuständig für das Speckfett. Allein sechs Kilogramm Speck wandern dafür in die Tiegel. Warum beteiligt sich Martina Wolfram mit ihrer Familie und der ihres Bruders alle Jahre mit einem Großeinsatz am Göpfersdorfer Markt? „Der Kunst- und Bauernmarkt ist eine Dorfsache. Der gehört dazu. Und was eingenommen wird, kommt dem Dorf zugute“, sagt die 54-jährige Gemeindepädagogin.
Mit Einnahmen aus dem Markt wurde bereits die Friedhofsmauer saniert. Geld floss auch in Spielplatz, Bushaltestelle und Bänke. Familie Wolfram beteiligt sich fast von Anfang an am Bauernmarkt. Am 17. Oktober helfen die drei erwachsenen Töchter in der alten Schmiede mit. Wenn ab 14 Uhr die Vesperzeit beginnt, sind Kuchenteller zu bestücken und sechs Kaffeemaschinen am Laufen zu halten.
Wo einst Pferde in der Göpfersdorfer Schmiede beschlagen wurden, können sich Besucher kulinarisch verwöhnen lassen. Wer nebenan Stefan Vogel am Schmiedeamboss über die Schulter schauen möchte, erhält die Gelegenheit dazu 11, 13 und 15 Uhr. „Kinder dürfen dann auch mal draufhauen“, sagt Martina Wolfram. Wer will, kann seine mitgebrachten Meißel im Schmiedefeuer schärfen lassen.
Wie alt die Göpfersdorfer Schmiede ist, weiß niemand zu sagen. Das Gebäude war bereits eine Hufschmiede, als Martina Wolframs Ur-Urgroßvater das Haus 1875 kaufte. „Ich kenne das noch, als mein Großvater hier geschmiedet hat“, blickt sie zurück. Wenn Bruder Stefan zum Bauernmarkt das Schmiedefeuer entfacht, wird der vertraute Geruch der Kindheit zu riechen sein.
Zum 24. Zum Kunst– und Bauernmarkt werden rund 100 Direktvermarkter, Händler, Handwerker und Künstler aus ganz Mitteldeutschland in Göpfersdorf erwartet. Die Stände säumen nicht nur die Dorfstraße. Sie finden sich auch in den anliegenden Höfen. Neu in diesem Jahr ist der Standort der Textil- und Schmuckanbieter. Sie sind nicht mehr im Kuhstall des Kunsthandwerkerhofes zu finden, sondern im einstigen Leitermann-Baumarkt im Zentrum des Dorfes. Hier bietet sich auch die Gelegenheit, nach Geschenken zu stöbern. Etwa in der Kollektion selbst genähter Kleidung und eigens kreierter Tücher von Annett Lemm aus Burgstädt. Oder beim Keramikschmuck von Martina Landgraf aus Limbach-Oberfrohna.
Wer jetzt schon an Weihnachten denkt, wird in der Baumarkthalle bei Elisabeth Rohmann aus Regis-Breitingen fündig. Sie bietet handbemalte Weihnachtsbaumkugeln an. Kinderbuchautorin Ligitta Nickel aus Hohenstein-Ernstthal bringt ihr Lese-Mal-Buch „Zottellotte“ mit und bastelt mit Kindern.
Was das kulinarische Angebot betrifft, können die Gäste aus einer großen Bandbreite wählen. Sie reicht von Pizzabrot aus der Feldbäckerei, Baumstriezel und Räucherfisch über Mutzbraten, Pilzpfanne und Lángos bis zu Pferdewurst. Zum zweiten Mal dabei ist Mona Kraus mit gefüllten Kloßteigrollen. Die Schwarzenbergerin bietet klassisches Mittagessen wie Klöße, Gulasch und Rotkohl in ungewöhnlicher Form an – als kompakte Variante gleich im Kloßteig. Ihr Angebot reicht von Spinat mit Hirtenkäse bis zum Klassiker Ente mit Rotkohl. und Dana WeberDer Kunst- und Bauernmarkt Göpfersdorf findetam 17. Oktober, 10 bis 18 Uhr, statt. Der Eintritt kostet drei Euro. An den Ortseingängen bestehen ausreichend Parkmöglichkeiten.