Ein wichtiges Feld ist die Visualisierung von Entwürfen oder Ansichten. „Das funktioniert deshalb so gut, weil es viele Trainingsdaten gibt“, sagt Jörg Blankenbach, Geodät mit Schwerpunkt Bauinformatik und Geoinformationssysteme an der RWTH Aachen. Schwieriger sei das bei komplexen ingenieurtechnischen Fragestellungen. „Diese Infos sind nicht frei im Internet verfügbar, weshalb wir uns beim KI-Einsatz für konstruktive Fragestellungen und die eigentliche Tragwerksplanung in einer frühen Entwicklungsphase befinden.“
Nicht nur Profis, auch Bauherren können die KI für sich nutzen. Zunächst einmal etwa, um Informationen zu hinterlegen. Schließlich spielen beim Hausbau viele Dokumente und Daten eine entscheidende Rolle – vom Bebauungsplan, über Grundstücksdaten bis zu gestalterischen Ideen. „All diese Informationen kann ich in der KI hinterlegen und spare mir das ständige Suchen und Nachschlagen“, sagt Reinwald. Er gibt dabei aber auch zu bedenken, dass kostenlose KI-Versionen hierfür oft nicht ausreichen. Noch eine Option für Bauherren: KI nutzen, um sich die eigenen Ideen konkret vor Augen zu führen. Soll es ein Stockwerk mehr sein oder lieber roter statt grauer Putz? Ein Foto, ein Prompt und schon spuckt die KI das neue Zuhause verschiedenen Varianten aus. In Sekundenschnelle die Dachform, die Farbe oder die Ausstattung ändern – digital ist das kein Problem und hilft vor allem Laien dabei, Ideen und Planungen zu visualisieren. Und man kann sich auch Fachbegriffe von der KI erklären lassen. Denn wer baut, merkt schnell: Jedes Gewerk hat seine eigenen Vokabeln. Da können einem schnell die Ohren klingeln. Die KI erklärt Fachbegriffe oder Vorgehensweisen und kann so zum Verständnis beitragen. Das ist praktisch, um einen ersten Überblick zu bekommen.
Bei der Kostenplanung kann KI ebenfalls unterstützen. So lassen sich Kostenkalkulationen für unterschiedliche Szenarien schnell anpassen und Optionen miteinander vergleichen.
Ohnehin gilt: Ob, es ums Visualisieren, Berechnen oder Vergleichen geht – KI kann auf vielen Ebenen unterstützen. Eines können die Systeme in keinem Fall: Emotionen einbringen. „Bauen ist immer auch ein Stück Emotion. Überall dort, wo besondere Architektur gefragt ist, werden Architekten und Ingenieure weiterhin unverzichtbar bleiben“, sagt Reinwald. DPA