Manche Sorgen melden sich nicht erst nachts. Sie sitzen morgens schon mit am Frühstückstisch. Wie geht es politisch weiter? Reicht das Geld? Bleibt mein Arbeitsplatz? Was wird aus den Kindern und Enkeln?
Vor einer Woche wurde in Sachsen-Anhalt gewählt. Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich, und auch bei uns ist zu spüren, wie rau das politische Klima geworden ist. Die einen hoffen, andere sind enttäuscht oder verunsichert. Bei Kelvion in Wilchwitz haben die Beschäftigten nach wochenlangem Streik einen Sozialtarifvertrag erreicht. Das ist ein Erfolg. Doch für viele bleibt die Frage: Was kommt danach? Wer findet mit Mitte fünfzig noch einmal eine gute Arbeit? Auch Landwirte schauen mit Sorge auf ihre Felder, wenn Wetterextreme und ein verändertes Klima Ernten unsicherer machen.
Sorgen gehören zum Leben. Die Bibel redet sie nicht klein. Im ersten Petrusbrief heißt es: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ Das klingt zunächst fast zu einfach. Doch Petrus schreibt an Menschen, deren Zukunft alles andere als sicher war. Sein Satz bedeutet nicht: Augen zu, beten und nichts mehr tun. Direkt danach fordert er dazu auf, nüchtern und wachsam zu bleiben.
Das ist ein erstaunlich realistischer Glaube: Tu, was du tun kannst. Geh wählen. Suche Beratung. Kämpfe um deinen Arbeitsplatz. Hilf anderen. Plane neu. Und dort, wo dein Einfluss endet, musst du nicht so tun, als hättest du alles unter Kontrolle.
„Werft eure Sorge auf ihn“ heißt: Ich darf abgeben, was mich innerlich auffrisst. Ich darf Gott zutrauen, dass mein Leben auch dort nicht ins Bodenlose fällt, wo ich den nächsten Schritt noch nicht sehe.
Für Christen bekommt dieses Vertrauen ein Gesicht: Jesus Christus. Er hat Angst, Leiden und Ohnmacht selbst durchlebt und sich Gott anvertraut. In Kreuz und Auferstehung Jesu liegt die christliche Hoffnung: Das Dunkle behält nicht das letzte Wort, und kein Mensch fällt aus Gottes Hand.
und Jörg BachmannPfarrer i.R.Kriebitzsch