Was geht uns das an?
Gedanken zum Sonntag

„Das geht mich nichts an.“ Dieser Satz ist schnell gesagt. Wenn etwas außerhalb unseres Ortes geschieht, wenn andere entscheiden oder wir ohnehin nichts ändern können, ziehen wir eine klare Grenze. Doch unser Alltag hält sich selten daran. Wir arbeiten jenseits von Kreis- und Landesgrenzen, besuchen dort Freunde und Verwandte, gehen einkaufen oder zum Arzt. Was in der Nachbarschaft geschieht, bleibt uns nicht fern.

Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Wer im Altenburger Land wohnt, bekommt dafür keinen Wahlzettel. Trotzdem betrifft uns, welches gesellschaftliche Klima in unserer Nachbarregion entsteht und wie dort über Menschen gesprochen wird. Ein Satz Jesu schärft dafür den Blick: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Er steht im Gleichnis vom Weltgericht im 25. Kapitel des Matthäusevangeliums. Jesus spricht von Hungrigen, Fremden, Kranken und Gefangenen – von Menschen also, die leicht übersehen werden. Er fragt nicht zuerst nach großen Worten, sondern nach dem Umgang mit denen, die wenig Einfluss besitzen.

Dieser Satz liefert keine Wahlempfehlung. Christen können bei Steuern, Wirtschaft, Migration oder staatlichen Hilfen zu unterschiedlichen Urteilen kommen. Aber der Vers setzt einen Maßstab: Politik darf Menschen nicht nur danach beurteilen, was sie leisten, kosten oder einer Mehrheit nützen. Entscheidend ist auch, ob Kinder, Pflegebedürftige, Menschen mit Behinderung, Arbeitslose, Zugewanderte und Bewohner abgehängter Regionen ihre Würde und ihre Stimme behalten. Auch wir als Menschen aus der Nachbarregion tragen Verantwortung. Wir sollten den Menschen in Sachsen-Anhalt nicht erklären, was sie anzukreuzen haben. Wir können zuhören, statt sie vorschnell einzuordnen. Wir können widersprechen, wenn ganze Gruppen verächtlich gemacht werden. Und wir können prüfen, welche Sprache wir selbst verbreiten.

Jesus betrachtet die Schwächsten nicht aus sicherer Entfernung. Er stellt sich an ihre Seite und sagt: In ihnen begegnet ihr mir. Denn Christus selbst wurde abgelehnt, ausgegrenzt und gekreuzigt.

Wer ihm folgen will, kann deshalb am schwächsten nicht achtlos vorübergehen.

und Jörg BachmannPfarrer i.R.Kriebitzsch
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