Werksschließungen gehören derzeit auch im Altenburger Land zur Realität. Arbeitsplätze verschwinden, Zukunftspläne geraten ins Wanken, Menschen fragen sich, wie es weitergeht. Besonders bitter wird es dort, wo ein solcher Abbau nicht sozialverträglich geschieht und Beschäftigte erleben: Nach Jahren ihrer Arbeit zählen sie plötzlich kaum noch. Entscheidungen werden über ihre Köpfe hinweg getroffen, Gespräche fehlen, der Ton wird kalt. Was wirtschaftlich begründet wird, kann menschlich arrogant wirken. Denn hinter jedem Arbeitsplatz stehen Menschen, Familien, Verpflichtungen und oft viele Jahre persönlicher Einsatz für einen Betrieb.
Dazu passt ein Satz aus der Bibel erstaunlich direkt: „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ So heißt es in 1. Petrus 5,5. Hochmut zeigt sich nicht nur darin, dass jemand laut mit sich selbst prahlt. Er beginnt dort, wo Menschen meinen, sie könnten über andere verfügen, ohne sie ernst zu nehmen. Wo Macht bedeutet: Ich entscheide, du hast dich zu fügen. Wo Zahlen wichtiger werden als Gesichter und Lebensgeschichten.
Demut dagegen heißt nicht, sich kleinzumachen. Demut bedeutet, die eigene Macht verantwortlich zu gebrauchen. Zuhören. Andere respektieren. Entscheidungen erklären. Fehler eingestehen. Und den Menschen nicht aus dem Blick verlieren, der die Folgen tragen muss.
Das gilt nicht nur für Unternehmensleitungen. Auch im Alltag stehen wir immer wieder vor der Frage: Wie gehe ich mit Menschen um, wenn ich am längeren Hebel sitze? Mit Kollegen, in der Familie, im Verein oder gegenüber jemandem, der von meiner Entscheidung abhängig ist?
Der christliche Glaube schaut dabei auf Jesus Christus. Er hätte Macht demonstrieren können. Stattdessen stellte er sich an die Seite der Schwachen, hörte Menschen zu und wusch seinen Jüngern die Füße.
So sieht Gottes Größe aus: Sie erniedrigt andere nicht. Sie dient.
Und seine Gnade sagt uns: Der Wert eines Menschen hängt niemals davon ab, wie nützlich, erfolgreich oder wirtschaftlich interessant er gerade ist
. und Jörg BachmannPfarrer i.R.Kriebitzsch