„Wir reparieren das!“
Hubert Wolf, Präsident des ZFC Meuselwitz schaut nach dem Abstieg in die Oberliga zuversichtlich nach vorn

ZFC-Präsident Hubert Wolf hatte in den vergangenen Wochen nach dem Abstieg eine ganze Menge zu organisieren.Foto: Lars Preußer
Meuselwitz. Sechs Aufstiege bis in die Regionalliga, 17 Spielzeiten in der vierthöchsten deutschen Liga, dreimal Gewinner des Landespokals in Thüringen – das sind Erfolge, die in der Vereinschronik des ZFC Meuselwitz Abbild finden.

Damit ist die Liste der Dinge, auf die man mit Stolz blicken kann, nicht komplett. Das weiß Hubert Wolf (57) am besten, schließlich verantwortet er seit 28. Februar 1993 als Vorsitzender all das, was den Zipsendorfer FC Meuselwitz e.V. ausmacht.

Und dann das: Der ZFC steigt ab, Oberliga statt Regionalliga, Wolf gesteht: „Ja, es war für uns eine Enttäuschung. Es war nämlich auch völlig unnötig. Wir hatten zehn Spieltage vor Ende der Saison elf Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze. Danach haben wir einige Spiele zu offensiv bestritten, es gab Verletzte, die länger ausfielen.“

Die Meuselwitzer sammelten aus den letzten sechs Spielen einen Punkt ein, statt Platz 13 gab es zum Abschluss Rang 16. Abstieg ist dann manchmal auch die Schuld der anderen: Weil Drittligist Aue aus der 3. Liga abstieg, weil Lok Leipzig zum dritten Mal die Aufstiegsspiele in den Profi-Fußball nicht siegreich beenden konnte, rauschte aus der Regionalliga auch der Drittletzte runter in die Oberliga.

Eine Bruchlandung blieb für Meuselwitz aus. Wolf hat das so geregelt. Der Macher, der flache Hierarchien führt und lebt, erklärt: „Wir machen das hier gemeinsam. Wir brauchen keine riesige Pyramide, um unseren Stil von Führung zu beschreiben. Bei uns passiert sehr viel miteinander, für das jeder mit seinen Fähigkeiten entscheidend zum Gesamtergebnis beiträgt.“

Das ist für den unternehmerischen wie auch für den sportlichen Bereich gültig. Wolf: „Meine Frau Brit ist der Profi, was die Zahlen betrifft. Das Metier beherrscht sie aus dem FF. Sie ist auch Schatzmeister des Vereins. Vizepräsident Holm Pinder verantwortet den Sport. Sven Buchheim, Vorstand Vertrieb, ist ebenso Mitglied im Präsidium des ZFC.“

Als Gesamtergebnis der 1. Mannschaft stand der Abstieg. Cheftrainer Georg Martin Leopold darf trotzdem bleiben. Wolf hält viel von ihm: „Die Schulbuben-Fehler haben die Spieler und nicht er gemacht. Und er ist nicht nur Fußballlehrer, er hat auch einen BWL-Abschluss. Er beherrscht auch den Umgang mit Zahlen, er ist intensiv involviert, wenn wir zum Beispiel finanzielle Planungen erarbeiten.“

Wolf, ist mit seinem Unternehmen bluechip Computer AG einer von fünf Hauptsponsoren des ZFC, es gibt zudem u.a. zwei Trikotsponsoren zwei Ausrüster-Partner sowie mehrere Co-Sponsoren. Wolf erklärt: „Wir haben keine Sponsoren verloren, die ihr Engagement wegen des Abstiegs reduziert oder eingestellt haben. Wir hatten recht zügig die Zusagen, dass fast alle bei uns bleiben.“ Die Rechnung pro Fußball bleibt für Wolf praktizierte Mathematik. Er sagt: „Zwei Drittel unserer Einnahmen investieren wir in den Profi-Bereich, jeweils ein Sechstel des Saisonetats in Erhalt, Pflege und Entwicklung unserer Sportanlagen sowie in den Nachwuchs und weitere Abteilungen des Vereins. Die konkreten Zahlen für die neue Saison werden im Moment geplant, es könnte aber auch für die Oberliga eine siebenstellige Summe für den Gesamtverein zur Verfügung stehen.

Wolf weiß: „Was wir am Ende als Etat auch zur Verfügung haben werden, wir werden damit in der Oberliga Süd bestimmt finanziell ganz vorn stehen.“ Daraus leitet der Präsident einen Anspruch ab: „Da können wir keinem glaubwürdig erklären, wir wollen einstellig einkommen. Wir wollen aufsteigen! Ob man uns nun Aufstiegsaspirant, Aufstiegsanwärter oder Aufstiegskandidat nennt, das ist mir egal.“ Wolf ist Macher, ist Planer, ist Fußballfan sowieso. Wenn er vom Fußball mit dessen Inhalten wie Strategie und Taktik spricht, merkt man, dass er sich auch auf diesem Spielfeld sicher bewegt. Wolf klärt es auf: „Ich sehe Spiele und Spieler, ich vergleiche, ich spreche sehr oft mit unseren Trainern. So läuft in den vielen Jahren eben ein großer Erfahrungsschatz zusammen.“

Der lässt Wolf auch zur Mannschaft klare Worte finden, wenn er urteilt: „Für die Säuberung der Mannschaft war der Abstieg ein Segen. 16 Spieler haben uns verlassen, ein sehr großer Kader-Umbau war notwendig. Jetzt haben wir die Spieler, die wieder eine Meile extra laufen, die extra trainieren wollen.“

„Jetzt reparieren wir das in Oberliga“ – dieser Satz steht seit ein paar Wochen über all den Aktivitäten, die den ZFC zurück in die Regionalliga bringen sollen. Die Mannschaft trainiert auch am Vormittag, was Profi-Bedingungen entspricht. Wolf: „Wir wollten einfach keine Umfänge und Zeiten für das Training reduzieren.“ Bei der Zusammenstellung der neu formierten Mannschaft haben die Verantwortlichen die Anforderungen berücksichtigt, die an einen Spiel-Favoriten gestellt werden. Wolf: „Mal defensiv stehen und dann kontern, das war eher unser Spiel in der Regionalliga. Jetzt müssen wir im Ballbesitz gefährlich werden, weil uns die meisten Gegner defensiv begegnen werden.“

Meuselwitz ist aus der Regionalliga abgestiegen, die Ankunft in der Oberliga hat man ohne polternden Lärm, ohne wilde Schuldzuweisungen vernommen. Wolf kennt das Rezept, welches man jetzt auch beim Neuanfang einlösen wird: „Es hilft nichts, wenn ich in cholerische Hektik verfalle. Ich bleibe dabei, dass die ruhige Hand besser führt. Und es ist wissenschaftlich bestätigt, dass Dinge gut gelingen, die man gern erledigt.“

Die Wolfschen Gern-Projekte mit der bluechip Computer AG, dem ZFC Meuselwitz profitieren von der Einstellung des Chefs, der diesen Begriff über seine leitende Arbeit und führende Funktion nicht hören und lesen will. Das gelebte Wir steht als Motivation für das Miteinander vorn dran. Und dies zeigt Erfolg: Der Oberliga-Start ist geglückt, 2:0 hieß es nach 90 Minuten vor heimischen Publikum gegen Empor Glauchau. Etappe 1 ist geschafft auf dem Weg zum siebenten Aufstieg der Ära mit Wolf als Lenker und Leiter mit der ruhigen Führung. Nächster Halt: VfB Krieschow, am Sonntag, 16. August, ab 14 Uhr ...

und Lars Preußer

Infos: www.zfc.de



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