Wenn die Welt zusammenbricht
Titelgeschichte: Ein Team des DRK kümmert sich in der Region in Krisensituationenum Betroffene, Hinterbliebene und Einsatzkräfte / Treffen in Gößnitz

Gößnitz. Zu einer Weiterbildungsveranstaltung trafen sich kürzlich 13 Personen in Gößnitz, die beruflich ganz unterschiedliche Wege gehen. Doch sie vereint ihre ehrenamtliche Tätigkeit in der PSNV, der psychosozialen Notfallversorgung.

Unter dem Dach des DRK Gera angesiedelt, sind sie vornehmlich in Gera, dem Landkreis Greiz und dem Altenburger Land tätig. Seit zehn Jahren gibt es diese psychosoziale Notfallversorgung, die über Strukturen hinweg, organisationsübergreifend agiert. Angefordert werden sie von der Rettungsleitstelle Gera, beispielweise, wenn Unfälle mit tödlichem Ausgang geschehen sind. Aber auch in suizidalen Fällen. Immer dann, wenn seitens Rettungsleitstelle oder Polizei die Notwendigkeit gesehen wird, dass Hilfe und Betreuung traumatisierter Personen erforderlich sind. Zur Krisenintervention, wenn Menschen, die nach einem traumatischen Ereignis an akutem psychischen Schock oder starken seelischen Belastungen leiden, werden sie hinzugezogen. Der Einsatz ist immer zeitlich begrenzt, erklären ­Stefan Taubmann und Andreas Kinder, die die fachliche Leitung der psychosozialen Notfallversorgung innehaben. Teamleiterin der 26 Mann starken Truppe ist Madeleine Boost.

Zwei Einsatzbereiche werden unterschieden. Einmal die Betreuung von Einsatzkräften, wie Polizei, Rettungsdienste, etc. und andererseits die Hilfe und Betreuung unmittelbar Betroffener. Und dafür gibt es auch zwei Ausbildungsgänge. Mindestens für eine dieser Ausbildungsgänge muss man sich entscheiden, will man solch eine Aufgabe übernehmen, so Andreas Kinder. Die Ausbildung erfolgt aus eigenen Ressourcen heraus. Erst ab dem 23. Lebensjahr dürfen Einsätze gefahren werden, sagt Stefan Taubmann.

Neulinge werden nach der Ausbildung langsam an diese sensiblen Aufgaben herangeführt. Es gibt eine lange Eingliederungsphase. Lebensalter und Beruf sind dabei nicht Garant, dass man diese Aufgaben bewältigen kann. Deshalb sind nach Anforderung der PSNV-Ehrenamtler durch die Rettungsleitstelle Gera auch immer zwei von ihnen im Einsatz.

Die Einsatzdichte ist ganz unterschiedlich, berichten beide übereinstimmend. Da können auf drei Wochen ohne Einsatz durchaus zwei bis drei Einsätze an einem Tag kommen oder fünf in einer Woche. Je mehr Personen in der PSNV tätig sind, umso besser verteilen sich die Aufgaben. Das bringt hohe strukturelle Anforderungen mit sich und natürlich auch jährliche Fortbildungen.

Ob die Betreuung nach einem Verkehrsunfall oder einem Suizid, einer frustranen Reanimation, sowie bei Großeinsätzen im Katastrophenschutz, wie im Ahrtal erlebt, als einige von ihnen mehrere Tage oder Wochen im Einsatz waren, erfolgt, sollte man sich im Vorab hinterfragen, ob man sich diese Aufgabe auch wirklich zutraut. Denn was auf die PSNV-Einsatzkräfte zukommt an Emotionen beispielsweise, das wissen sie im Vorfeld nicht. Mit entsprechender Dienstkleidung, wie Hose, Jacke, Arbeitsschutzschuhen, Helm und Handschuhen wird man ausgerüstet. Integriert ist die PSNV auch im Katastrophenschutzzug.

Vierteljährliche Teamtreffen erfolgen. Dabei trifft man sich stets an verschiedenen Orten, mal in Greiz oder Gera und nun, weil es auch im Altenburger Land erste Ehrenamtler gibt, wie an diesem Tag in Gößnitz. Im Altenburger Land hatten sich bislang noch nicht viele Ehrenamtliche für diese sensible ehrenamtliche Tätigkeit gefunden. Seit Kurzem gibt es mit Notfallseelsorger Peter Klukas, Claudia Brumme und Bianca Herling nun drei Personen in diesem Ehrenamt PSNV, und man ist überglücklich, dass man nun auch im Altenburger Land Fuß fasst. Denn es ist organisatorisch gut, wenn die Einsatzkräfte der PSNV direkt vor Ort, also im Landkreis wohnen und nicht so weite Wege haben. Was natürlich nicht ausschließt, dass man auch in Greiz oder Gera zum Einsatz kommt. Es ist schön, auch in der Fläche zu wachsen, sind sich Andreas Kinder und Stefan Taubmann einig. Wer sich solch einer Aufgabe widmen möchte, kann unter der E-Mailadresse ent@drk-gera.de den Kontakt herstellen.

Ziel der Krisenintervention und Notfallseelsorge ist nicht nur die Überwindung der Krisensituation, sondern auch die Verhinderung einer ungünstigen Weiterentwicklung sowie die Erweckung der Bereitschaft zur vielleicht notwendigen Langzeitbehandlung.

Im Mittelpunkt der Arbeit steht das Bemühen, eine Beziehung zu den Betroffenen aufzubauen, ihnen Ruhe und Halt zu vermitteln, damit die chaotischen und traumatischen Eindrücke bewältigt werden können. Die PSNV kann man nicht privat anfordern. Ob die Ehrenamtler der PSNV eingesetzt werden, entscheidet die Rettungsleitstelle Gera über ein Alarmierungsstichwort.

und Ulrike Grötsch
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