Manchmal genügt ein Blick in die Nachrichten oder in die Kommentarspalten im Netz: Der Ton ist rau, Menschen urteilen schnell, Rücksicht wirkt wie eine Schwäche. Umso mehr fällt auf, wenn jemand anders handelt. Einer hört erst zu, bevor er antwortet. Eine bleibt fair, obwohl sie allen Grund hätte, scharf zu reagieren. Solche Menschen machen einen Unterschied. In ihrer Nähe wird es heller.
In der Bibel steht ein Satz, der erstaunlich gegenwärtig klingt: „Lebt als Kinder des Lichts; denn die Frucht des Lichts besteht in aller Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“ (Epheser 5,8b–9)
Bemerkenswert ist, was dort nicht steht: Erfolg, Durchsetzungsvermögen oder eine perfekte Selbstdarstellung. Genannt werden Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit. Güte fragt nicht nur: Was bringt mir das?, sondern auch: Was tut dem anderen gut? Gerechtigkeit nimmt nicht einfach hin, dass die Schwächeren den Preis zahlen. Und Wahrheit bedeutet, dass ich mich nicht größer, besser oder makelloser darstellen muss, als ich bin.
Das klingt gut – und zugleich merken wir, wie anspruchsvoll es ist. Denn wer schafft es schon, jeden Morgen mit dem festen Vorsatz aufzustehen: Heute werde ich ein guter Mensch sein?
Der christliche Glaube beginnt deshalb nicht mit einer Forderung, sondern mit einer Zusage. Direkt vor unserem Bibelwort heißt es: „Nun aber seid ihr Licht in dem Herrn.“ Erst kommt das Geschenk, dann die Aufgabe. Wir müssen dieses Licht nicht aus uns selbst hervorbringen. Wir dürfen uns davon erreichen lassen.
Christen glauben: Dieses Licht hat einen Namen – Jesus Christus. Er sieht die Übersehenen, gibt Ausgegrenzten Würde und begegnet auch Menschen, die schuldig geworden sind, ohne ihre Schuld schönzureden.
Am Kreuz bleibt Jesus seiner Liebe treu, selbst im Dunkel von Gewalt und Tod. Seine Auferstehung ist der Grund der Hoffnung, dass die Dunkelheit nicht das letzte Wort behält. Wer sich an Christus hält, muss nicht aus eigener Kraft leuchten. Er lebt von einem Licht, das ihm geschenkt ist – und kann es weitergeben.
und Jörg BachmannPfarrer i.R.Kriebitzsch