Wohin gehörst du?
Gedanken zum Sonntag

„Wo gehörst du hin?“ Diese Frage stellen wir selten laut. Und doch begleitet sie viele Menschen. Da wünschen wir uns einen Ort, an dem wir willkommen sind. Menschen, die uns kennen. Einen Platz, an dem wir nicht erst etwas leisten müssen, um dazuzugehören.

Gerade in einer Zeit, in der vieles schnelllebig geworden ist, kann dieses Gefühl verloren gehen. Beziehungen verändern sich, Arbeitsplätze wechseln, Kinder ziehen aus. Manchmal fragt man sich: Wo ist eigentlich mein Platz?

Die Bibel kennt diese Sehnsucht. Dort sagt Gott: „Siehe, ich habe dich eingezeichnet in meine Hände.“ (Jesaja 49,16) Was für ein Bild! Wer sich etwas in die Hand schreibt, möchte es nicht vergessen. So beschreibt die Bibel Gottes Blick auf den Menschen: Du gehst nicht verloren. Du bist nicht einer unter vielen. Du bist mir wichtig. Du bist ein Teil von mir.

In manchen Kirchengemeinden wird an diesem Sonntag das Taufgedächtnis gefeiert. Christinnen und Christen verstehen die Taufe als Zeichen dafür, dass jeder Mensch von Gott angenommen und geliebt ist. In Jesus Christus hat Gott diese Liebe sichtbar gemacht. Er hat Menschen angesehen, die übersehen wurden, ihnen Würde gegeben und sie eingeladen, zu Gottes Familie zu gehören. Vielleicht brauchen wir diese Zusage heute mehr denn je. Nicht als billigen Trost, sondern als eine Kraftquelle für den Alltag. Wer sich angenommen weiß, muss sich und anderen nicht ständig etwas beweisen. Er kann freier leben, mutiger auf andere zugehen und großzügiger mit den Menschen umgehen.

Die Frage „Wohin gehörst du?“ lässt sich nicht allein mit einer Adresse beantworten. Sie führt zu dem, was unser Leben trägt. Der christliche Glaube antwortet: Menschen sehen vielleicht über dich hinweg, überhören dich oder nehmen dich gar nicht wahr. Gott aber vergisst dich nicht. In Jesus Christus hat Gott gezeigt, dass seine Liebe jedem Menschen gilt – unabhängig von Herkunft, Erfolg oder Versagen. Dieser Gedanke kann Mut machen, heute mit mehr Zuversicht und Vertrauen den nächsten Schritt zu gehen.

und Jörg BachmannPfarrer i.R.Kriebitzsch
Druckansicht