Ein Schild in Augenhöhe links neben der Haustür Tregubows verrät, was gemeint ist, die Aufschrift: Bienen und Schmetterlinge sind immer willkommen! Tregubow, im malerischen Altkirchen nahe Schmölln beheimatet, charakterisiert derartig Völker von Bienen. Der Züchter nennt im Moment 15 Bienenvölker sein Eigen. Der Imker: „Wir sind selbstverständlich an der sanftmütigen Zucht interessiert.“ Klingt sinnvoll, bei der Arbeit mit „friedlicheren“ Völkern gibt es weniger „Stichtage“. Tregubow hat die Liebe zu den Bienen von seinem inzwischen verstorbenen Schwiegervater Lothar Saupe mitbekommen. Tregubow erinnert sich: „Er hatte in der Hochzeit um die 70 Bienenvölker.“ Immerhin können in so einem Volk bis zu 50 000 Bienen leben, das waren dann bei 70 Völkern …
Ja, gut, da nehmen sich die maximal 750 000 Bienen, die Tregubow um sich haben kann, relativ bescheiden aus, denkt man an die 3,5 Millionen Exemplare, die einst den Schwiegerpapa umschwirrten. Dessen Tochter Ina und Sven Tregubow teilen nun in ihrer Lebensgemeinschaft das aufwendige Hobby Bienenzucht. Tregubow ist inzwischen Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Wiesenmühle.
Der zählt derzeit 34 Mitglieder, die aktiv oder passiv am Vereinsleben teilnehmen. Klar, auch in diesem Ehrenamt weiß der Vereinschef seine Liebste an seiner Seite. Er verrät: „Ina ist meine Stellvertreterin und die Finanzchefin. Sie hat die Gewalt übers Geld.“
Der Verein wurde im vergangenen Jahr 100 Jahre alt. Tregubow über das Miteinander der Züchter: „Wir treffen uns einmal im Monat und tauschen Erfahrungen aus. Es kann auch mal einen Vortrag geben. Einmal pro Jahr gestalten wir eine gemeinsame Ausfahrt. Die hat oft landwirtschaftlichen Bezug, wir hatten auch bereits Städtereisen nach Berlin und Leipzig auf dem Programm.“
Tregubow investiert seine Freizeit seit 2008 in die Bienenzucht. Den Status des Hobbys benennt er so: „Es ist ein intensives und umfangreiches Hobby, aber all das, was wir dafür tun, das empfinden wir immer noch als entspannend. So macht das auch am meisten Spaß.“
Der Gipfel des Spaßes fließt am Ende der Nahrungskette in cremiger Konsistenz und in goldgelber Farbe vom Löffel, den man gerade tief in das Honigglas getaucht hat. Ehe es so weit ist, sind der Ausdauer der Bienen sowie der Fleiß der Tiere und deren Züchter unerlässliche Treiber für diesen finalen Hochgenuss. Tregubow umreißt die Arbeiten, die in einem Jahr Bienenzucht anfallen: „Die Arbeit so eines Zeitraumes beginnt im August, September. Die Bienen werden gegen den Befall von Milben behandelt. Im Oktober folgt dann die sogenannte Einfütterung. Die ist in Form von Sirup nötig, weil die Bienen in der Natur zu dieser Zeit keinen Nektar mehr finden.“
Danach werden die fleißigen Flieger und faulen Mitbewohner (Drohnen) in Ruhe gelassen. Tregubow führt weiter aus: „Erst um die Weihnachtszeit gibt es eine weitere Behandlung des Volkes gegen Milben, dafür verwenden wir Oxalsäure. Im März, April bei circa 14 Grad Celsius bis 15 Grad Celsius erfolgt eine Bestandsaufnahme. Dann wird durchgezählt, wie viele Bienen überlebt haben. Da reduziert sich der Bestand eines Volkes meistens bis auf 5000 Bienen bis 7000 Exemplare.“
Anfang Mai beginnt die Schwärmerei, die Bienen werden zu Vielfliegern und sammeln Nektar. Bis Anfang August ist das dann auch die Zeit, in der der Honig gemacht wird. Für den Imker heißt das, er verbringt jede Menge Zeit an der sogenannten Schleuder und beim Abfüllen der Gläser. Tregubow erklärt: „Unsere Bienen fliegen Diestel, Mohn und Raps an. Wir verarbeiten deshalb in der Hauptsache Mischhonig.“
Und wie bekommt der Züchter nun die Sanftmut in das Volk? Tregubow verrät: „Man versetzt eine Königin und Bienen eines sanftmütigen Volkes in ein Volk, das sich als aggressiv erwiesen hat. Das ist eine Frage der Genetik, wie so ein Bienenvolk tickt. Und ja, man kann das tatsächlich sehen, was einen von den Tieren erwartet. Ich erkenne das, wenn sie aggressiv sind. Das haben sie im Blick.“ Einem Angler würde man – aus Gründen der eigenen Unwissenheit – das viel bemühte Angler-Latein als Synonym für Flunkerei – unterstellen. Weil ein Imker eben kein Angler ist, bewertet man dessen „Latein“ als Sprache der Wahrheit. Tregubow vermittelt ohnehin den Eindruck, dass er genau weiß, wovon er spricht, was er als Hobby mit Hingabe und Leidenschaft betreibt. Der Experte muss unbedingt aufklären, wie man sich verhält, wenn die Begegnung mit einer Biene tatsächlich zum „Stichtag“ ausartet. Tregubow bleibt auch bei diesem speziellen Thema trotz unliebsamer Erfahrung entspannt: „Ich weiß es aus eigenem Erleben, dass Stiche in Nase und Ohr die größten Schmerzen hervorrufen. Kühlen der betroffenen Stelle hilft aber immer. Die Prophylaxe ist wichtiger. Man sollte nicht nach einer Biene schlagen, nicht hektisch wedeln.“ Und: Es sind Wespen und nicht Bienen, die einem den Kuchen-Genuss im Freien mit nerviger Teilnahme verderben können.
Die Bienen sind die Guten. Die weiblichen Bienen, die die Arbeit im Volk verrichten, sind es sowieso. Tregubow: „Die männlichen Exemplare sind faul, sie lassen sich ernähren und sind hinter der Königin her. Aber auch das wird im Volk geregelt. Die Drohnen, die man an größeren Körpern und wesentlich größeren Augen erkennt, werden im Laufe so eines Bienen-Jahres von den Arbeiterinnen aus dem Volk gedrängt.“ Die Aktualität der uns ereilenden Klima-Veränderungen provoziert natürlich auch noch diese finale Frage: Wie kommen die Bienen eigentlich mit der Hitze klar? Sven Tregubow weiß: „Die Bienen vertragen ein Klima mit Trockenheit und Wärme sehr gut. Man stellt aber in den letzten Jahren zunehmend fest, dass es wegen der Erwärmung kaum noch eine Brutpause innerhalb des Volkes gibt. Die gab es früher von November bis März. Heute brüten die Bienen wegen der ausbleibenden strengeren Kälte beinahe durchgängig.“ und Lars PreußerÜbrigens: Der Nachweis blieb bisher aus, ob Honig von einem sanftmütigen Bienenvolk dem verzehrenden Konsumenten ebensolche Charakterzüge bescheren kann. Eine in dieser Art angelegte Studie fände ganz bestimmt zahlreiche Bewerber…