„Unsere Kirche ist das wichtigste Gebäude“
Die Lumpziger sind ausgesprochen umtriebig, wenn es um den Erhalt ihrer neogotischen Kirche geht. Jetzt steht die Rettung der einmaligen Mende-Ladegast-Orgel an.

Mitglieder des Fördervereins nutzen für ein Treffen kürzlich ganz unkompliziert den Altarbereich ihrer Lumpziger Kirche.Foto: Mario Jahn
Lumpzig. Die Kirche in Lumpzig mit dem markanten Turm steht ortsprägend am Dorfrand: neogotischer Baustil von 1830. Einen Pfarrer gibt es hier nicht mehr. Dennoch verbindet das Gotteshaus die Menschen in dem kleinen Schmöllner Ortsteil. Und nicht nur sie. Wenn es um die Rettung ihrer Dorfkirche geht, entwickeln die Lumpziger ungeahnte Energien.

Anfang 2024 gründeten rund 30 Engagierte einen Förderverein. Sie wollen ihr Gotteshaus vor dem Verfall retten und gleichzeitig verhindern, dass die Kirche womöglich zum Verkauf angeboten wird. Ihr großes Ziel: Die Dorfkirche soll zu ihrem 200-Jährigen innen und außen in neuem Glanz erstrahlen. Das Vorhaben ist ausgesprochen ehrgeizig.

Bis 2030 bleibt nicht mehr allzu viel Zeit. Was treibt die mittlerweile fast 40 Vereinsmitglieder an? „Unsere Kirche ist das wichtigste Gebäude im Dorf. Sie prägt es durch ihr einzigartiges Aussehen“, findet Andreas Wilfert. Und Kornelia Gentsch aus Hartha ergänzt: „Die Vorstellung, dass ich Richtung Lumpzig fahre und den Kirchturm nicht mehr sehe, ist für mich schockierend.“

„Lumpzig ist ohne Kirche undenkbar“, sagt Vereinsmitglied Thomas Heuduck. „Sie ist der zentrale Ort und schafft Gemeinschaft. Hier kommen Menschen zusammen.“ Über das Jahr beleben die Kirchenretter ihr Gotteshaus mit einer Reihe von Veranstaltungen, vom Konzert bis zur Märchenaufführung.

So laden die Lumpziger am 9. Mai zum Konzert mit dem Orchester „Da Capo“, am 14. Juni gibt’s Irish Folk, und am 19. September spielen „Purple Callas“. Und zu jeder Veranstaltung kredenzen die Lumpziger etwa Kulinarisches – dann zaubern vor allem die Frauen Kuchen, Plätzchen oder Eintopf für die Gäste.

Aktuell steht die Rettung Deutschlands einziger Mende-Ladegast-Orgel an. Im Instrument aus dem Jahr 1835 haben Holzwürmer deutliche Spuren hinterlassen. „Die meisten Orgelpfeifen sind aus Holz. Das wissen die wenigsten“, erklärt der Vereinsvorsitzende Gerd Meuche. Nur die äußerlich sichtbaren Pfeifen sind aus Zinn gefertigt. 2025 unterzog eine Spezialfirma die gesamte Kirche einer umfassenden Holzwurmkur – auch in Vorbereitung der Orgelrestaurierung. Die Lumpziger Orgel erstreckt sich über drei Etagen. Demnächst baut die Firma Orgelbau Waltershausen die Königin der Instrumente aus. Mehr als 90 Prozent des Instruments bestehen aus Originalteilen. Sie sollen bei der Restaurierung nach Möglichkeit erhalten bleiben.

In Waltershausen erhalten die hölzernen Orgelpfeifen eine Behandlung mit Spezialharz. Die Rettung des Instruments ist kostspielig und erfolgt in zwei Bauabschnitten. Ausbau und Beginn der Restaurierungsarbeiten schlagen mit knapp 49.000 Euro zu Buche. „Der erste Bauabschnitt ist Dank Spenden und Fördermitteln gesichert“, freut sich Gerd Meuche. Der zweite Teil der Restaurierung ist für 2027 geplant und kostet knapp 60.000 Euro. „Es sieht ganz gut aus mit der Finanzierung“, meint Gerd Meuche optimistisch.

Bis zum Wiedereinbau der Orgel spätestens Ende 2027 hat derFörderverein einen straffen Zeitplan. So wollen die Lumpziger ihre Kirche auch in der kalten Jahreszeit beleben. Dafür entsteht ab Mitte Juni 2026 ein beheizbares Kirchenstübchen. Es soll vom Eingangsbereich bis über zwei Bankreihen hinweg reichen – vom Rest der Kirche abgetrennt durch Holz, Glas und eine zweiflügelige Tür. Auf diese Weise entsteht ein knapp 40 Quadratmeter großer Raum inklusive kleiner Küche.

Infrarotheizer sollen im Kirchenstübchen künftig die neu verlegten Sandsteinplatten aufheizen und somit für Wärme sorgen. Hier sind ganzjährig Veranstaltungen geplant wie Gottesdienste, Mundart- und Spielenachmittage sowie Skatturniere. Möglich machen den Umbau rund 19.400 Euro Leader-Fördermittel.

Nächste große Aufgabe vor dem Wiedereinbau der Orgel ist die technische Sanierung des Kircheninneren. Sprich: Das Gotteshaus wird neu gemalert – inklusive Abdichtung von Rissen in den Kirchenwänden. danach kann die auf Kirchenmalerei spezialisierte Werkstatt Rinn und Volkland aus Eisenberg mit der Restaurierung des Orgelgehäuses beginnen.

Seit Gründung des Fördervereins haben die Lumpziger viel erreicht. 2025 schufen sie Voraussetzungen für eine dauerhafte Nutzung der Kirche als Veranstaltungsort. Eine Zisterne mit 7000 Liter Fassungsvermögen fängt Regenwasser vom Kirchendach auf für die Toilettenspülung.

und Dana Weber
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