IEs gibt Zeiten, da ist das Alte vorbei und das Neue noch nicht da. Man hat Abschied genommen, aber noch keinen neuen Anfang gefunden. Ein Mensch ist gestorben, eine Beziehung zerbrochen, eine Diagnose ausgesprochen, ein Beruf beendet, ein Lebensabschnitt abgeschlossen. Nach außen geht vieles weiter. Termine werden gemacht, Nachrichten beantwortet, Kaffee gekocht. Aber innen ist etwas stehen geblieben.
Solche Zwischenzeiten sind schwer auszuhalten. Man kann nicht zurück, aber auch noch nicht wirklich nach vorn. Die Vergangenheit trägt nicht mehr wie früher, und die Zukunft hat noch keine Kraft. Die Gegenwart wird groß, manchmal übermächtig. Sie legt sich auf die Seele wie ein schwerer Stein.
Auch die Freunde Jesu kannten eine solche Zeit. Ihr Lehrer, ihr Halt, ihre Hoffnung war nicht mehr sichtbar bei ihnen. Zugleich hatten sie eine Zusage. Jesus sagte: „Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch.“ (Joh 14,18) Dieser Satz steht im Johannesevangelium. Er nimmt das Gefühl ernst, verlassen zu sein. Aber er widerspricht ihm auch. Noch ist nichts gelöst. Noch ist keine neue Kraft spürbar. Aber ein Wort bleibt. Wie ein Lichtstreifen am Rand.
Das ist näher an unserem Leben, als wir oft denken. Denn Zwischenzeiten sind keine Ausnahme. Leben besteht nicht nur aus Ankommen. Es besteht oft aus Übergängen. Aus Warten. Aus Tagen, an denen man funktioniert, aber noch nicht getröstet ist. Aus Momenten, in denen man hofft, ohne schon stark zu sein. Das gilt für Glaubende ebenso wie für Zweifelnde und Suchende.
Der christliche Glaube behauptet nicht, dass solche Zeiten leicht sind. Er sagt auch nicht: Reiß dich zusammen, es wird schon. Er erinnert vielmehr daran, dass der Mensch in der Zwischenzeit nicht verlassen ist.
Darum auch wenn das Neue noch keine Gestalt hat, muss die Gegenwart nicht das letzte Wort behalten. Zwischen Himmel und Erde kann etwas wachsen, das wir noch nicht sehen: Mut, Trost, Kraft zum nächsten Schritt und Glaubenszuversicht.
und Jörg BachmannPfarrer i.R.Kriebitzsch