250 neue Jobs im Flugzeugbau
Titelgeschichte: Nach 100-Millionen-Investition feiert die Branche in Schkeuditz ein Comeback

Leipzig/Schkeuditz. Eine industrielle Schlüsselbranche kehrt zurück nach Sachsen – und mit ihr weit mehr als 200 Jobs: Der Flugzeugbauer Deutsche Aircraft startet am 29. September die Produktion in seinem neuen Werk am Flughafen Leipzig/Halle. Damit werden nach gut 65 Jahren wieder Flugzeuge in Sachsen gebaut. Für die Region Leipzig ist es die wohl bedeutendste Industrieansiedlung seit Jahren.

„Mit der Eröffnung unserer Endmontagelinie beginnt ein neues Kapitel für die deutsche Luftfahrt“, sagt Deutsche-Aircraft-Chef Nico Neumann der LVZ. „Leipzig wird künftig das industrielle Herzstück der D328eco und steht für die Rückkehr der vollständigen Flugzeugfertigung nach Sachsen.“

D328eco heißt das Flugzeug, das nun in Leipzig entsteht: Die Turboprop-Maschine mit 40 Sitzen gilt als Weiterentwicklung der Dornier 328. Die Ingenieure haben sie verlängert und modernisiert – und pochen auf höchste Effizienz: Der Treibstoffverbrauch pro Passagier sinkt um 14 Prozent. Zudem kann die Maschine zu 100 Prozent synthetische Kraftstoffe tanken – ein Schritt in Richtung klimafreundliches Fliegen.

Für das Werk am Schkeuditzer Flughafen baut die Deutsche Aircraft in großem Stil Jobs auf: Mit dem Hochlauf der Produktion, so heißt es am Firmensitz in Oberpfaffenhofen bei München, sollen in Leipzig/Halle „voraussichtlich 250 neue direkte Arbeitsplätze entstehen“. Derzeit arbeiten bereits 25 Menschen im Werk. Der Flugzeughersteller verspricht Stellen für Auszubildende, Techniker, Ingenieure und Fertigungsspezialisten. Zugleich stärkt das Unternehmen mit seiner Ansiedlung das Luftfahrt-Ökosystem Sachsens: Weitere Jobs dürften bei Zulieferern entstehen.

Sachsen im Allgemeinen und Leipzig im Besonderenverfügte lange Zeit über Know-how im Flugzeugbau – bekannt vor allem mit der Baade 152, dem ersten deutschen Passagierjet aus Dresden aus den spätem 1950-er Jahren. Und schon 1911 wurden in Lindenthal die Sächsischen Flugzeug-Werke gegründet, aus denen mit den Deutschen Flugzeugwerken einer der wichtigsten Hersteller des Landes wurde.

In den vergangenen Jahren hat die Deutsche Aircraft am Standort eine hochmoderne Endmontagelinie errichtet: Auf gut 10.000 Quadratmetern setzen die Mitarbeiter künftig die Sektionen zusammen. Am Ende rollt ein fertiges Flugzeug heraus – komplett montiert, mit Fahrwerk, Sitzen und Avionik. Neben der Endmontagelinie sind zudem eine Logistikhalle und ein „Flight Readiness Hangar“ entstanden: Dort bereitet das Unternehmen die frisch montierten Maschinen für ihre Tests vor. Von Schkeuditz aus verschickt das Unternehmen die Flugzeuge in alle Welt – die Abnahmeflüge laufen direkt vor Ort.

Das Unternehmen hat für die neue Fabrik eine hohe Geldsumme in die Hand genommen, erklärt Sebastian Böhnl, Vizepräsident für Operations & Produktion. „Mit einer Investition von mehr als 100 Millionen Euro haben wir einen hochmodernen und auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Produktionsstandort für Regionalflugzeuge geschaffen“, sagt er. Der Freistaat Sachsen indes unterstützt die Investition laut Unternehmensangaben mit rund 3,2 Millionen Euro.

Ganz so schnell wie geplant kam das Projekt in den vergangenen Jahren dabei nicht voran. Die Erstauslieferung hat das Unternehmen bereits verschoben, jetzt soll sie im kommenden Jahr anstehen.

Künftig will Deutsche Aircraft 48 Flugzeuge pro Jahr bauen – aber nicht von Tag 1 an. Vor der Serienproduktion baut der Hersteller nach eigenen Angaben zunächst zwei Testflugzeuge am Standort. Die Produktion steigere man im Anschluss schrittweise: Da neue Flugzeugprogramme komplex seien und die Luftfahrt per se sensibel, gehe „Sicherheit hier vor Geschwindigkeit“.

Deutsche-Aircraft-Chef Neumann sieht in dem Projekt auch einen Beitrag zur Souveränität im deutschen Flugzeugbau. Entwicklung und Zertifizierung bleiben am Standort in Oberpfaffenhofen, das fertige Flugzeug kommt künftig vom Flughafen Leipzig/Halle. Mit beiden Standorten schaffe das Unternehmen „eine durchgängige Wertschöpfungskette für die Entwicklung, Zertifizierung, Flugerprobung, Industrialisierung, Fertigung und Betreuung kompletter Flugzeuge in Deutschland“. Gerade in geopolitisch herausfordernden Zeiten sei das „ein wichtiger Beitrag zur Resilienz und technologischen Souveränität unseres Landes“. und F. Reinke
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