Ein Teddy-Rettungswagen für L.E.
Ein Krankenwagen für Kuscheltiere und Kinder: Ab Oktober könnte das Fahrzeug derLeipziger ASB-Jugend bereits in der Stadt unterwegs sein, um Kindern Erste-Hilfe-Wissen zu vermitteln

Kevin Henkel ist unterwegs im Teddy-Rettungswagen vom ASB Leipzig: Der RTW wird sich in den nächsten Tagen in der Messestadt auf den Weg machenn.Foto: André Kempner
Leipzig. Eine Trage im Innenraum, ein EKG-Gerät an der Wand, Blaulichter auf dem Dach: Auf den ersten Blick unterscheidet das Fahrzeug nichts von einem regulären Rettungswagen. Im Fahrzeug der Leipziger Arbeiter-Samariter-Jugend (ASJ) werden jedoch keine Notfälle behandelt, sondern Kuscheltiere.

Der neue Teddy-Rettungswagen soll im Herbst bereit sein. Das Ziel: Kindern spielerisch Erste-Hilfe-Wissen vermitteln und Berührungsängste mit dem Rettungsdienst abbauen. Bisher sind die überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeiter mit einem ausrangierten Krankenwagen unterwegs und besuchen damit Kitas, Schulen, Kinderheime sowie Veranstaltungen.

Die Idee dafür entstand laut ASJ-Ortsjugendleiter Kevin Henkel, weil die Nachfrage nach Erste-Hilfe-Bildung hoch sei. „Uns erreichen viele Anfragen, ob wir mal mit einem RTW an eine Schule kommen könnten“, so der Rettungssanitäter. Im vergangenen Jahr hat die ASJ bei rund 50 solcher Termine Kinder darin geschult, wie sie in Notsituationen helfen können. Das Konzept: „Mit dem Kuscheltier an der Hand Erste Hilfe lernen“. Abhängig vom Alter lernen die Kinder und Jugendlichen, wie sie Hilfe holen, Pflaster selbst aufkleben und Verbände anlegen. Aber auch, wie die stabile Seitenlage funktioniert und wie sie im Notfall eine Person reanimieren können. Das Angebot ist laut Henkel größtenteils kostenlos, Teilnehmerbeiträge seien freiwillig.

Zukünftig soll das Projekt durch einen eigenen Teddy-Rettungswagen ausgeweitet werden. Das Auto dafür gibt es schon. „Ein ausrangierter RTW wird gerade umgebaut und abgerüstet“, erklärt Henkel. „Das Fahrzeug musste unbedingt leichter werden“, fügt er hinzu. Dadurch benötigen die Fahrer, anders als bei regulären Rettungswagen, nur einen normalen Führerschein der Klasse B.

Der Teddy-Rettungswagen wird außerdem so verändert, dass sich möglichst viele Kinder gleichzeitig im Innenraum aufhalten können. Zusätzlich wird es laut Henkel spezielle Übungsgeräte geben: „Wir können dann ein Kuscheltier an ein Sauerstoffmessgerät anschließen. Obwohl dieser nicht atmet, erscheinen trotzdem Werte“, erklärt der 26-Jährige. Der Umbau und die Anschaffung des Fahrzeuges kosten rund 50.000 Euro. Die Hälfte davon fördert der ASB-Bundesverband. Die restlichen 25.000 Euro hat die ASJ über verschiedene Spenden finanziert.

„Der Teddy-Rettungswagen ist ein deutschlandweit einzigartiges Projekt, das Pädagogik und Erste Hilfe verbindet“, beschreibt Henkel. Andere Hilfsorganisationen seien ebenfalls regelmäßig mit Rettungswagen zu Bildungszwecken an Schulen vor Ort. Zudem organisieren Medizinstudierende der Universität Leipzig jährlich ein Teddybär-Krankenhaus. „Solch einen speziellen Rettungswagen gibt es in dieser Form jedoch bisher nicht“, bekräftigt der ASJ-Leiter.

„Das Projekt soll Berührungsängste abbauen und mehr Kinder befähigen, zu helfen“, erläutert er. Notfälle könnten immer und überall passieren. Gleichzeitig würden sich zu wenige Menschen trauen, Erste Hilfe zu leisten, oder sie wüssten nicht, wie diese funktioniert. Henkel moniert: „Wir überlassen Erste Hilfe zu oft dem Zufall.“

Tatsächlich zeigen verschiedene Befragungen, dass viele Erwachsene Angst haben, etwas falsch zu machen. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Deutschen Roten Kreuzes verdeutlicht: In nur 50 Prozent der Fälle beginnen Laien eine Reanimation, wenn diese nötig ist. „Der Teddy-Rettungswagen kann dazu beitragen, die junge Generation in Erster Hilfe sicherer zu machen“, meint Henkel. Bereits im Oktober könnte der RTW durch Leipzig rollen.

und M. Eisenbarth
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