Stelldichein zum 160. Jubiläum
Einstige Ruder-Weltklasse traf sich dieser Tage in Burghausen /Erinnerung an die Gründung der RG Germania im Jahr 1866

Leipzig. Der Andrang war riesig dieser Tage im Bootshaus Burghausen: Schließlich galt es ein ganz besonderes Jubiläum zu feiern. Die Ruderinnen und Ruderer aus Leipzig blickten zurück auf die vergangenen 160 Jahre – denn mit der Gründung der RG Germania von 1866 wird in der Messestadt im Verein gerudert. Und das so erfolgreich wie selten woanders, denn in der Wasserstadt Leipzig wurde Weltklasse geprägt.

Und so waren viele der ehemaligen Asse ins Bootshaus Burghausen gekommen, das nach 1990 zu einem echten Schmuckstück am Elster-Saale-Kanal ausgebaut wurde und in dem der Landesstützpunkt zu Hause ist. Und sie standen im Rampenlicht, Olympiasieger und Weltmeister gaben sich die Klinke in die Hand. Viele der einstigen Ruderrecken freuten sich über ein Wiedersehen und einige von ihnen setzten sich gar ins Boot um auf dem Elster-Saale-Kanal ein paar Meter zurückzulegen.

Hochkarätig besetzt der Zweier ohne Steuermann mit Hans-Peter Koppe und Uwe Heinke – ebenso wie ein Vierer ohne Steuermann mit den legendären Olympiasiegern aus dem DDR-Achter von 1976 Roland Kostuklski und Bernd Baumgart. Am Ufer schaute sportliche Prominenz dem Treiben auf dem Wasser zu wie etwa Andreas Decker oder Siegfried Brietzke, die beide 1976 gemeinsam mit Wolfgang Mager und Stefan Semmler im goldenen Vierer ohne Steuermann saßen. Übrigens: Decker, Brietzke und Semmler wiederholten den Olympiasieg 1980 in Moskau, diesmal mit Jürgen Thiele als vierten Mann im Boot. Für Siegfried Brietzke war es nach 1972 und 1976 die dritte olympische Goldmedaille. Für Andreas Decker, der später die Sportschule auf dem Rabenberg leitete, das zweite Olympiagold.

Jens Doberschütz, der mit dem DDR-Achter Gold aus Moskau mitbrachte, wärmte mit seinen Weggefährten viele Geschichten aus der aktiven Zeit auf, allein in Moskau gab es mit 13 (!) olympischen Goldmedaillen einen wahren Medaillenregen für Leipziger Ruderinnen und Ruderer. Nicht zuletzt waren auch die erfolgreichen Frauen im Bootshaus dabei: Wie die olympische Silbermedaillengewinnerin von 1976 Sabine Dähne, die später als Trainerin den Frauen-Doppelvierer mit der Leipzigerin Kristina Mundt 1988 und 1992 zum Olympiasieg führte, die auch im Organisationsbereich des Rudertreffens mitwirkte. Gerlinde Doberschütz und Ute Stange gewannen ebenfalls olympisches Gold und hatten am vergangenen Samstag viel zu erzählen, ebenso wie die Olympiagoldmedaillengewinnerinnen Marita Sandig und Kersten Neisser. Herzlich begrüßt wurde der einstige Trainer Dieter Kretzschmar (86), sowie die überaus rüstige ehemalige Cheftrainerin Herta Weissig, die in diesem Jahr ihren 90. Geburtstag feierte.

Es wäre müßig, alle Erfolge von Leipziger Ruderern und Ruderinnen aufzuzählen, es würde Seiten füllen, aber auch dokumentieren, welche Rudermacht Leipzig war und dies bis hin zu Annekatrin Thiele, die 2016 das vorerst letzte olympische Gold im Doppelvierer nach Leipzig holte und in Burghausen von Angelika Noack trainiert wurde, die 1976 gemeinsam mit Sabine Dähne die olympische Silbermedaille aus Montreal mitbrachte und 1980 in Moskau Gold gewann.

Insgesamt waren zu diesem Rudertreffen 9 Olympiasiegerinnen und 8 Olympiasieger im Bootshaus Burghausen und haben dem Olympiaball, der in Leipzig gleichzeitig stattfand, mächtig Konkurrenz gemacht. Überragend an diesem Tag war, dass über 130 Ehemalige der Einladung gefolgt sind – darunter Athletinnen und Athleten, die schon in den 1960’er Jahren auf der legendären Henley Regatta erfolgreich die Klubfarben vertreten haben

Ein großes Unterhaltungsprogramm brauchten die ehemaligen und teils noch im Masters-Bereich aktiven Athleten und Athletinnen an diesem besonderen Tag nicht – sie selbst waren der Mittelpunkt der Leipziger Ruderer-Feier zum 160. Jubiläum. Das Orgateam der Abteilung Rudern, welches diese Veranstaltung mit viel Liebe und Mühe organisiert hat, freute sich über die großartige Resonanz und das vielfältige, positive Feedback der Anwesenden, die aus allen Teilen Deutschlands und sogar über die Landesgrenzen hinweg angereist waren. Ach ja: Am Ende waren sich alle einig: Diese Ansammlung von Olympiasiegern, Weltmeistern, Gewinnern internationaler Medaillen und vielen ehemaligen Aktiven darf gern wiederholt werden und zwar nicht erst zum 170-jährigen Jubiläum.

und Jörg Richter

Druckansicht