Nun gibt es die Reise auch auf der Bühne: Die Leipziger Cammerspiele haben den Stoff als Theaterstück adaptiert und feierten am Dienstag Premiere im ausverkauften Innenhof der Moritzbastei. Die Besucherinnen und Besucher saßen dicht gedrängt in den eng bestuhlten Sitzreihen.
Heike Ronniger spielt Andrés Mutter, Bernhard Biller den Vater, und der Berliner Schauspieler Ulrich Faßnacht gibt Sohn André. Eine Erzählerrolle übernimmt Ralf Donis, der zudem singt und immer wieder wechselnde Nebenfiguren verkörpert – darunter den jordanischen Reiseleiter. Die Handlung folgt eng dem Buch und den darin versammelten Episoden.
Das Publikum besteht zum Großteil aus Fans von André Herrmann und ist wohlwollend gestimmt, es wird viel gelacht: etwa wenn Andrés Vater am Flughafen ein Messer auspackt („aus Asien, das war teuer“) oder die Eltern im Fahrstuhl stecken bleiben, weil sich ihre deutsche Tageszeitung in der Tür verklemmt hat.
Es ist ein unterhaltsames Spektakel, das die vier Schauspieler auf die Bühne bringen – es passt zu diesem lauen Sommerabend. Doch im Buch trägt die bloße Aneinanderreihung lustiger Begebenheiten. Auf der Bühne aber braucht es mehr – einen Moment, in dem etwas auf dem Spiel steht, einen echten Konflikt. Den sucht man hier vergeblich, die Handlung plätschert eher vor sich hin. Die Figuren entwickeln sich im Verlauf der Reise, wie auch im Roman, nicht wesentlich weiter. Es stellt sich deshalb die Frage, ob sich der Buchstoff wirklich für die Bühne eignet und ob sich die Theatermacher nicht hätten trauen können, etwas mehr vom vorgegebenen Plot abzuweichen. Auch den speziellen Dessauer Dialekt der Eltern treffen die Schauspieler nicht ganz.
Entstanden ist ein leichtes Sommerstück mit vielen Momenten zum Schmunzeln – die Cammerspiele verzichten bewusst auf Experimente. Wer das als Theaterstück sucht, was auch im Buch unterhaltsam beschrieben ist, wird in der Moritzbastei fündig. Überraschendes darf der Zuschauer nicht erwarten. André Herrmann selbst und auch seine Eltern haben die Premiere verfolgt. Alle drei waren rundum zufrieden – die Adaption des Buches sei „sehr lustig“ geworden. Übrigens: Im November erscheint Herrmanns zweites Reisebuch mit den Eltern: Diesmal ging es für die drei nach Japan. und GADas Stück ist in der Moritzbastei bis 14. August zu sehen. Alle Veranstaltungen sind ausverkauft, Restkarten noch an der Abendkasse. Weitere Infos:
www.cammerspiele.de